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RMV : Mit sechs Minuten Verspätung pünktlich

  • -Aktualisiert am

Mal pünktlich, mal unpünktlich: eine S-Bahn in Frankfurt. Bild: Wonge Bergmann

Der RMV meldet für die S-Bahnen einen Pünktlichkeits-Rekord. Der Verkehrsclub Deutschland bemängelt zu viele Verspätungen.

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          Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) bezweifelt, dass die S-Bahnen im vergangenen Jahr so pünktlich gewesen sind wie nie zuvor. Nach Angaben des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) haben im Jahr 2010 etwa 97 Prozent der S-Bahn-Züge und rund 90 Prozent der Regionalzüge den Fahrplan eingehalten. Der ökologisch ausgerichtete VCD sieht diese Zahlen kritisch. „Vielleicht geben es die statistischen Werte her, die besten Pünktlichkeitswerte seit Beginn der Qualitätsmessungen im Jahr 2001 zu bejubeln“, sagt Holger Greiner, Sprecher der VCD Regionalgruppe Rhein-Main. Die alltäglichen Erfahrungen der Fahrgäste sähen aber immer noch ganz anders aus. Von einer wirklich stabilen und hohen Pünktlichkeit könne vor allem bei den S-Bahnen und Regionalzügen noch längst keine Rede sein.

          Der RMV wies diese Zweifel an seinen Zahlen zurück. Bei den Pünktlichkeitswerten handele es sich um objektive Daten, die in weitgehend automatisierten Messungen gewonnen worden seien. Nur an einigen wenigen Stellen gäben die Fahrdienstleiter die Werte ein. Die Daten würden an Ein- und Ausfahrten von Bahnhöfen erhoben.

          Bei häufigen Verspätungen droht Geldabzug

          Insgesamt habe der Verkehrsverbund mit der Deutschen Bahn AG, dem Betreiber der S-Bahnen und vieler Regionalzüge, sowie mit den privaten Eisenbahngesellschaft, die für den RMV fahren, 54 Messpunkte vereinbart: 26 Punkte auf den S-Bahn-Linien und 28 auf den Linien der Regionalzüge. Vor allem werde an wichtigen Umsteigestationen sowie an Anfangs- und Endhaltestellen gemessen.

          Von diesen Messergebnissen hängt nicht zuletzt das Entgelt ab, das die Partner des RMV für ihre Leistungen erhalten. Hält ein Verkehrsunternehmen die mit dem Verbund vertraglich vereinbarten Pünktlichkeitswerte nicht ein, verspäten sich seine Züge also übermäßig häufig, muss es mit einem Geldabzug rechnen. Bisher hat noch kein Unternehmen die Objektivität der Messungen in Frage gestellt. Für den RMV eröffnet die Pünktlichkeitsmessung die Möglichkeit, Schwachstellen im Netz zu erkennen und Änderungen zu planen.

          Der Verkehrsclub klagt besonders über Unpünktlichkeiten auf der Flughafenlinie S 8

          Fragwürdig ist nach Ansicht des Verkehrsclubs die Anwendung der internationalen Pünktlichkeits-Definition. Ihr zufolge gilt ein Zug immer noch als pünktlich, wenn er nicht später als sechs Minuten im Vergleich zur ausgegebenen Fahrplanzeit eintrifft. Der VCD plädiert für eine generelle Senkung der Toleranzzeit auf drei Minuten, da gerade im Nahverkehr auch kurze Verspätungen besonders ins Gewicht fielen. Eine zunächst gering anmutende Unpünktlichkeit führe für den Kunden oft zu immer weiter wachsenden Zeitverlusten. Manch einer komme deshalb zu spät zur Arbeit – oder abends nicht mehr nach Hause.

          Tatsächlich ist der RMV aber schon jetzt auf einigen Strecken von der bisherigen Pünktlichkeits-Definition abgekommen. Auf manchen Strecken, die er an private Eisenbahngesellschaften über eine Ausschreibung vergeben hat, gilt eine Drei-Minuten-Grenze. Ein Zug wird also nicht mehr als pünktlich angesehen, wenn er weniger als sechs Minuten, sondern wenn er weniger als drei Minuten zu spät eintrifft. Bei der Neuausschreibung der S-Bahnen, die derzeit läuft, gilt für alle Strecken diese neue Grenze. Wenn zum Jahreswechsel 2014/15 die Gewinner der Ausschreibungen auf ihren Strecken den Betrieb aufnehmen, wird überall ein Zuspätkommen von mehr als drei Minuten offiziell als Verspätung registriert.

          Der Verkehrsclub klagt besonders über Unpünktlichkeiten auf der Flughafenlinie S 8. Hier seien in jüngster Zeit ganze Züge ausgefallen, so dass sich ein immenser Rückstau von Reisenden gebildet habe. Auch die Anschlüsse in der Region ließen noch sehr zu wünschen übrig. Komme zum Beispiel die Bahn von Hanau nach Friedberg nur wenige Minuten zu spät am Bahnhof Nidderau an, funktioniere der zeitlich knapp bemessene Anschluss an den Zug von Bad Vilbel nach Stockheim nicht mehr. Der Zug der Deutschen Bahn warte hier oft nicht auf den Zug der Hessischen Landesbahn. Dies gelte auch im umgekehrten Fall. Negative Erfahrungen mit Anschlüssen und Service hätten Fahrgäste auch auf der Dreieichbahn gemacht.

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