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RMV wird 25 Jahre alt : Einnahmeverluste wegen Corona-Pandemie

  • Aktualisiert am

Ein neuer Fahrkartenautomat des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) steht im Hofheimer Bahnhof an einem Gleis. Bild: dpa

Nach und nach füllen sich die Busse und Bahnen wieder, nachdem sie während des Lockdowns fast leer gefahren sind. Der Staat muss das entstandene Defizit ausgleichen, fordert der RMV.

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          Trotz Corona-Krise geht der Rhein-Main-Verkehrsverbund von weiteren Investitionen in neue Schienenwege aus. „Die Verkehrswende wird durch Corona nicht eingestampft, sondern im Gegenteil, es wird danach nötig sein, noch mehr und noch besseren ÖPNV zu haben“, sagte RMV-Chef Knut Ringat der Deutschen Presse-Agentur. Der vom Bund angedachte Fernbahntunnel unter dem Frankfurter Hauptbahnhof sei alternativlos. Auch andere Investitionen müssten stattfinden, etwa in einen Schienenring rund um Frankfurt. Machbarkeitsstudien zu Regionaltangenten im Osten und Süden stünden als Nächstes an. Der Rhein-Main-Verkehrsverbund besteht kommenden Donnerstag (28. Mai) seit 25 Jahren.

          Die Corona-Pandemie habe für radikal neue Rahmenbedingungen gesorgt: „Alles, wofür wir da sind und wovon wir leben – Schulen, Kitas, Restaurants, Universitäten – wurde geschlossen, Veranstaltungen verboten, der Flugbetrieb weitgehend eingeschränkt und es gibt Home-Office und Kurzarbeit in allen Bereichen“, sagte Ringat. Dennoch sei im Durchschnitt bis zu 75 Prozent des Angebots aufrechterhalten worden, inzwischen seien wieder fast alle Busse und Bahnen unterwegs.

          Maßnahmen in der Corona-Krise

          Der RMV biete derzeit alle Kapazitäten zum Schutz der Fahrgäste auf. Täglich würden bis zu 20.000 Masken zur Mund- und Nasenbedeckung verteilt, bisher insgesamt mehr als 300.000. Die Kontaktflächen in Bussen und Bahnen würden noch häufiger desinfiziert und die Züge seien mit möglichst vielen Wagen unterwegs, damit Platz sei. Wo technisch möglich, werde an den Haltestellen gelüftet, indem alle Türen von den Fahrern geöffnet würden.

          Die Fahrgastzahlen seien zwischenzeitlich auf 10 bis 20 Prozent zurückgegangen. „Der RMV hat in Abstimmung mit dem Land und den Gesellschaftern die Verkehrsunternehmen mit Unterstützung von Land und Kommunen unverändert weiter bezahlt. Sonst hätten wir in kürzester Zeit eine Welle an Insolvenzen bei den Verkehrsunternehmen“, sagte Ringat. Die Einnahmeausfälle müssten über öffentliche Mittel ausgeglichen werden. Derzeit liefen Feststellungen und Gespräche, wie groß der Corona-Schaden sei. Unklar sei auch, wie sich die Situation entwickele.

          Derzeit steigen die Fahrgastzahlen allmählich wieder an. „Wir werden wahrscheinlich bis 2022 oder 2024 brauchen, bis wir die früheren Fahrgastzahlen wieder haben. Momentan ist das ein Blick in die Glaskugel“, sagte Ringat. Voraussetzung sei eine Immunisierung gegen das Virus in der Bevölkerung, dann sei aber mit einer starken Dynamisierung zu rechnen.

          Positive Folgen

          Das Virus habe auch einige positive Aspekte, so bringe es Schwung in die Themen bargeldloses Zahlen und Digitalisierung. Auch andere Zukunftsprojekte werde das Virus nicht stoppen, sagte der RMV-Chef - darunter den Ausbau von sogenannten On-Demand-Angeboten in zehn weiteren Städten und Landkreisen: Bisher läuft ein Pilotprojekt im Landkreis Offenbach, in dem Fahrgäste per App und jenseits starrer Fahrpläne eine Fahrt im Minibus „Hopper“ bestellen können. Gleiches gelte für Investitionen in elektrisch betriebene Busse oder Fahrzeuge mit Wasserstoff-Antrieb, sagte Ringat.

          Der Fahrgastverband Pro Bahn forderte den RMV auf Anfrage auf, auch abseits der Mainmetropole Frankfurt zu investieren. Insbesondere die Region Mittelhessen könne nicht angemessen an der Verkehrswende teilnehmen, kritisierte der Landesvorsitzende Thomas Kraft. Sehr bedenklich sei, dass das Land die Hoheit über Planung, Gestaltung und Leistungsvergabe vollkommen in die Hand der Verkehrsverbünde gegeben habe - anders als andere Bundesländer. In Hessen gebe es keinen Fahrzeugpool und keine einheitlichen Triebwagen. „So kommt es wegen der Verschiedenartigkeit und der Reparaturanfälligkeit öfters zu Zugausfällen“, erklärte Kraft.

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