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Richtermangel in Hessen : Der harte Kampf um die besten Juristen

Aus der Balance: Mittlerweile bewerben sich die Jurastudenten mit den besten Noten nicht mehr unbedingt für den Staatsdienst. Bild: Wolfgang Eilmes

Immer weniger Topabsolventen in Hessen wollen Staatsanwalt oder Richter werden. Das hängt mit den Gehältern zusammen. Bekommt der Rechtsstaat bald ein Problem?

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          So richtig angenehm waren die Fragen Wilhelm Wolf nicht, das war leicht zu erkennen. „Wie steht es um die Personalsituation am Landgericht?“, wollte eine Journalistin vor einigen Wochen von ihm wissen. Wolf, Präsident des Frankfurter Gerichts, zögerte kurz, dann fand er das in seinen Augen passende Wort: „Auskömmlich.“ Wenige Sätze später ordnete er den Begriff ein, indem er davon sprach, dass die Richter am Landgericht einer „erheblichen Belastung“ ausgesetzt seien. Und auch, was die Frage nach dem Nachwuchs angeht, übte sich der Präsident in Diplomatie, so gut es ging. Im Gegensatz zu früher bemühe man sich inzwischen intensiv um die jungen Leute, erzählte er. Der ein oder andere Referendar, der sich als vielversprechend erweise, werde heute durchaus mit besonderer Aufmerksamkeit gefördert.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Was der Frankfurter Gerichtspräsident so vorsichtig ausdrückte, treibt die hessische Justiz schon lange um. Viele ihrer Vertreter, ob an den Amtsgerichten auf dem Land oder in Frankfurt, finden weitaus dramatischere Worte für ihre Sorgen um die Zukunft als Wolf. Manche sagen, man müsse angesichts der Bezahlung und der Belastung verrückt sein, um heutzutage als Richter oder Staatsanwalt anzufangen. So verschieden die Einschätzungen in ihrer Dramatik sein mögen, haben sie doch eins gemeinsam: Jeder in der Justiz weiß, wie es um die demographische Entwicklung bestellt ist und dass die Verrentung der Babyboomer in krassem Gegensatz zu dem steht, was an jungen Leuten nachkommt. Vor der Justiz macht diese Tatsache genauso wenig Halt wie vor allen anderen Branchen und Betrieben der Republik.

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