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Neue Rheinbrücke und Radwege : Mehr Wunschzettel als Plan

Verbindend: Zum Beispiel bei Rüdesheim sollte es nach Meinung des Rheingau-Taunus-Kreises eine Brücke über den Rhein geben. Bild: Wonge Bergmann

Eine neue Rheinbrücke, ein ausgedehntes Radwegenetz: Dinge, die im neuen Mobilitätsleitbild des Rheingau-Taunus-Kreises stehen. Chancen auf Realisierung haben sie vorerst kaum.

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          Mehr als 180.000 Bürger leben im Rheingau-Taunus-Kreis, verteilt auf 115 kleine und größere Ortschaften. Jeder Bürger auch aus dem kleinsten Dorf soll die Möglichkeit haben, an Werktagen in der Zeit von 6 bis 22 Uhr innerhalb einer Stunde ins nächstgelegene Mittelzentrum zu gelangen, ohne dafür ein Auto nutzen zu müssen. Das gehört zum flächendeckenden Mobilitätsangebot, das der Kreistag für den 811 Quadratkilometer großen Flächenkreis beschlossen hat. Doch ein Beschluss ersetzt noch keine Buslinie, verlegt noch keine Bahngleise, baut noch keine neuen Radwege und erhöht auch nicht die Leistungsfähigkeit des Straßennetzes.

          Dazu bedarf es konkreter Maßnahmen und Projekte, die das neue Mobilitätsleitbild des Rheingau-Taunus-Kreises beschreibt. Insgesamt listet es 80 Maßnahmen auf. Das Leitbild entspricht einem Wunschzettel, denn erfüllen kann sich der Landkreis nur ganz wenige dieser Wünsche, und dass bis zum Zielhorizont 2030 die Wunschliste abgearbeitet sein wird, ist wenig wahrscheinlich. Allein schon deshalb, weil viele Wünsche nicht nur viel Geld erfordern, das der Kreis nicht hat, sondern lange Planungs- und Genehmigungszeiträume voraussetzen. Ein Beispiel ist der Bau einer weiteren Rheinbrücke zwischen Wiesbaden und Koblenz, die vom Kreis für notwendig gehalten wird. Doch weder in Wiesbaden noch bei Rüdesheim oder im Mittelrheintal bei St. Goarshausen nehmen die Brückenpläne Konturen an.

          Wenig erstaunlich ist, dass das Mobilitätsleitbild dem Straßennetz eine „gute Erreichbarkeit der Mittelzentren und des Oberzentrums Wiesbaden“ bescheinigt, auch wenn es staugefährdete Engstellen gibt. Ganz anders das Bild bei der Schiene, denn die Anbindung des Aartals an das Schienennetz fehlt, obwohl aus Expertensicht die Zahl von rund 10 000 Pendlern nach Wiesbaden in seiner Höhe dem Pendlerstrom aus dem Rheingau mit seiner guten Schienenanbindung entspricht. Für das Mittelzentrum Idstein halten die Fachleute einen Anschluss an die S-Bahnlinie 2 für vielversprechend.

          Reaktivierung der Aartalbahn lässt auf sich warten

          Als besonders dringend gilt beim Bahnverkehr neben dieser S-Bahn-Verlängerung die Reaktivierung der Aartalbahn von Wiesbaden nach Diez, die aber noch viele Jahre auf sich warten lassen wird – wenn sie überhaupt einen volkswirtschaftlich nachgewiesenen Nutzen haben wird. Zu den weiteren Wünschen gehören barrierefreie Bahnhöfe, eine Taktverdichtung auf der Bahnlinie 10 in den Rheingau (30-Minuten-Takt) und die Beseitigung des Rüdesheimer Bahnübergangs. Letztere wird ist nach jüngsten Nachrichten von Hessen Mobil vor Beginn der Bundesgartenschau 2029 nicht realistisch. Eine Alternativtrasse für den Güterverkehr im Mittelrheintal ist eine Aufgabe für Generationen.

          Beim Busverkehr halten die Fachleute barrierefreie Bushaltestellen, dichtere Taktfolgen und attraktive Angebote wie ein 365-Euro- oder Jobticket für notwendig. Dringlich, aber von einer Realisierung weit entfernt sind die ersehnten Umgehungsstraßen für Waldems-Esch, Idstein-Eschenhahn, Schlangenbad-Wambach, Eltville-Martinsthal und Bad Schwalbach.

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