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Rheingau-Taunus-Kreis : Führerscheinentzug für junge Täter

Dass im Rheingau-Taunus die Zahl der Wohnungseinbrüche 2010 spürbar zurückging, führt die Polizeii unter anderem auf ein neues Präventionsprogramm zurück Bild: dapd

Der Rheingau-Taunus bleibt der zweitsicherste Kreis in Hessen. Die Kriminalitätsbelastung ist auf den niedrigsten Wert seit zehn Jahren gefallen. Probleme bereiten der Polizei aber junge Straftäter. Künftig könnten sie im Wiederholungsfall den „Lappen“ einbüßen.

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          In Rheingau und Untertaunus lebt es sich sicherer als in fast allen anderen Regionen Hessens. Die Kriminalitätsbelastung ist im vergangenen Jahr auf 3131 Straftaten je 100.000 Einwohner und damit auf den niedrigsten Wert der vergangenen zehn Jahre gefallen. Hinter dem Odenwaldkreis hat der Rheingau-Taunus seinen Rang als zweitsicherster Landkreis gefestigt. Insgesamt verzeichneten die 180 Polizeibeamten in den vier Polizeistationen Eltville, Rüdesheim, Idstein und Bad Schwalbach nur 5739 Straftaten. Es ist das erste Mal seit dem Jahr 2000, dass dieser Wert unter die Marke von 6000 gefallen ist. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote gegenüber dem Vorjahr zwar geringfügig um 2,6 Punkte auf 52,6 Prozent, doch das ist immer noch der zweitbeste Wert der vergangenen Dekade.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Auch blieb der Rheingau-Taunus von schweren Verbrechen weitgehend verschont. Insgesamt wurden nur drei versuchte oder vollzogene Tötungsdelikte registriert. In Hünstetten tötete ein 19 Jahre alter Pfleger eine 57 Jahre alte Frau durch mehrere Messerstiche und verletzte Tage später eine Sechsundsiebzigjährige schwer. Der psychisch kranke Täter wurde festgenommen und gab auch mehrere Brandstiftungen im Raum Michelbach zu. In Rüdesheim schoss ein Dreißigjähriger aus dem Kosovo auf den Mitarbeiter eines Döner-Ladens und verletzte ihn. Er wurde später in der Schweiz festgenommen.

          Einige „dicke Fische“ ins Netz gegangen

          Der kommissarische Leiter der Polizeidirektion Rheingau-Taunus, Matthias Mai, ist insofern mit der Arbeit seiner Beamten zufrieden. Ihnen gingen auch noch einige andere „dicke Fische“ ins Netz, wie ein osteuropäischer Serieneinbrecher, dem rund 70 Delikte zur Last gelegt werden; ferner ein Serienbrandstifter in Waldems, eine rumänische Einbrecherbande in Bärstadt und eine Firma, die eine Elektrotechnikfirma in Eltville durch Metalldiebstähle um rund 1,2 Millionen Euro geschädigt hatte.

          Dass auch die Zahl der Wohnungseinbrüche spürbar zurückging, führt Mai unter anderem auf ein neues Präventionsprogramm zurück, bei der Beamte in bedrohten Wohngebieten gezielt die Hauseigentümer auf Schwachstellen ihrer Immobilie wie zu hohe Hecken oder fehlende Bewegungsmelder angesprochen haben. Die Sicherheitslage im Rheingau-Taunus-Kreis hat sich in den vergangenen Jahren verbessert, doch das Sicherheitsgefühl der Bürger hängt stark von wahrnehmbaren Straftaten in ihrem persönlichen Umfeld ab. Dazu gehören vor allem Schlägereien und Zerstörungswut durch Jugendliche.

          Exzessiver Alkoholkonsum bei Festen und Partys

          Im Jahr 2010 waren zwar nur 16 Prozent aller Tatverdächtigen Kinder und Jugendliche. Ihr Anteil erreichte bei den Körperverletzungsdelikten aber 21 Prozent, bei Sachbeschädigungen fast 41 Prozent und bei Raubstraftaten immer noch 34 Prozent. Das hat vor allem auch mit exzessivem Alkoholkonsum bei Festen und Partys zu tun.

          Die Polizei unterstützt deshalb zahlreiche Präventionsprojekte in den Kommunen und empfiehlt beispielsweise der Stadt Eltville, einen freiwilligen Polizeidienst einzuführen, um die Jugendkriminalität einzudämmen. Die Polizei sei damit überfordert, „Seelsorger und Sozialmanager der Gesellschaft“ zu sein, sagte Mai. Er empfiehlt dem Landkreis, das andernorts schon erfolgreiche Präventionsprojekt „Gelbe Karte“ einzuführen.

          Jugendliche Straftäter würden dann von der Polizei der Zulassungsstelle im Landratsamt gemeldet, und die prüfe, ob der Heranwachsende charakterlich zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet sei. Nach einer Abmahnung („Gelbe Karte“) könne dann nach einer weiteren Straftat der Führerschein entzogen werden. Das werde gerade in einem großen Flächenkreis wie dem Rheingau-Taunus, wo Jugendliche auf Mobilität angewiesen seien, eine stark abschreckende Wirkung haben.

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