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Rheingau-Taunus-Kreis : Erstmals ein Parteiloser als Landrat

  • -Aktualisiert am

Siegerlachen: Der parteilose künftige Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Frank Kilian Bild: Marcus Kaufhold

Bei der Landratswahl im Rheingau-Taunus-Kreis setzt sich der Geisenheimer Bürgermeister Frank Kilian mit klarem Vorsprung durch. Aber nur jeder Dritte nahm an der Abstimmung teil.

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          Frank Kilian ist gestern zum neuen Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises gewählt worden. Der 52 Jahre alte Bürgermeister der Stadt Geisenheim gewann die Direktwahl mit 58,7 Prozent der Stimmen unerwartet deutlich vor seinem schärfsten Konkurrenten Andreas Monz (CDU) mit 36,9 Prozent der Stimmen und dem Mitbewerber der Linkspartei, Benno Pörtner (4,4 Prozent).

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Wahlbeteiligung lag nach einem eher unspektakulären Wahlkampf bei nur 37,7 Prozent. Damit beteiligte sich nur gut jeder Dritte der rund 150000 Wahlberechtigten an der Abstimmung. Die Zurückhaltung der Wähler hatte sich schon im Vorfeld abgezeichnet, nachdem in den Rathäusern der 17 Kommunen nur eine geringe Nachfrage nach Briefwahlunterlagen registriert worden war.

          Unterstützt von der SPD und den Grünen

          Kilian tritt in fünf Monaten die Nachfolge von Landrat Burkhard Albers (SPD) an, der nach zwölf Jahren an der Spitze der Kreisverwaltung auf eine abermalige Kandidatur verzichtet hatte. Mangels eigenem Kandidaten hatte die SPD den parteilosen Geisenheimer Bürgermeister unterstützt, für dessen Wahl auch die Grünen und mehrere Freie Wählergemeinschaften geworben hatten. Kilian war 2010 erstmals zum Geisenheimer Bürgermeister gewählt und im vergangenen Jahr ohne Gegenkandidaten mit 86 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt worden.

          Der Wahlabend verlief weniger spannend, als im Vorfeld von vielen Beobachtern erwartet worden war. Schon nach Eintreffen der ersten Ergebnisse aus den 189 Wahlbezirken des Rheingau-Taunus-Kreises lag Kilian klar vorne, und er gab die Führung während des gesamten Abends nicht mehr ab. Kilian gewann nicht nur alle Städte und Gemeinden im bürgerlich-konservativen Rheingau mit großem Vorsprung, sondern siegte auch in allen Kommunen des Untertaunus. In Kiedrich kam Kilian auf fast 74 Prozent Zustimmung, in Oestrich-Winkel auf 71,9 Prozent. Selbst in Monz’ Heimatstadt Taunusstein lag Kilian am Ende vorn, wenn auch nur mit 13 Stimmen. In Niedernhausen waren es nur 17 Stimmen Vorsprung. Am Ende hatte Kilian in allen 17 Städten und Gemeinden gesiegt. Vor allem die Rheingauer Bürger vertrauten dem Rheingauer Kandidaten. In keiner Kommune erhielt Kilian weniger als 62 Prozent Zustimmung. Im Untertaunus schnitt Kilian in Heidenrod und Hohenstein am besten ab.

          Der sichtlich enttäuschte Ministerialbeamte Monz erklärte sich seine herbe Niederlage mit einem offenbar verbreiteten Parteienverdruss und dem Wunsch vieler Wähler nach einer im politischen Betrieb bislang nicht verhafteten Persönlichkeit. Auch der CDU-Kreisvorsitzende Klaus-Peter Willsch sieht in der Parteilosigkeit von Kilian das entscheidende Argument für den Wahlsieg. Anders sei die Niederlage von Monz nicht zu erklären „Man muss mit Anstand verlieren können“, sagt ein ebenfalls tief enttäuschter Willsch.

          Benno Pörtner (Die Linke) nahm sein bescheidenes Ergebnis gelassen hin. Er habe ohnehin nicht Landrat werden, sondern im Wahlkampf Themen setzen wollen. Wahlsieger Kilian sagte, er habe mit einem so deutlichen Ergebnis nicht gerechnet, auch wenn er zum Ende des Wahlkampfs ein gutes Gefühl gehabt habe. Auch er sieht in der Parteilosigkeit das offenbar entscheidende Argument für viele Wähler. Zudem trauten die Bürger ihm offenbar zu, seine erfolgreiche Arbeit in Geisenheim auch auf Kreisebene fortzusetzen. Das Ergebnis bedeute einen großen Vertrauensvorschuss der Bürger.

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