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Rheingau : Kopfschütteln über Pfand für Weinflaschen

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Die nach einjähriger Unterbrechung wieder aufgeflammte Diskussion um ein mögliches Zwangspfand auch auf Weinflaschen ist im Rheingau mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen worden. Zuletzt waren die ...

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          Die nach einjähriger Unterbrechung wieder aufgeflammte Diskussion um ein mögliches Zwangspfand auch auf Weinflaschen ist im Rheingau mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen worden. Zuletzt waren die Winzer im Sommer 2001 durch entsprechende Meldungen aufgeschreckt worden, nachdem sich Bundesrat und Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nicht über die Novelle zur Verpackungsverordnung hatten einigen können. Im Januar 2003 dann schließlich die Entwarnung: Ein Pfand auf Weinflaschen wurde - vermeintlich endgültig - verworfen. Damit wiederholte sich eine Diskussion und ihr abruptes Ende, wie sie schon im Jahr 2000 geführt worden war.

          Nun steht eine neue, die dritte Runde um das Weinflaschenpfand bevor, und im Rheingau schwanken die Winzer zwischen Gelassenheit und Zorn. Denn es zeichnet sich ab, daß das Bundesumweltministerium im Weinflaschenpfand offenbar ein Druckmittel sieht, die Bundesländer im Streit um die Fortschreibung der Verpackungsverordnung zum Einlenken zu zwingen. Er selbst, so ließ sich Minister Trittin in Pressemeldungen zitieren, wolle das Pfand auf Wein verhindern. Das will auch der rheinland-pfälzische Weinbauminister Hans-Artur Bauckhage (FDP), der eine Pfandpflicht für Wein- und Sektflaschen für überflüssig hält, da die Mehrwegquote für Wein nach wie vor eingehalten werde, und er kritisiert die "abermalige Phantomdiskussion". Für den Weinmarkt "sei eine ökologische Lenkungswirkung durch das Pfand nicht zu erwarten". Auch würden die Winzer Flaschen zurücknehmen, um sie nach der Reinigung wieder in den Vertrieb zu nehmen. Im Rheingau zählen dazu die kleinen Familienbetriebe, die vor allem die in der Beschaffung teure "Rheingau-Flöte" gerne zurücknehmen, um sie ein zweites Mal einzusetzen.

          Die großen Güter sind da eher zurückhalten. Wilhelm Weil, Gutsdirektor eines der größten Rheingauer Weingüter und Vorsitzender des Verbandes der Prädikatsweingüter (VDP), dem im Rheingau rund 50 namhafte Betriebe angehören, hält von einem Weinflaschenpfand "überhaupt nichts". Er bezweifelt den ökologischen Nutzen und sieht "qualitative Nachteile" beim Einsatz gebrauchter Flaschen mit Blick auf eine erhöhte Bruchgefahr und die Hygiene.

          Zudem, so Weil, sei die Gewinnspanne beim Weinverkauf im Rheingau gering, die Preise seien scharf kalkuliert, weshalb höhere Kosten durch den Aufbau eines Pfandsystems vom Verbraucher getragen werden müßten: "Die Zeche zahlen die Weintrinker." Ferner müsse es mit Blick auf den zum Teil beachtlichen Exportanteil einiger Güter ohnehin viele und schwierige Ausnahmeregelungen auf das Pfand geben.

          Weil die Weinbranche "individueller" als andere Branchen sei, wäre das Pfand nach Ansicht von Weil auch nur schwer durchsetz- und vollziehbar. Das Weingut Weil selbst nimmt keine der 15 bis 50 Cent teuren Weinflaschen zurück. Ein Rücklauf sei nicht sinnvoll, faßt Weil zusammen, weshalb man sich dem "Grünen Punkt" angeschlossen habe.

          Der Leiter der Hessischen Staatsweingüter, Dieter Greiner, hielte eine Zwangspfandregelung für "in höchstem Maße unwirtschaftlich" und für ein Weingut mit bundesweitem Vertrieb kaum zu bewerkstelligen und teuer. Im Rheingau setzt Greiner bislang ausschließlich neue Flaschen ein, nur an der Bergstraße werde eine kleinere Partie gespült.

          Ganz anders das Familienweingut Dr.Corvers-Kauter mit angeschlossener Straußwirtschaft, wo bis zur Hälfte der abgefüllten Flaschen zurückgenommen werden, obwohl den Kunden zurückgebrachte Flaschen nicht vergütet werden, wie dies bei nur wenigen Gütern im Rheingau sogar noch der Fall ist.

          Die Flaschen werden nach Ingelheim transportiert und dort gespült, ein Vorgang, der insgesamt mit rund zehn Cent je Flasche zu Buche schlägt. Das ist zwar etwas billiger als eine neue Flasche, doch unter Berücksichtigung des damit verbundenen Aufwandes zweifelt Matthias Corvers - der auch Vizepräsident des Weinbauverbandes ist - an der Wirtschaftlichkeit der Flaschenrücknahme. Er sieht darin vor allem eine Dienstleistung am Kunden, deren "Ökobilanz" gleichwohl ungewiß sei. Corvers lehnt ein Zwangspfand, das bundesweit für ein kleines Weingut gar nicht funktionieren könne, als unsinnig ab.

          Für Weinbauverbandspräsident Richard Nägler gibt die dritte Auflage der leidigen Diskussion ein negatives Bild "von den Leistungen unserer Politiker". Das Weinflaschenpfand sei nicht praktikabel und würde die Position der ausländischen Mitbewerber der deutschen Winzer stärken. Nägler fordert in Berlin die "Bewegung von allen Seiten", damit das Thema schnellstmöglich wieder abgehakt werde. obo.

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