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Rhein-Main : Autozulieferer wollen Krise mit Kurzarbeit meistern

Die Dependance des Autoteilekonzerns Freudenberg in Reichelsheim hat ebenfalls schon Mitte des Monats mit Kurzarbeit begonnen. Im nahen baden-württembergischen Weinheim hat der Konzern, der weltweit 34 500 Mitarbeiter zählt, auch Kurzarbeit beantragt. Den Angaben zufolge arbeiten im südhessischen Reichelsheim 150 von 450 Mitarbeitern in kurz, in Weinheim die 1500 Mitarbeiter des Teilkonzerns Dichtungs- und Schwingungstechnik. Nach Angaben einer Sprecherin stockt das Unternehmen aber das Kurzarbeitergeld, das die Bundesagentur für Arbeit auszahlt auf, damit die Einbußen für die Mitarbeiter möglichst gering im Vergleich zum regulären Netto bleiben.

Deutlich spürbar ist der Absatzeinbruch bei Neuwagen schließlich auch für den Spezialisten für Kommunikationsgeräte Peiker Acustic in Friedrichsdorf. Die Unternehmensgruppe beschäftigt rund 500 Mitarbeiter. Von knapp unter 30 Zeitarbeitskräften habe man sich trennen müssen, Kurzarbeit sei ebenfalls ein Thema, berichtet eine Sprecherin. Gleichwohl zeige sich in der Krise, wer wirklich gut aufgestellt sei. Bei Peiker sei das der Fall und die Tatsache, dass man in vielen Dingen technischer Innovationsführer sei, berechtige zur Zuversicht, beim auf die Krise folgenden Aufschwung wieder ganz vorn mit dabei zu sein.

14.000 Conti-Mitarbeiter in Hessen

Der Zulieferriese Continental in Hannover ist eigentlich schon mit dem zähen Zusammengehen mit dem Großaktionär Schaeffler mehr als ausgelastet, doch deshalb bleibt er nicht von der schwierigen wirtschaftlichen Situation verschont. Wie eine Sprecherin auf Nachfrage erläuterte, hat Continental weltweit rasch auf den Rückgang bei den Autobauern mit allen zur Verfügung stehenden Instrumenten reagiert. Diese reichen auch bei der Aktiengesellschaft vom Abschmelzen der Überstunden und Zeitkonten bis zum Abbau von Zeitarbeitskräften. Rund die Hälfte der 10.000 weltweit bei Continental bislang tätigen Leiharbeiter sei inzwischen nicht mehr bei Continental. Außerdem hat das Unternehmen Kurzarbeit für bis zu sechs Monaten beantragt. An welchen Standorten und in welchen Produktionslinien die Beschäftigten kurzarbeiten werden, sei noch nicht zu sagen.

Die ehemaligen Standorte von Siemens-VDO in Babenhausen, Karben, Schwalbach, Wetzlar und Bebra mitgezählt, beschäftigte Continental in Hessen zuletzt 14.000 Männer und Frauen, 50.000 in ganz Deutschland, allein in Frankfurt rund 3400. Das Haus hofft den Angaben zufolge, die Krise mit Hilfe von Kurzarbeit meistern zu können. Einen Stellenabbau hatte es ohnehin schon zuvor in einigen Werken, beispielsweise in Barbenhausen, gegeben. Das ist den Angaben zufolge aber nicht der Absatzkrise, sondern Umstrukturierungsmaßnahmen geschuldet.

Rücker spürt die Krise nicht

Beim Automobilzulieferer Federal Mogul im Wiesbaden mussten Gewerkschaftsangaben zufolge schon im vergangenen Jahr befristet Beschäftigte gehen. Die Geschäftsleitung war in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen.

Und dann ist da noch die ganz große Ausnahme: Beim Ingenieurdienstleister Rücker in Wiesbaden, der vor allem für die Automobilbranche, aber auch für die Flugzeugindustrie arbeitet, spürt jedenfalls im eigenen Haus von der Krise nichts. Finanzvorstand Jürgen Vogt berichtet vielmehr davon, dass man nach wie vor händeringend nach Ingenieuren suche, die Erfahrungen in der Autoindustrie und der Konstruktion am Rechner hätten. Die börsennotierte Rücker AG profitiere gewissermaßen sogar von der Absatzkrise der Autoindustrie, weil diese nun verstärkt an der Entwicklung und Konstruktion von verbrauchs- und abgasarmen Autos arbeite. Und dazu brauchten die Autobauer eben auch die Dienstleistungen von Rücker.

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