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Rhein-Main : Ausbau der Bahn bleibt ein schwieriges Geschäft

Bild: F.A.Z.

Nur zögerlich kommt die Modernisierung des Eisenbahnnetzes im Rhein-Main-Gebiet voran. Die Planung ist kompliziert, die Mittel aus dem Konjunkturpaket II des Bundes fließen vornehmlich in andere Bundesländer.

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          In Erfurt müssen sie jetzt glücklich sein. Zusätzliche Mittel für die Neubaustrecke nach Nürnberg, zusätzliche Mittel für die neue Verbindung nach Leipzig, zusätzliche Mittel für die Strecke Richtung Chemnitz. Von 13 Bauvorhaben der Deutschen Bahn, die die Bundesregierung mit dem Konjunkturpaket II fördert und bereits konkret benennt, entfallen allein drei auf Strecken, die die thüringische Landeshauptstadt berühren. Das Rhein-Main-Gebiet ist auch dabei. Mit einer Weiche. Sie soll neben der S-Bahn-Station Galluswarte in Frankfurt verlegt werden, damit sich dort künftig zwei Güterzüge begegnen können, ohne dass – wie jetzt noch – wegen eines Engpasses der eine auf den anderen warten muss.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Nicht eben viel, was einer der wichtigsten Ballungsräume Deutschlands von den 700 Millionen Euro abbekommt, die im Konjunkturpaket II für die Schiene reserviert sind, zumal sich das ergänzende Konjunkturprogramm des Landes auf den Straßenbau konzentriert. Vergeblich hatte die Landesregierung versucht, weiteres Geld für Hessen zu reservieren. 100 Millionen Euro ließen sich in diesem Bundesland durchaus verwenden, heißt es im Verkehrsministerium, etwa für die Ausbaustrecke von Frankfurt nach Fulda.

          Es ist nicht leicht zu ergründen, warum Rhein-Main nicht mehr profitiert. Vielleicht liegt es an fehlendem Druck in Berlin, vielleicht war dem Bundesverkehrsministerium die Planung für die Investitionen der Deutschen Bahn noch nicht weit genug. Denn die Mittel sollen rasch Verwendung finden – und die Planung scheint gerade in einem dichtbesiedelten Gebiet besonders kompliziert.

          Dabei wird, ohne dass es die Kunden der Bahn groß merken, schon seit Jahren durchaus kräftig in das Eisenbahnnetz investiert. Nachdem zu Beginn des Jahrzehnts der Plan eines ICE-Tunnels unter der Frankfurter Innenstadt zu den Akten gelegt wurde, erarbeitete die Deutsche Bahn 2001 gemeinsam mit dem Land, der Stadt Frankfurt und dem Rhein-Main-Verkehrsverbund das Programm „Frankfurt Rhein-Main plus“, mit dem der Verkehr im Ballungsraum fortentwickelt werden sollte. So wurde 2005 ein elektronisches Stellwerk in Betrieb genommen, das die Flexibilität im Hauptbahnhof erhöht und ihn damit leistungsfähiger macht.

          Derzeit wird der S-Bahn-Tunnel durch die Frankfurter Innenstadt so ertüchtigt, dass künftig zwei Züge mehr je Stunde durchfahren können; Mitte 2010 sollen die Arbeiten beendet sein. Der Ausbau der S-Bahn-Strecke in die Wetterau und der Neubau Richtung Hanau werden noch weitaus länger auf sich warten lassen, von Investitionen in die S-Bahn nach Riedstadt ganz zu schweigen. Auch der Bau der Neubaustrecke in Richtung Mannheim ist ein Projekt, in dem längst in Jahrzehnten gerechnet wird. Mit den Bauarbeiten am Eisenbahnknoten unweit des Bahnhofs Frankfurt-Stadion hingegen wurde schon begonnen, er wird so hergerichtet, dass der ICE künftig auf dem Abschnitt vom Flughafen zum Hauptbahnhof auf eigenen Gleisen verkehrt, also unbehelligt von anderen Zügen. Dafür wird auch die Niederräder Brücke über den Main von vier auf sechs Gleise erweitert.

          Die komplizierte Planung und die nicht in erhofftem Umfang bereitgestellten Summen – zunächst steht der Bund in der Pflicht, bei S-Bahnen auch das Land, bisweilen der Verkehrsverbund – haben manches Vorhaben hinausgezögert. Bei der Neubaustrecke nach Süden, dem wichtigsten Projekt, hat die Deutsche Bahn für den ersten Abschnitt nahe dem Frankfurter Flughafen schon das Planfeststellungsverfahren beantragt, während in Darmstadt noch um die Trasse gerungen wird.

          Der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) hofft unterdessen, dass das Bundesland doch noch weitere Mittel aus dem Konjunkturprogramm des Bundes für die Bahn bekommt. Denn es gibt noch einen Sammelposten von 150 Millionen Euro für die Sanierung von Bahnhöfen. Leider gehe das Geld aber direkt an die Deutsche Bahn, die dann über die Verwendung entscheide, sagte eine Ministeriumssprecherin gestern. „Da müssen wir sehen, was ankommt.“

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