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Repair-Café : Schrauben für die Enkel

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Früher arbeitete er als Einzelhandels- und Marketingkaufmann in einer großen Elektronik-Fachmarktkette. „Ich habe in meinem Beruf dafür gesorgt, dass immer mehr konsumiert wird, also Elektroartikel weggeschmissen und neu gekauft werden“, sagt er - und begutachtet dabei das Tretlager des etwas in die Jahre gekommenen Mountainbikes.

Zu Beginn der Finanzkrise vor etwa sieben Jahren stellte er zum ersten Mal das Wirtschaftswachstum als gesellschaftliches Leitbild in Frage, wie er sich erinnert. „Unsere Wirtschaft beruht darauf, mit immer mehr Ressourcen immer mehr zu wachsen. Diese Ressourcen haben wir aber nicht, also stehen wir irgendwann vor einem richtigen Problem“, lautet seine Analyse. Auf der Suche nach alternativen Ansätzen stieß Vielmeyer auf eine Bürgerbewegung namens „Transition Town“ in Großbritannien. Ihre Anhänger wollen durch Umwelt- und Nachhaltigkeitsinitiativen den Übergang in ein Wirtschafssystem gestalten, das nicht auf Rohstoff- oder Ressourcenausbeutung beruht.

„Wir wollen etwas tun“

Vielmeyer fand heraus, dass es auch in Mainz Anhänger dieser Bewegung gab, und schloss sich ihnen an. Vor zwei Jahren erweiterte er das Netzwerk und gründete in Wiesbaden eine eigene und lokale Initiative nach britischem Vorbild: „Wiesbaden im Wandel“. Da Vielmeyer das Wort „nachhaltig“ für abgegriffen hält, formuliert er das Ziel anders: „Durch konkretes Tun im Hier und Jetzt eine enkeltauglichere Welt schaffen“. Die Transition-Town-Bewegung ist nach seinen Worten von dem Gedanken getragen, nicht länger nur zu hören oder zu lesen, wie schlimm alles sei. „Wir wollen etwas tun, und zwar direkt hier vor unserer Haustüre, in unserer Nachbarschaft, in Wiesbaden“, sagt Vielmeyer mit funkelnden Augen.

Eine Projektgruppe von „Wiesbaden im Wandel“ heißt „Gärten und Landwirtschaft“. Sie hat zum Ziel, Gemeinschaftsgärten anzulegen, um sich zum Teil selbst mit Lebensmitteln versorgen zu können. Die Projektgruppe Mobilität setzt sich dafür ein, dass Wiesbaden fahrradfreundlicher wird; einmal im Monat organisiert sie einen Fahrradkorso in der Innenstadt. Mitglieder der Gruppe Energie informieren in der Fußgängerzone Passanten, wie sie ihr Verhalten ändern können, um etwa CO2 einzusparen.

Cafés sollen sich nach dem Willen der Macher weiter verbreiten

Für Vielmeyer fängt der Wandel bei jedem selbst und im Kleinen an. „Wir sind nicht so naiv und glauben, mit einem Repair-Café die Welt retten zu können“, sagt er. Und doch sei es ein Schritt in die richtige Richtung. „Wir sind ein positives, gelebtes Beispiel und gleichzeitig ein Multiplikator.“

Im Falle des Repair-Cafés scheint sein Plan aufzugehen. Immer wieder betreten Leute die improvisierte Werkstatt, wollen wissen, was dahintersteckt und wann das nächste Mal repariert wird. „Eine tolle Sache, das muss ich gleich meinen Freundinnen erzählen“, sagt die Frau mit der Kaffeetasse. Dominik Hofmann, der Gründer des heimathafens, beobachtet das Geschehen mit seiner kleinen Tochter auf dem Arm. So stellt er sich die Stadt der Zukunft vor: „Ich möchte in keiner Stadt leben, in der das Leben immer schneller und anonymer wird. Wir sollten unser Wissen teilen und uns gegenseitig helfen. Nur durch den Austausch kommen die Dinge ins Rollen.“

Diese Idee steckt auch hinter dem Konzept von heimathafen, das Räume an Gruppen, Kreative oder Selbständige vermietet. „Wiesbaden im Wandel“ kann sie für das Repair-Café unentgeltlich nutzen, es soll einmal im Monat öffnen.

„Wer weiß, vielleicht gibt es ja in zehn Jahren 30 davon“, sagt Vielmeyer. Dann widmet er sich wieder dem kaputten Mountainbike. Der Besitzer wartet schon.

Repair-Café - Die nächsten Termine und Veranstaltungsorte

Wiesbaden 4. April, 10 bis 13 Uhr, Stadtteilbistro des Volksbildungswerks, Graf-von-Galen-Straße 3, (Klarenthal); 11. April, 10 bis 13 Uhr: heimathafen, Karlstraße 22; 18. April, 10 bis 13 Uhr, Café Anderswo, Blücherstraße 17, 65195 Wiesbaden-Westend.

Frankfurt 2. April, 16 bis 18 Uhr, Kreativwerkstatt, Hansaallee 150, (Dornbusch)

Griesheim 11. April, 11 bis 14 Uhr, Gemeindehaus der Luthergemeinde, Pfarrgasse 2

Darmstadt 17. April, 17 bis 20 Uhr Gemeindesaal der Michaelsgemeinde, Liebfrauenstraße 6

Hanau 9. April, 17 bis 20 Uhr, Bangertstraße 9

Offenbach 22. April, ab 18 Uhr, Stadtkirchengemeinde, Herrnstraße 44

Mainz 24. April, von 18 bis 20 Uhr, Windmühlenschule, Generaloberst-Beck-Straße 1 (Hechtsheim)

Langen 16. April, 17 bis 19 Uhr, Zentrum für Jung und Alt, Zimmerstraße 3

Idstein 25. April, 10 bis 13 Uhr, Haus der älteren Mitbürger, Schulgasse 7

Weitere Informationen unter www.repaircafe.org

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