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Religion in Zeiten von Corona : „Das wird ein besonderer Ramadan“

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Virtueller Ersatz: Familie Simsek verbringt das Fastenbrechen zu zweit Zuhause. Bild: dpa

Der Fastenmonat Ramadan steht bevor. Die muslimischen Feiertage werden traditionell sehr gemeinschaftlich gefeiert. Die Corona-Krise stellt die Gemeinden vor einen besonderen und problematischen Ramadan.

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          Am 24. April startet der muslimische Fastenmonat Ramadan. Bis zum 23. Mai dürfen gläubige Muslime dann von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang unter anderem keine Nahrung oder Wasser zu sich nehmen. Der Fastenmonat wird traditionell mit gemeinsamen Gebeten in der Moschee und allabendlichem Fastenbrechen, dem sogenannten Iftar, mit Freunden und Familie begleitet. In Zeiten der Corona-Pandemie ist das nicht möglich. Kontaktbeschränkungen erlauben keine großen Feste, keine gemeinsamen Gebete.

          „Es ist für uns sehr traurig, [...] dass man die religiösen Feiertage nicht in der Community feiern kann“, sagt Ünal Kaymakci von der Islamischen Religionsgemeinschaft Hessen (IRH), unabhängig von welcher Religion man sei. „Wir sind sehr eingeschränkt auf die Kernfamilie, das mindert das Fasten nicht, aber das spirituelle Gefühl wird nicht in derselben Form erlebbar sein.“

          Seit Menschengedanken nicht gegeben

          Kaymakci blickt nachdenklich dem beginnenden Fastenmonat entgehen: „Das wird ein besonderer Ramadan“, sagt er. „Die Moscheen sind geschlossen, selbst in Mekka, [...] das hat es seit Menschengedenken nicht gegeben.“ Für die Fastenden gelte: Gesundheit geht vor. „Wenn jemand krank ist, dann hat er das Fasten gefälligst zu unterlassen und die Möglichkeit, das dann nachzuholen.“

          Mohammed Johari vom Verein für Islamische Informations- und Serviceleistungen in Frankfurt erzählt, dass normalerweise rund 200 Menschen in den ersten Tagen des Ramadans gemeinsam in der Moschee des Vereins beten würden. „In den letzten Tagen sind wir voll.“ Das heißt, dass 400 Muslime die Gebete besuchten. In diesem Jahr ginge das nicht. „Wir versuchen, die Mitglieder via Zoom oder Youtube virtuell zu versorgen“, sagt Johari. Die Ansprachen mitsamt der Bittgebete werden über die Internetplattformen ausgestrahlt, so dass die Gläubigen von zuhause aus online eine Gemeinde bilden könnten.

          „Spaßabende“ digital anbieten

          Auch in der Islamischen Gemeinde Marburg wird virtueller Ersatz geboten. „Wir bemühen uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, die Gemeinde irgendwie zusammenzuhalten“, erzählt der Vorsitzende Bilal Farouk El-Zayat. Die Moschee habe im vergangenen Jahr jeden Abend zum Fastenbrechen eingeladen. Über 10.000 Mahlzeiten seien verteilt worden. „Jeder Tag ist ein besonderer Tag, auf den man sich das ganze Jahr freut“, resümiert der Vorsitzende. Solche Feste seien wegen der Corona-Krise nicht möglich. Seelsorge, Gebete und Unterhaltung, sogenannte „Spaßabende“ versuche auch diese Gemeinde digital anzubieten. Das gemeinsame Gebet und das gemeinsame Fastenbrechen sei dadurch natürlich nicht zu ersetzen.

          Said Barkan vom Zentralrat der Muslime in Hessen ergänzt: „Der Schutz von Menschenleben hat für uns natürlich Priorität.“ Er sehe es als islamische Pflicht an, die Ausbreitung der Pandemie zu verhindern. „Solange die Notwendigkeit besteht und es noch verhältnismäßig ist, werden wir dies so weiter handhaben.“ Das heißt, die Moscheen bleiben vorerst geschlossen, auch für den Ramadan, der nicht nur für die Gläubigen, sondern auch für die Finanzierung der Gemeinden eine wichtige Bedeutung habe.

          „Durch die Schließung der Moscheen sind fast alle Einnahmen weggebrochen“, erklärt Barkan. Die Moschee-Gemeinden finanzierten sich durch Spendensammlungen zu den Freitagsgebeten - besonders wichtig für die Einnahmen seien die Spenden im Ramadan. Der Vorsitzende des Muslimischen Zentralrats in Hessen sieht den Staat in der Pflicht, da es keine automatischen Einnahmen gibt, wie etwa aus der Kirchensteuer. Sozial und gesellschaftlich aktive Institutionen wie Moscheen würden „in der Not alleine gelassen“. Viele würden gesondert zu Spenden aufrufen, so Kaymakci von der IRH. Das reiche derzeit noch aus. „Wenn sich das länger hinziehen würde, kann das noch zum richtigen Problem werden.“

          Trotz der Einschränkungen und Probleme der Corona-Krise bestehe noch Hoffnung: „Wir beten zu Gott, dass wir zumindest einen Teil des Ramadans in möglichst gewohnter Art verleben können.“ Denn bislang gelten die strengen Kontakt- und Abstandsregeln bis 3. Mai.

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