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: Regionalversammlung genehmigt Fachmarktzentrum in Groß-Gerau

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In der Region Rhein-Main wird ein weiteres großflächiges Fachmarktzentrum auf der "grünen Wiese" gebaut. Die Regionalversammlung Südhessen hat gegen die Stimmen der Grünen zugestimmt, daß an der Bundesstraße ...

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          In der Region Rhein-Main wird ein weiteres großflächiges Fachmarktzentrum auf der "grünen Wiese" gebaut. Die Regionalversammlung Südhessen hat gegen die Stimmen der Grünen zugestimmt, daß an der Bundesstraße 42 zwischen Groß-Gerau und Büttelborn, in unmittelbarer Nähe des Groß-Gerauer Bahnhofs, mit einer Verkaufsfläche von 20000 Quadratmetern Märkte etwa für Lebensmittel, Garten- und Elektroartikel sowie ein Bau-, Spezialmöbel-, und Sportfachmarkt entstehen können. Die Versammlung blieb allerdings hinter den Wünschen der Stadt Groß-Gerau zurück. Diese hatte ursprünglich eine Verkaufsfläche von mehr als 31000 Quadratmetern gefordert, nach Gesprächen mit dem Regierungspräsidium in Darmstadt jedoch ihre Pläne bereits auf 25000 Hektar reduziert.

          "Sehen Sie das nicht als Niederlage an", riet der CDU-Politiker Klaus Minkel dem anwesenden Bürgermeister von Groß-Gerau, Helmut Kinkel (Kommunale Bürger-Interessengemeinschaft), der bis zuletzt für die 25000-Ouadratmeter-Variante gekämpft hatte, "Sie nehmen einen sehr, sehr großen Schluck aus der Pulle." Gegen "diesen Schluck" hatten Städte und Gemeinden in der Nachbarschaft Groß-Geraus, darunter Bischofsheim, Mörfelden-Walldorf, Riedstadt und Rüsselsheim sowie der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main, der Einzelhandelsverband Hessen-Süd und die Industrie- und Handelskammer Darmstadt, die im Laufe eines solchen planerischen Verfahrens gehört werden, Bedenken angemeldet. Denn die Stadt Groß-Gerau mit ihren gut 25 000 Einwohnern sei mit einem sogenannten SB-Warenhaus von WalMart und einem weiteren Einkaufsschwerpunkt mit Märkten ohnehin leicht überdurchschnittlich ausgestattet, teilte der Planungsverband mit. Industrie- und Handelskammer und Einzelhandelsverband sehen durch das Zentrum den "Handelsstandort ,Innenstadt' bedroht".

          Rüsselsheim vertrat die Auffassung, daß die "Dimensionierung stark überhöht" sei im Vergleich zu einer Stadt wie Rüsselsheim mit etwa 59 000 Einwohnern und Oberzentrumsfunktion, die mit dem Real-Markt im Stadtteil Bauschheim nur einen großflächigen Einzelhandel mit einer Verkaufsfläche von 19000Quadratmetern habe. Und Mörfelden-Walldorf errechnete, daß Groß-Gerau, würde der Markt in der von der Stadt gewünschten Größe entstehen, eine Pro-Kopf-Verkaufsfläche im Einzelhandel von rund 2,8 Quadratmetern habe. Der Bundesdurchschnitt liege bei 1,3 bis 1,5 Quadratmeter.

          Und damit liegt die Bundesrepublik europaweit an der Spitze. Minkel wies mit Blick auf die ohnehin überdurchschnittlich gute Versorgung in Deutschland darauf hin, daß, da die Kaufkraft in diesem Land in den vergangenen Jahren nicht gewachsen sei, ein solches Zentrum nur zu Lasten anderer Märkte gehen könne. Der SPD-Fraktionsvorsitzende in der Regionalversammlung, Gerhard Weinrich, machte die Kommunen, die immer wieder Anträge in der Regionalversammlung für so große Fachmarktzentren stellten, mitverantwortlich für die Entwicklung des Einzelhandels: "Jede Gemeinde ist schließlich für ihr eigenes Wohl und Wehe verantwortlich", sagte er, wenn man sehe, wie Groß-Gerau mit öffentlichen Mitteln die Entwicklung der Innenstadt fördere, müsse es die Stadt selbst wissen, ob sie sich ein solches Fachmarktzentrum zumuten könne. Die SPD stellte den Antrag, die Fläche auf 20 000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu begrenzen.

          Der FDP-Politiker Peter Engemann, der in der Regionalversammlung den Kreis Groß-Gerau vertritt, verwies darauf, daß die Regionalversammlung nur die Aufgabe habe zu entscheiden, ob die Fläche sich für eine solche Ansiedlung eigne. Sie sei sehr gut erschlossen, liege zwischen zwei Gemeinden an einer Bundesstraße, unweit einer Autobahn. Die Entwicklung gehe hin zu den großen Einkaufsmärkten auf der "grünen Wiese". "Was bringt es", so Engemann, "sich dagegen- zustemmen." Die Tatsache, daß die Regionalversammlung die Verkaufsfläche einfach reduziere, habe "basarartige und leicht planwirtschaftliche Züge". Der gesamte Raum um Groß-Gerau werde von dem neuen Fachmarktzentrum profitieren. "Ich sehe den Bedarf nicht", sagte hingegen Grünen-Fraktionsvorsitzender Dietmar Vogel, das geplante Vorhaben sei eine "enorme Verschwendung von Raum und Ressourcen".

          Der Bürgermeister von Groß-Gerau hatte zu Beginn der Sitzung für das Gesamtkonzept seines Vorhabens geworben. Groß-Gerau bemühe sich um die Innenstadt, sei Sieger beim Landeswettbewerb "Ab in die Mitte". Doch großzügige Lebensmittel- oder Bau- und Gartenmärkte könnten nicht in der Innenstadt untergebracht werden. Das geplante Zentrum sei mit seinem Sortiment mit dem Groß-Gerauer Gewerbe abgestimmt. Doch derzeit ginge der Stadt Kaufkraft verloren. "Groß-Gerau leidet an der Anziehung von Segmüller", sagte Kinkel, mit Blick auf den im Herbst im gerade einmal zehn Kilometer entfernten Weiterstadt eröffneten Möbelmarkt. "Dadurch fließt Kaufkraft in großem Stil aus der Stadt ab." Mechthild Harting

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