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Regionalverkehr : Noch kein Aus für die Regionaltangente

Über die geplante Schienen-Ringverbindung zwischen Bad Homburg, Eschborn, Frankfurt-Höchst, Flughafen und Neu-Isenburg scheiden sich die Geister. Für die einen ist die Trasse ein „Anachronismus“, andere sehen darin „ein wichtiges Projekt für die Region“.

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          Von „einigermaßen überrascht“ über „ärgerliches Sommertheater“ bis zu deutlicher Zustimmung reichen die Reaktionen in der Region auf die Forderung der FDP im Main-Taunus-Kreis, das Projekt „Regionaltangente West“ aus Kostengründen aufzugeben. Der Landrat des Hochtaunuskreises, Ulrich Krebs (CDU), riet, die Äußerungen des Ersten Kreisbeigeordneten Hans-Jürgen Hielscher (FDP) nicht überzubewerten. Die geplante Schienen-Ringverbindung von Bad Homburg über Eschborn und Frankfurt-Höchst zum Flughafen und weiter nach Neu-Isenburg sei „für die Region ein wichtiges Projekt für die Zukunft“. Es sei falsch, jetzt aufzugeben.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unterstützung erfuhren Hielscher und der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Main-Taunus-Kreis, Johannes Baron, von den Liberalen im Frankfurter Römer. Sie rieten dazu, auf das rund 300 Millionen Euro teure Bauvorhaben zu verzichten. Die Ringverbindung sei wahrscheinlich nicht wirtschaftlich. Vor allem bestehe die Gefahr, daß Frankfurt auf Planungskosten in Millionenhöhe sitzenbleibe, wenn sich die Regionaltangente letztlich als nicht finanzierbar erweisen würde.

          Landkreise besser an den Flughafen anbinden

          Diese Position ist nicht neu. Frankfurt war in der Vergangenheit immer der größte Kritiker dieser Tangentialverbindung gewesen, die nach den bisherigen Planungen zum größten Teil auf der Gemarkung der Mainmetropole verlaufen würde. Man fürchtete einen hohen Kostenaufwand für die Stadt, während vor allem das Umland von der neuen Schienenverbindung profitieren würde. Daß sich nun Politiker aus dem Umland auf die Seite insbesondere der Frankfurter CDU und FDP schlagen, ist neu und für manchen irritierend.

          Denn die Landräte des Main-Taunus-Kreises und des Hochtaunuskreises galten bisher als ausgesprochene Verfechter der Verbindung, die nach Berechnung des Rhein-Main-Verkehrsverbundes täglich rund 46.000 Menschen an ihr Ziel bringen könnte. Die Kreise würden besser an den Frankfurter Flughafen angebunden, argumentierten sie. Derzeit führen die Bahnen alle erst einmal zum Frankfurter Hauptbahnhof. Der Frankfurter Flughafen, aber auch die zahlreichen Arbeitsplätze in Eschborn können in aller Regel nur durch Umsteigen erreicht werden.

          „Ich rate Herrn Hielscher, mit dem Eschborner Bürgermeister Wilhelm Speckhardt über seine Bedenken zur Regionaltangente zu sprechen“, sagte Jens Scheller (Die Grünen), Erster Beigeordneter des Planungsverbands. Eschborn würde nach derzeitigem Planungsstand eines Tages über drei Haltestellen und eine direkte Verbindung zum Flughafen verfügen, mit prognostizierten 7000 Fahrgästen am Tag.

          „Projekt ist ein Anachronismus“

          Hielscher selbst entgegnete, er halte die Regionaltangente für „wünschenswert“. Seiner Ansicht nach ist es jedoch ein „Anachronismus“, daß wegen der Kürzung der Regionalisierungsmittel Taktverschlechterungen im bestehenden öffentlichen Nahverkehr beschlossen würden, während gleichzeitig an der Planung „eines so teuren Projektes festgehalten wird“.

          Dabei hatte das einst vom Umlandverband aufgebrachte und viele Jahre nur von ihm vorangetriebene Vorhaben gerade in den vergangenen Monaten an Fahrt gewonnen: Im Dezember beschloß das Frankfurter Stadtparlament gegen die Stimmen von CDU und FDP, die Regionaltangente in den Generalverkehrsplan der Stadt aufzunehmen. Im Februar bekannte sich der Rat der Region, in dem die kreisfreien Städte und die Landkreise des Ballungsraums vertreten sind, einstimmig zu dem Projekt und bat den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), bis zur Aufsichtsratssitzung am 14. November eine Finanzierungsvereinbarung zu erarbeiten. Damit steht nach den allgemeinen politischen Willenserklärungen nun die Entscheidung an, ob die Region zur Finanzierung des Vorhabens bereit ist. Und offenbar drängt die Zeit.

          Die Geschäftsführung des RMV hat bereits in ihrer Juli-Aufsichtsratssitzung zur Eile angetrieben. Wolle man möglichst viele Fördermittel des Bundes nutzen, müsse spätestens 2014 mit dem Bau begonnen werden. Landrat Rolf Gnadl (SPD), stellvertretender RMV-Aufsichtsratsvorsitzender, hatte daraufhin seine Kollegen gemahnt, nun die von den Planern vorgeschlagenen Arbeitsschritte „konsequent und vor allem schnell zu gehen“.

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