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Rege Nachfrage bei Kreditinstituten : Beste Zeiten für Bauherren

Bild: F.A.Z.

Baugeld ist historisch günstig. Einzelne Banken in der Rhein-Main-Region verlangen nicht einmal mehr drei Prozent Zinsen. Mancher investiert derzeit lieber in eine Immobilie als in Wertpapiere.

          3 Min.

          In den Immobiliencentern der Frankfurter Sparkasse herrscht reger Betrieb. Insbesondere die Berater in der Filiale im Nordwestzentrum können schon seit einiger Zeit über mangelnde Nachfrage nicht klagen. Denn hier ist die Nähe zum Neubaugebiet Riedberg zu spüren, wie ein Sprecher der Frankfurter Sparkasse erläutert. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen für Baugeld falle dabei so manche Neubau-Finanzierung für die Sparkasse ab.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schmale 3,2 Prozent Effektivzins verlangt die Fraspa aktuell für die Baufinanzierung bei zehnjähriger Zinsbindung, für fünf Jahre sind sogar nur 2,48 Prozent fällig. Selten war es so günstig, mit Geld von der Bank eine Immobilie zu finanzieren. Die Frankfurter Finanzberatung Max Herbst erstellt seit Jahren einen Index, der die durchschnittlichen Konditionen mehrerer deutscher Banken darstellt. Aktuell liegt der Wert für zehnjähriges Baugeld bei 3,37 Prozent und damit einen ganzen Prozentpunkt niedriger als noch vor einem Jahr. Noch bis 2001 war eine Baufinanzierung kaum für weniger als sechs Prozent zu haben (siehe Grafik).

          Weniger als drei Prozent in Mainz

          Auch die Kreditinstitute in der Region senken ihre Zinssätze immer weiter. Die Sparda-Bank Hessen hat erst vor zweieinhalb Wochen ihre Konditionen nach unten angepasst und liegt jetzt bei 3,35 Prozent Effektivzins bei zehnjähriger Bindung. Die Wiesbadener Volksbank verlangt noch 3,15 Prozent, und das Mainzer Pendant hat die Drei-Prozent-Marke sogar schon unterschritten.

          Neubauten wie am Frankfurter Riedberg sind so günstig zu finanzieren wie selten zuvor
          Neubauten wie am Frankfurter Riedberg sind so günstig zu finanzieren wie selten zuvor : Bild: ©Helmut Fricke

          Finanzberater Herbst erwartet sogar noch einen weiteren Rückgang. In der Regel würden die Zinssätze zur kalten Jahreshälfte noch einmal abgesenkt. Weitere 0,1 bis 0,15 Prozentpunkte sind seiner Ansicht nach noch drin. Verbraucher sollten daher noch abwarten, ehe sie sich das niedrige Zinsniveau über sogenannte Forward-Darlehen für spätere Bauvorhaben sichern. Wer jetzt die Finanzierung angehe, sollte sich den Zinssatz über eine möglichst lange Laufzeit garantieren lassen, und über hohe Tilgungsraten die spätere Restschuld klein halten.

          Der Wettkampf um die besten Konditionen für Häuslebauer und -käufer hat mehrere Ursachen. Zum einen kommen die Banken derzeit sehr günstig an Geld, weil der Leitzins der Zentralbank nach wie vor niedrig ist. Zum anderen sind renditeträchtige Anlagemöglichkeiten auch für Banken rar. Da ist eine Hausfinanzierung mit einer Immobilie im Rhein-Main-Gebiet als Sicherheit auch für die Kreditinstitute eine willkommene Alternative.

          „Lieber in Steine, als in Wertpapiere investieren“

          Dass die Zinsen seit Jahren tendenziell sinken, hat darüber hinaus noch mehrere Gründe. Früher wurde die Finanzierung des Eigenheims nahezu selbstverständlich über die Hausbank geregelt, heute lassen sich Konditionen über das Internet wesentlich besser selbst vergleichen. Direktbanken wie die ING Diba haben das Preisniveau bei Baufinanzierungen nach unten gezogen. Auch viele Makler und andere Vermittler sind dazu übergegangen, ihren Kunden zum Hauskauf gleich gute Finanzierungskonditionen dazu zu suchen – nach gründlichem Preisvergleich. Hinzu kommt die seit Jahren sinkende Zahl von Neubauten, die zu einem härteren Wettbewerb der Banken untereinander führt. Wurden im Jahr 2000 in Hessen noch 11 500 neue Wohngebäude fertiggestellt, so waren es im vergangenen Jahr gerade noch 4500.

          Allerdings ist Frankfurt selbst dabei noch relativ gut aufgestellt, wie der Fraspa-Sprecher sagt. Neben dem Neubaugebiet am Riedberg gebe es schließlich gleich eine ganze Reihe von Entwicklungsflächen, wie das Europaviertel oder den Rebstockpark, in denen sich Neubauten realisieren lassen. Vermehrt kämen auch Kunden, die nach der Finanzkrise „lieber in Steine, als in Wertpapiere investieren“ wollten. Auch in der Frankfurter Volksbank ist von einem deutlichen Zuwachs im Baufinanzierungsgeschäft die Rede.

          „Gute Anlage besonders für bewegte Marktphasen“

          Doch auch andere Stimmen sind am Markt zu hören. Sinkende Preise sind schließlich nicht zuletzt ein Zeichen mangelnder Nachfrage. Bei der ING Diba habe sich die Nachfrage trotz stetig sinkender Zinsangebote im Vergleich zum Vorjahr nicht verändert, sagt ein Sprecher der Direktbank mit Sitz an der Theodor-Heuss-Allee. Bei vielen sei die Angst zu groß, dass durch die noch nicht überstandene Wirtschaftskrise doch noch die Arbeitslosigkeit drohen könnte. Auch in einer Umfrage, die die Commerzbank gestern veröffentlichte, gab die Hälfte der Befragten an, ihnen seien die Zeiten zu unsicher, um eine Immobilie zu erwerben.

          Marcus Wetzel, Immobilienexperte bei der Commerzbank versteht dieses Argument nicht. Komme doch der Vorteil einer Immobilie als Wertanlage gerade in bewegten Marktphasen zum Tragen.

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