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Reformation in der Wetterau : Als Luther in Friedberg Station machte

Friedberger Zeugnisse: Die Ausstellung im Wetteraumuseum geht den Spuren nach, die Luther in der Region hinterlassen hat. Bild: Wolfgang Eilmes

Eine Ausstellung beschäftigt sich mit der Reformation in der Wetterau. Der Reformator richtete Briefe an den Kaiser, die diesen allerdings nicht erreichten.

          John Morgan ließ sich nicht lumpen, um Kaiser Wilhelm II. mit einem besonderen Geschenk seine Aufwartung zu machen. Für 102000 Mark, eine auch für einen reichen Geschäftsmann beachtliche Summe, hatte der amerikanische Reeder und Mäzen auf einer Auktion in Leipzig ein Schriftstück erworben, das heute zum Weltdokumentenerbe der Unesco gehört: einen Brief, den Martin Luther auf der Rückreise von Worms verfasste, gerichtet an Kaiser Karl V., in dem er noch einmal seinen Auftritt vor dem Reichstag und seine Positionen darlegte. Zu Papier brachte Luther die selbstbewussten Zeilen am 28. April 1521 in einem Gasthaus an der heutigen Kaiserstraße in Friedberg. Wobei die Forschungsannimmt, dass das Schreiben den Kaiser nie erreichte, weil niemand wagte, es zu überbringen. Gleichwohl, dieser Brief, ebenso wie ein zweiter, den Luther in Friedberg an Fürsten und Stände des Reiches schrieb, wurde alsbald gedruckt und zirkulierte unter den Anhängern.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Zu besichtigen ist das Original des an Karl V. gerichteten Schriftstücks in der Ausstellung, mit der sich das Wetterau-Museum in Friedberg am Jubiläumsjahr ob der Veröffentlichung von Luthers Thesen vor 500 Jahren beteiligt, zwar nicht, denn das gehört zu den besonderen Exponaten der Lutherhalle in Wittenberg, deren Sammlungen Wilhelm II. den Brief einst überlassen hatte. Zu sehen ist aber in der Friedberger Ausstellung eines der wenigen Faksimile dieses Dokuments. Im Zusammenhang mit dem Aufenthalt des Reformators in Friedberg besitzt das Wetterau-Museum dennoch ein Original, das sogenannte Luther-Schwert.

          Bilder von Luther aus verschiedenen Epochen

          Die stattliche, mehr als einen Meter lange Waffe soll dem Reichsherold Caspar Sturm gehört haben, der Luther auf seiner Reise nach Worms und zurück mit dem Auftrag begleitete, ihm „freies Geleite“ zuzusichern. Weil sich einer des Söhne des Caspar Sturm in Friedberg niederließ, blieb das Schwert in der Wetterau, kam aus Familienbesitz schließlich in die Bestände des Museums. Nun wird das Luther-Schwert nach neueren Untersuchungen zwar in die zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts datiert. Dennoch hat es für die Friedberger den Status einer Art Reliquie und wurde als Leihgabe bei Ausstellungen zur Reformationsgeschichte in ganz Deutschland immer wieder gezeigt.

          Es sind freilich nicht allein diese Stücke, die einen Besuch der Ausstellung lohnen. Denn das Team Museum und Stadtarchiv hat noch eine Reihe weiterer selten gezeigter Exponate aus eigenen Beständen sowie aus dem Darmstädter Zentralarchiv der evangelischen Landeskirche und privaten Sammlungen zusammengetragen. Dazu zählen Bibelübersetzungen aus vergangenen Jahrhunderten, frühe Drucke von Streitschriften Luthers, zeitgenössische Karten, die den Weg Luthers durch die Wetterau nachzeichnen, Stadtansichten aus der Zeit vor und nach der Reformation. Vom Luther-Fenster in der Stadtkirche sind die Skizzen und Entwürfe erhalten geblieben. Aus Wetterauer Landkirchen haben die Ausstellungsmacher Bilder von Luther aus verschiedenen Epochen aufgereiht.

          All das veranschaulichen die auf Texttafeln erläuterten Ereignisse zu Entstehung und Folgen von Luthers Aufbegehren gegen die katholische Kirche. Erläutert wird auch, wie die Reformation sich in Friedberg und der Wetterau ausbreitete. Soziale Ungerechtigkeit und Feudalismus bildeten in der von Adelshäusern mit zumeist kleinen Territorialherrschaften geprägten Wetterau den Nährboden für Unzufriedenheit und Aufbegehren gegen die Obrigkeit, was auch Vertreter einer als korrupt und selbstgefällig wahrgenommenen Kirche betraf. Im Gefolge Luthers predigten da und dort Geistliche die neue, volksnahe Lehre, anderenorts dauerte es länger, bis sich die Menschen in Dörfern und Kleinstädten als Protestanten bekennen konnten. Was natürlich auch davon anhing, inwieweit sich die jeweiligen Herrscher mit den Anliegen Luthers identifizierten.

          Religiös motivierte Forderungen wurden immer lauter

          In Friedberg war das Zeitalter der Reformation mit besonderen Erschütterungen verbunden. Was vor allem der ungewöhnlichen Konstellation geschuldet ist, dass es dort zwei getrennte Herrschaftsbereiche gab: hier die Reichsstadt, dort die dem Kaiser unterstellte Burg. Da es sich die Burgherren, die beträchtlichen Einfluss auch auf den Rat hatten, mit dem Kaiser nicht verderben wollten, versuchten sie, die Verbreitung der Lehren Luthers zu unterbinden. Gleichwohl, hervorgerufen nicht zuletzt durch den ökonomischen Niedergang der Stadt, die ihre Stellung als führendes Handels- und Gewerbezentrum der Region verloren hatte, wurden wirtschaftlich und religiös motivierte Forderungen immer lauter, gipfelten schließlich in Aufruhr, dessen die Obrigkeit zwar mit militärischer Gewalt noch einmal Herr wurde. Auf Dauer aber ließ sich die neue Zeit nicht aufhalten, auch weil sich immer mehr Pfarrer von der alten Glaubenslehre abwandten. 1552 bekannten sich Stadt und Burg schließlich auch offiziell zur Reformation.

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          Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung Erasmus Alberus, einem der Weggefährten Luthers, der aus der Wetterau stammt und der Reformation nicht nur hierzulande Impulse gegeben hat. Wovon erst in den zurückliegenden Jahren durch neuere Recherchen mehr bekanntgeworden ist. Einen Namen gemacht hatte sich der Sohn eines Pfarrers aus Bruchenbrücken bei Friedberg zuvor vor allem als Autor eines frühzeitlichen Standardwerks über Land und Leute der Wetterau. Als Student in Mainz, wo mit Erzbischof Albrecht eine der Hauptpersonen des Ablasshandels residierte, machte sich Alberus Luthers Kritik daran selbst zu eigen und wechselte kurzerhand an die Universität Wittenberg, das geistige Zentrum der Lutheraner. Mit seiner ausgeprägten Streitlust, unter anderem in der in mehreren Auflagen erschienenen Schrift „Der Barfüßer Münche Eulenspiegel und Alcoran“, konnte er sich als Lehrer oder Pfarrer freilich nie lange auf einer Stelle halten. Weder in Brandenburg noch in Eisenach, Hamburg oder in der Wetterau. Alberus starb 1553, nachdem er als einer der Wortführer der Lutheraner aus Magdeburg nach der Belagerung der Stadt durch katholische Truppen hatte fliehen müssen. Inzwischen lassen sich Alberus mehrere Dutzend Schriften nachweisen, ebenso wie eine Reihe von Kirchenliedern. In Würdigung seines Beitrags für die Reformation trägt nunmehr das neue Zentrum der Diakonie in Friedberg seinen Namen.

          „Luther, die Reformation, Friedberg und die Wetterau“

          Zu sehen ist die Ausstellung „Luther, die Reformation, Friedberg und die Wetterau“ bis zum 25. Juni. Das Wetterau-Museum, Haagstraße 16, öffnet dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 17 Uhr.

           

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