https://www.faz.net/-gzg-8y481

Reformation in der Wetterau : Als Luther in Friedberg Station machte

All das veranschaulichen die auf Texttafeln erläuterten Ereignisse zu Entstehung und Folgen von Luthers Aufbegehren gegen die katholische Kirche. Erläutert wird auch, wie die Reformation sich in Friedberg und der Wetterau ausbreitete. Soziale Ungerechtigkeit und Feudalismus bildeten in der von Adelshäusern mit zumeist kleinen Territorialherrschaften geprägten Wetterau den Nährboden für Unzufriedenheit und Aufbegehren gegen die Obrigkeit, was auch Vertreter einer als korrupt und selbstgefällig wahrgenommenen Kirche betraf. Im Gefolge Luthers predigten da und dort Geistliche die neue, volksnahe Lehre, anderenorts dauerte es länger, bis sich die Menschen in Dörfern und Kleinstädten als Protestanten bekennen konnten. Was natürlich auch davon anhing, inwieweit sich die jeweiligen Herrscher mit den Anliegen Luthers identifizierten.

Religiös motivierte Forderungen wurden immer lauter

In Friedberg war das Zeitalter der Reformation mit besonderen Erschütterungen verbunden. Was vor allem der ungewöhnlichen Konstellation geschuldet ist, dass es dort zwei getrennte Herrschaftsbereiche gab: hier die Reichsstadt, dort die dem Kaiser unterstellte Burg. Da es sich die Burgherren, die beträchtlichen Einfluss auch auf den Rat hatten, mit dem Kaiser nicht verderben wollten, versuchten sie, die Verbreitung der Lehren Luthers zu unterbinden. Gleichwohl, hervorgerufen nicht zuletzt durch den ökonomischen Niedergang der Stadt, die ihre Stellung als führendes Handels- und Gewerbezentrum der Region verloren hatte, wurden wirtschaftlich und religiös motivierte Forderungen immer lauter, gipfelten schließlich in Aufruhr, dessen die Obrigkeit zwar mit militärischer Gewalt noch einmal Herr wurde. Auf Dauer aber ließ sich die neue Zeit nicht aufhalten, auch weil sich immer mehr Pfarrer von der alten Glaubenslehre abwandten. 1552 bekannten sich Stadt und Burg schließlich auch offiziell zur Reformation.

Die digitale F.A.Z. PLUS
F.A.Z. Edition

Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

Mehr erfahren

Ein eigenes Kapitel widmet die Ausstellung Erasmus Alberus, einem der Weggefährten Luthers, der aus der Wetterau stammt und der Reformation nicht nur hierzulande Impulse gegeben hat. Wovon erst in den zurückliegenden Jahren durch neuere Recherchen mehr bekanntgeworden ist. Einen Namen gemacht hatte sich der Sohn eines Pfarrers aus Bruchenbrücken bei Friedberg zuvor vor allem als Autor eines frühzeitlichen Standardwerks über Land und Leute der Wetterau. Als Student in Mainz, wo mit Erzbischof Albrecht eine der Hauptpersonen des Ablasshandels residierte, machte sich Alberus Luthers Kritik daran selbst zu eigen und wechselte kurzerhand an die Universität Wittenberg, das geistige Zentrum der Lutheraner. Mit seiner ausgeprägten Streitlust, unter anderem in der in mehreren Auflagen erschienenen Schrift „Der Barfüßer Münche Eulenspiegel und Alcoran“, konnte er sich als Lehrer oder Pfarrer freilich nie lange auf einer Stelle halten. Weder in Brandenburg noch in Eisenach, Hamburg oder in der Wetterau. Alberus starb 1553, nachdem er als einer der Wortführer der Lutheraner aus Magdeburg nach der Belagerung der Stadt durch katholische Truppen hatte fliehen müssen. Inzwischen lassen sich Alberus mehrere Dutzend Schriften nachweisen, ebenso wie eine Reihe von Kirchenliedern. In Würdigung seines Beitrags für die Reformation trägt nunmehr das neue Zentrum der Diakonie in Friedberg seinen Namen.

„Luther, die Reformation, Friedberg und die Wetterau“

Zu sehen ist die Ausstellung „Luther, die Reformation, Friedberg und die Wetterau“ bis zum 25. Juni. Das Wetterau-Museum, Haagstraße 16, öffnet dienstags bis freitags von 9 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, samstags von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, sonntags von 10 bis 17 Uhr.

 

Weitere Themen

Kuh mit Hubschrauber gerettet Video-Seite öffnen

Italien : Kuh mit Hubschrauber gerettet

Diese Rettungsaktion im italienischen Irpina Tal dürfte nicht jeden Tag vorkommen. Denn bei dem Wanderer, der hier aus einer Schlucht hervorgeholt wird, handelt es sich um eine Kuh.

Topmeldungen

Frankfurt (Oder) aus der Vogelperspektive – in Brandenburg sind die Grundsteuern eher niedrig.

Kommunalen Abgaben : Die Gemeinden erhöhen weiter die Steuern

Wer in Nordrhein-Westfalen lebt, zahlt mehr für die Grundsteuer als ein Bayer oder Brandenburger. Viele Gemeinden erhöhten zuletzt wieder ihre Steuern – besonders oft im Saarland.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.