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Kritik an Flugrouten : Realistisch bleiben bei Kampf gegen Fluglärm

Es dröhnen die Motoren: Fluglärm ist für viele Bürger ein tägliches Ärgernis Bild: dpa

Die vorhandenen Instrumente sollen konsequent genutzt werden, um den nach gegenwärtiger Rechts- und Beschlusslage bestmöglichen Lärmschutz für die Region durchzusetzen. Mehr ist realistischerweise nicht drin.

          Keine Frage, die Flughafenanrainer-Kommunen treffen mit ihrer Resolution zum Fluglärmschutz im zentralen Punkt den Nagel auf den Kopf: Aktiver Schallschutz bedeutet vor allem, den Lärm an der Quelle zu reduzieren, also am Fluggerät.

          Tatsächlich sind Flugzeuge der neuesten Generation nicht nur mess-, sondern auch hörbar sehr viel leiser als ältere. Für die Überflogenen bedeutet das eine echte Entlastung. Das Problem ist nur, dass etwa ein fabrikneuer Airbus A330-800 neo um die 250 Millionen Dollar kostet, die Preise für die großen Langstreckenflugzeuge liegen laut Liste noch einmal um 100 bis 200 Millionen Dollar höher.

          Flotten-Rollover

          Ungeachtet der Tatsache, dass keine Airline diesen Listenpreis in voller Höhe zahlt, ist es eine gewaltige Investition. Ein Flotten-Rollover, der Ersatz alter, lauter Maschinen durch neue, leisere, ist also schon aus finanziellen Gründen nur als ein sich über viele Jahre hinziehender Prozess denkbar. Zumal von der Order bis zur Endmontage Jahre vergehen.

          Die Lufthansa Group betreibt beispielsweise eine Flotte von 728 Flugzeugen. Im Geschäftsjahr 2017 sind 29 neue Maschinen an den Konzern ausgeliefert worden, was schon eine stattliche Zahl ist; das Durchschnittsalter der Flotte liegt jetzt bei 11,4 Jahren. Bei den meisten Konkurrenten sieht es bestenfalls ähnlich aus. Für die lärmbelasteten Flughafenanrainer heißt das, dass sie kurzfristig keine spektakuläre Entlastung durch viele neue Jets erwarten dürfen.

          Umverteilung von Lärm

          Die Resolution der zehn Kommunen wird da unrealistisch, wo sie alle Versuche mit veränderten Flugrouten und zeitlich ausgeweiteten Anflugverfahren mit der Begründung verwirft, dass es sich nur um eine Umverteilung von Lärm handele, nicht um eine absolute Reduzierung. Realistisch betrachtet, ist es auch schon ein Erfolg, wenn durch einen intelligenteren Einsatz der sofort verfügbaren Instrumente die Zahl der besonders stark vom Fluglärm Betroffenen in der Region reduziert werden kann und die Lärmlast im Ballungsraum insgesamt trotz Verkehrswachstum nicht zunimmt.

          Letztlich ist das auch das Ziel des am Montag vom hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) vorgelegten Sieben-Punkte-Plans: Es sollen die vorhandenen Instrumente konsequent genutzt werden, um den nach gegenwärtiger Rechts- und Beschlusslage bestmöglichen Lärmschutz für die Region durchzusetzen. Mehr ist realistischerweise nicht drin.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

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