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Radwege in Mainz : Schmal, holprig und zugewachsen

Gedrängel: Vor der Ampel an der Kreuzung Binger Straße und Am Römerwall kommen sich Radler und Fußgänger in die Quere. Bild: Michael Kretzer

Die Radwege in Mainz sind mangelhaft. Das meint der ADAC, der nun der Stadt die rote Laterne vergeben hat. Nach Ansicht der Verkehrsdezernentin liegt das Ergebnis auch an der Struktur der 2000 Jahre alten Festungsstadt.

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          Wenn es darum geht, in der Innenstadt flott von A nach B zu gelangen, steigen die Mainzer gerne und immer öfter aufs Rad. Etwa jede fünfte Wegstrecke wird in der City laut Verkehrsstatistik mit einem Fahrrad, E-Bike, Pedelec oder Lastenrad zurückgelegt. Die Corona-Pandemie, in der etliche Bürger die Busse und Bahnen eher meiden, hat den in der Universitätsstadt ohnehin schon starken Trend zum Fahrrad in den vergangenen Monaten weiter beschleunigt. Umso ärgerlicher dürfte es für die Verkehrsplaner der Kommune sein, dass die Stadt gemeinsam mit Hannover im Radwegetest des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC) auf den letzten Platz kam.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Weil von zehn stichprobenartig überprüften Routen sieben Strecken mit „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“ bewertet wurden, fand sich die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt am Ende ganz unten auf der Liste wieder. Zu schmal, oft holprig und ziemlich verschlungen, bisweilen auch noch zugewachsen, befanden die Kritiker. Lediglich zwei „gut“ getestete Radwege, darunter die seit vielen Jahren als vorbildlich gepriesene Extraspur durchs Zaybachtal, reichten nicht für eine bessere Plazierung beim Zehn-Städte-Vergleich, den laut ADAC Kiel für sich entscheiden konnte. Zentrale Kriterien für die Beurteilung seien Breite und Zustand der jeweiligen Radwege gewesen.

          Insgesamt gesehen werde von mehr als einem Drittel der für die bundesweite, nicht repräsentative Überprüfung abgefahrenen Strecken die Mindestbreite von 1,60 Meter bei Einbahnverkehr und zwei Metern bei Gegenverkehr nicht eingehalten, so das Fazit des Automobil-Clubs. Wobei die „Konkurrenz“ vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) selbst Sollbreiten von zwei Metern angesichts des stark gestiegenen Verkehrsaufkommens noch für zu schmal hält; und deshalb Mindestbreiten zwischen 2,50 und drei Metern empfiehlt.

          Kein Vergnügen

          Was die Mainzer Verkehrsdezernentin Katrin Eder (Die Grünen), die selbst häufig mit ihren Zwillingen auf dem Fahrrad unterwegs ist, ähnlich sieht. Allerdings seien die Straßen in einer 2000 Jahre alten und durch viele Festungsbauten geprägten Stadt nicht überall so, wie man das für eine moderne Mobilitätslenkung gerne hätte. Bei den Routen in die Stadtteile gebe es dagegen schon Verbesserungen, so Eder. Weitere markierte Fahrradstraßen von der Innenstadt an den Stadtrand sollen folgen.

          An der ADAC-Studie stört die Dezernentin, dass nicht nachvollziehbar sei, welche Stecken wie und wann getestet worden seien. Dabei weiß Eder nur zu gut, dass es kein Vergnügen ist, etwa auf den beiden holprigen und verschlungenen Radspuren auf den Gehwegen links und rechts der Großen Bleiche zu fahren, die unverkennbar aus einer anderen Zeit stammten. Der Bau des Fahrradparkhauses am Hauptbahnhof und die Pläne rund um das Neubaugebiet Heiligkreuzareal zeigten allerdings, dass die Stadt nicht untätig sei.

          Um ein bisschen Verständnis für die Mainzer Besonderheiten warb am Mittwoch der Verkehrsclub VCD Rheinhessen: Mainz verfüge eben nur über begrenzte Straßenbreiten. Und diese seien in den siebziger und achtziger Jahren „kompromisslos dem Auto zur Verfügung gestellt worden“. Längst aber werde gegengesteuert, indem man etwa die oft gar nicht mehr legitimierte Benutzungspflicht für alte Radwege aufhebe und den Straßenraum neu ordne und gestalte. Dabei verfolgen die Planer und der oftmals beratend tätige VCD in Mainz die Strategie, den Radverkehr wieder zurück auf die Straßen zu holen, weil dies sicherer sei als Fahrradfahrer auf parallel dazu verlaufende, häufig zu enge und unübersichtliche Spuren auf den Bürgersteigen zu schicken.

          Die derzeit vielerorts entstehenden Pop-up-Radwege, bei denen zeitlich befristet meist komplette Autofahrspuren umgewandelt werden, sind aus Sicht des ADAC-Verkehrspräsidenten Gerhard Hillebrand auch nicht die optimale Lösung, „um langfristig den Verkehrsfluss zu verbessern und für mehr Sicherheit zu sorgen“. Für die Mainzer Kaiserstraße, auf dem Abschnitt zwischen Neubrunnen- und Bauhofstraße, könnte sich Dezernentin Eder dieses Modell aber sehr gut vorstellen.

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