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Verkehrswende in Rhein-Main : Trennung als beste Lösung

  • -Aktualisiert am

Teil eines neues Verkehrskonzepts: Die Offenbacher Taunusstraße soll in einer Fahrradstraße verwandelt werden. Bild: Wolfgang Eilmes

Eine Radinitiative aus Offenbach will die Superblock-Idee als Vorbild nehmen, um den Straßenverkehr fahrradfreundlicher zu gestalten. Dabei sind die Forderungen der Fahrradlobbyisten zwar nicht verkehrt, allerdings weder neu noch sonderlich originell.

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          Sogenannte Superblocks sind eine Superidee. Und wenn das in einer Millionenstadt wie Barcelona klappt, sollte es in Offenbach und anderen Kommunen des Rhein-Main-Gebiets doch ebenfalls möglich sein, das vielerorts noch immer vorherrschende Durcheinander verschiedener Verkehrsmittel zu entwirren. Denn auf einer Straße ist zwangsläufig nicht genügend Platz für alle und alles: also für ausladende Bürgersteige, voluminöse Parkbuchten, breite und separat geführte Fahrradwege sowie Bustrassen, eventuell Straßenbahngleise und mehrere Fahrstreifen, auf denen Pendler und Kunden jederzeit entspannt in die und aus der City kommen. Da mögen die Verkehrsplaner auch noch so viel Farbe und Markierungen auf dem Asphalt auftragen. Es wäre viel vernünftiger, die unterschiedlichen und unterschiedlich schnellen Mobilitätspartner überall dort, wo es der Stadtplan hergibt, zu trennen und auf jeweils eigenen Wegen durch die City zu schicken.

          So gesehen, ist die von der Bürgerinitiative Radentscheid vorgebrachte Idee eine gute, Wohn- und Geschäftsquartiere vom Durchgangsverkehr zu befreien. Solange das nicht bedeutet, dass am Ende die ganze Innenstadt für Autofahrer unerreichbar und unpassierbar wird. Die Entwicklung in der katalanischen Hauptstadt hat jedenfalls eines deutlich gemacht: Viele Anwohner, Passanten, Händler und Gastronomen genießen es nach anfänglichem Jammern inzwischen offenbar sehr, dass ihr Viertel ruhiger und lebendiger zugleich geworden ist. Derweil sich die regelmäßig von Autos, Bussen und Lieferwagen gebildete lange, laute Blechkolonne auf größeren Straßen um die jeweils aus mehreren Nachbarblocks gebildete „entschleunigte Zone“ herumbewegen muss. Bis dato gibt es zwar auch in Barcelona nur eine Handvoll davon, aber es sollen mehr werden.

          Unabhängig von der „Superblock“-Idee sind die Forderungen der Offenbacher Fahrradlobbyisten zwar nicht verkehrt, allerdings weder neu noch sonderlich originell. Vieles wird ohnehin davon abhängen, wie die Stadt wirtschaftlich durch die Corona-Krise kommt. Denn ein verstärkter Radwegebau kostet ebenso Geld wie das Aufstellen weiterer, womöglich gar überdachter Abstellbügel oder auch nur das Ausflicken vorhandener Trassen. Dass es tatsächlich einen Radentscheid braucht, um die Fraktionen im Rathaus „zum Umsatteln“ zu bewegen, darf übrigens getrost bezweifelt werden. Eigentlich sind alle längst schon auf gutem Weg. Es sollte also reichen, die Kommunalpolitiker gelegentlich ein bisschen anzuschubsen und zum Nachdenken zu bringen.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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