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Radentscheid in Offenbach : Sechs Wünsche und eine Vision

Ein erster Schritt: Die Offenbacher Taunusstraße wird in eine Fahrradstraße verwandelt. Bild: Wolfgang Eilmes

In der Stadt sind sich alle einig: Offenbach soll fahrradfreundlicher werden. Aber wie? Die Initiative für einen Radentscheid hat genaue Vorstellungen.

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          Über das Ziel, Offenbach zur fahrradfreundlichen Stadt zu machen, sind sich eigentlich alle einig. Strittig ist dagegen, wie das erreicht werden soll und vor allem in welchem Tempo. Den Initiatoren des Bürgerbegehrens Radentscheid Offenbach, die ihre zentralen Forderungen jüngst in einem Pressegespräch vorgestellt haben, geht der Umbau des Straßenraums erwartungsgemäß nicht schnell genug. Mit einem Sechs-Punkte-Programm, das möglichst innerhalb von fünf Jahren realisiert werden sollte, wollen sie die Politiker dazu bewegen, „sich für mehr Respekt und Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer und für mehr Flächengerechtigkeit“ einzusetzen, wie Jochen Teichmann, Sprecher der überparteilichen Initiative, sagte.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          In einem ersten Schritt will man deshalb von September an Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln, das Voraussetzung für die Einleitung eines Bürgerentscheids wäre. Die Organisatoren sind sich sicher, zügig die benötigten rund 2800 Unterstützer zu finden. Es gehe ihnen nicht darum, das Auto zu verteufeln, sagen die Organisatoren. „Aber wir wollen eine Verkehrswende!“

          Und sie haben eine Vision. Einiges von dem, was nach mehreren Gesprächsrunden und Info-Veranstaltungen aufs Papier gebracht wurde, deckt sich mit den Vorhaben, die auch beim von der Stadt seit 2017 vorangetriebenen Projekt „Bike Offenbach“ eine Rolle spielen: etwa der bis 2021 geplante Bau von Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von neun Kilometern und die Schaffung schneller Umlandverbindungen für radbegeisterte Pendler. Dass es in Offenbach, wo 2017 statistisch betrachtet elf Prozent aller Fahrten mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, noch Verbesserungsbedarf gibt, hat nicht zuletzt eine Befragung der Bevölkerung gezeigt: Demnach ist ein Drittel der Bürger zwar gerne mit dem Rad unterwegs, allerdings hält nur etwa jeder Zehnte die Stadt auch für fahrradfreundlich.

          Damit sich etwas rasch ändert

          Damit sich daran rasch etwas ändert, fordern die rund 150 Fahrrad-Lobbyisten in ihrem Grundlagenpapier zum Beispiel, innerhalb von fünf Jahren „ein durchgängiges engmaschiges Radnetz“ zu verwirklichen. Dessen Hauptrouten müssten von nahezu jeder Wohnung und jedem Haus in kürzester Zeit zu erreichen sein und die Schulen miteinander verbinden.

          Zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen und Markierungen auf Straßen, an Kreuzungen und Einmündungen gehören ebenso zu den Vorschlägen wie der Wunsch nach weiteren Abstellbügeln, die im Idealfall überdacht sein sollten; zudem fehle es an zusätzlichen Mainquerungen und einem Lastenradkonzept. Entlang der Hauptverkehrsstraßen sollten jährlich neue und ausreichend breite Radwege auf einer Länge von insgesamt fünf Kilometern geschaffen werden; auf gleicher Länge wären Nebenstraßen in Radstraßen mit farbigem Asphalt zu verwandeln. Nach dem Vorbild der in Barcelona entstandenen „Superblocks“ oder „Superilles“ gelte es, auch in Offenbach, ganze Wohnquartiere in verkehrsberuhigte Aufenthaltsräume zum Spielen, Plaudern und Einkaufen zu verwandeln, in denen Radler und Fußgänger Vorrang hätten.

          Während der Durchgangsverkehr außen herumzuleiten wäre. Für die Verwirklichung des Konzepts ließen sich laut der Radentscheid-Initiative zusätzliche Einnahmen aus einer zu erweiternden Parkraumbewirtschaftung gewinnen. Es gehe darum, Offenbach zu einer „klimaneutralen Stadt mit sicheren Fahrradwegen, besserer Luft, mehr Lebensqualität und weniger Lärm“ zu machen.

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