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Nacktaufnahmen der Stieftochter : Versteckte Kameras in Bad und Kinderzimmer

Auftakt: Der Prozess gegen den Mann am Landgericht Hanau hat begonnen. Bild: dpa

Ein Mann hat seine zehn Jahre alte Stieftochter drei Jahre lang heimlich gefilmt. Nun muss er sich vor dem Landgericht Hanau verantworten.

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          Die Richterin will ganz genau wissen, wie die Kamera funktioniert. Katharina Jost fragt, wie viele Bilder auf den Chip passen, ob die Aufnahme durch einen Bewegungsmelder ausgelöst wird. Es geht nicht um eine legale Überwachungskamera und auch nicht darum, ob die Linse einen Diebstahl in einem Supermarkt aufgenommen hat. Die Kamera, zu der die Richterin den Angeklagten im Landgericht Hanau befragt, war in einem Spiegel versteckt. Und dieser hing im Zimmer eines damals zehn Jahre alten Mädchens, der Stieftochter des Angeklagten. Der heute 58 Jahre alte Pharmareferent Volker Z. hat die Kamera damals unsichtbar in den Spiegel eingebaut und die Linse auf das Bett des Kindes gerichtet, wie er beim Prozessauftakt am Montag im Gerichtssaal gesteht. Er habe Erfahrung im Modellbau und sei deswegen „in filigranen Arbeiten recht pfiffig“, lobt der Mann sich selbst.

          Jan Schiefenhövel
          (höv.), Freier Autor

          Die im Spiegel versteckte Kamera war nicht die einzige, mit der er die Stieftochter heimlich aufnahm. Auch in einer Wanduhr im Kinderzimmer baute der Angeklagte eine Kamera ein, die aber nach seinen Worten nicht funktionierte. Eine dritte elektronische Kamera plazierte er, in einem Radio verborgen, im Badezimmer der Familie. So wurde die Stieftochter über mehr als dreieinhalb Jahre hinweg, von Februar 2015 bis Oktober 2018, immer wieder unbemerkt gefilmt, wie Staatsanwalt Oliver Piechaczek in der Anklageschrift feststellt. Das Mädchen lebte bei seinem Vater und kam jedes zweite Wochenende zur Mutter und dem Angeklagten in deren Haus in Steinau im Main-Kinzig-Kreis, wo es ein eigenes Zimmer hatte.

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