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Prozess in Hanau : „Wir schlachten Dich!“

Die vier Männer haben sich nach Überzeugung der Anklägerin des erpresserischen Menschenraubs und eines schweren Raubs schuldig gemacht. (Symbolbild) Bild: dpa

Vier Männer sollen einen Maintaler aus seiner Wohnung gelockt und mit dem Tod bedroht haben: Die Staatsanwaltschaft will eine mehr als dreijährige Haftstrafe für die Entführer durchsetzen.

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          Im Prozess um eine Entführung in Maintal fordert die Staatsanwaltschaft mehr als drei Jahre Haft für jeden der vier Angeklagten. Eine Freiheitsstrafe von dieser Dauer kann nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Die vier Männer im Alter von 28 bis 34 Jahren haben gemeinschaftlich einen 1994 geborenen Maintaler aus seiner Wohnung gelockt, ihn in ein Auto gezwungen und so lange mit dem Tod bedroht, bis er das Versteck seines Geldes verriet, wie Staatsanwältin Lisa Staab in ihrem Plädoyer zusammenfasste. Die Angeklagten hätten 4500 Euro, einen Laptop, eine Spielkonsole, mehrere Uhren und 200 Gramm Marihuana aus der Wohnung des Opfers an sich genommen und unter sich aufgeteilt.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Damit haben sich die vier Männer nach Überzeugung der Anklägerin des erpresserischen Menschenraubs und eines schweren Raubs schuldig gemacht. Es handele sich aber um einen minder schweren Fall, weil die Entführung nur eine Dreiviertelstunde gedauert habe.

          Drei der Angeklagten hatten vor Gericht eine Beteiligung an dem Raub zugegeben. Einer von ihnen übergab als Wiedergutmachung 6000 Euro an den Beraubten, der dieses Geld annahm. Der vierte Beschuldigte hatte im Prozess bestätigt, das Auto gefahren zu haben. Von dem geplanten Raub wollte er aber vorher nichts gewusst haben und später nur aus Angst mitgemacht haben. Erst in seinem letzten Wort gab er zu, das Opfer mit Drohungen traktiert zu haben. Die Verteidiger forderten Bewährungsstrafen für alle Angeklagten.

          Auf die Rückbank des SUV gezwungen

          Vor dem Vortrag der Staatsanwältin schilderte das Opfer das Geschehen am Abend des 2. Juli 2017. Joshua S. sagte, der jetzt Angeklagte Ahmed A. habe damals geklingelt und behauptet, es sei ein Unfall mit seinem geparkten Auto passiert. Als er den Schaden habe ansehen wollen, sei aus einem weißen Porsche-SUV ein mit Sturmhaube maskierter Mann herausgesprungen, beide hätten ihn auf den Mittelplatz der Rückbank des SUV gezwungen. Im Auto seien zwei weitere Männer gewesen, man sei sofort mehrere hundert Meter weit in ein Waldstück gefahren.

          Der Mann rechts neben ihm, der Angeklagte Abdelatif I., nahm das Opfer in den Schwitzkasten und hielt ihm ein Messer an den Hals, wie Joshua S. berichtete. Der Maskierte habe links neben ihm gesessen, später habe er in ihm einen Bekannten aus Maintal, den Angeklagten Fatih Ö., erkannt. Der Fahrer, der Angeklagte Julio M., habe immer wieder gedroht: „Wir schlachten Dich!“ In der Abgeschiedenheit des Waldes habe Ahmed A. sich vom Beifahrersitz aus nach hinten gelehnt, seine Taschen durchsucht und den Wohnungsschlüssel an sich genommen.

          Nachdem man zu einem Parkplatz in der Nähe des Wohnhauses gefahren sei, hätten Ahmed A. und Fatih Ö. seine Wohnung durchsucht, aber nur wenig Geld gefunden, berichtete das Opfer. Sie seien erbost zurückgekommen, der Ton sei noch aggressiver geworden und Ahmed A. habe ihn nun ebenfalls mit einem Messer bedroht. Alle hätten auf ihn eingeschrien, bis er das Versteck seiner Ersparnisse, eine Kuckucksuhr, verraten habe. Darin seien rund 4000 Euro gewesen, zusammengespart für einen geplanten Umzug.

          Fatih Ö. und Ahmed A. seien dann nocheinmal in die Wohnung gegangen. Nach deren Rückkehr zum Auto seien die vier mit ihm abermals in den Wald gefahren, dort seien die Drohungen noch massiver geworden. Ahmed A. habe ihm „die Schläge seines Lebens“ angedroht. Kurz darauf sei er aber freigelassen worden, sagte Joshua S., der nach seinen Worten nach der Tat an Panikattacken und einer Schlafstörung litt. Erst eine Therapie, die er ein Jahr nach dem Raub begonnen habe, habe ihn von den Leiden befreit. Die Erste große Strafkammer des Hanauer Landgerichts hat ihr Urteil für Freitag angekündigt.

           

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