https://www.faz.net/-gzg-a0qq8

Bluttat nahe Hofheim : Tödlicher Schuss auf dem Reiterhof

Die junge Frau wurde nahe einer Koppel auf dem Reiterhof ermordet (Symbolbild). Bild: Patrick Junker

Eine 22 Jahre alte Frau wird an einer Koppel ermordet. Täter soll ihr 30 Jahre älterer ehemaliger Freund sein, der die Trennung nicht akzeptierte. Vor Gericht schweigt er, aber einiges deutet auf ihn hin.

          2 Min.

          Es ist ein mühsamer erster Tag der Beweisaufnahme. Bild nach Bild läuft über die Leinwände im Gerichtssaal. Auf Luftansichten des Reiterhofs folgen Fotos des Geländes aus jedem erdenklichen Winkel. Der Wege, des Zugangs zur Koppel, des Gebüsches ringsherum. Dann kommen Nahaufnahmen der Stelle, an der die junge Frau, 22 Jahre alt, am 20. August 2019 gefunden wurde. So stark aus dem Kopf blutend, dass die Reanimationsversuche der Rettungskräfte nichts mehr halfen.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ihre Familie sitzt im Saal, als das Landgericht jene Bilder zeigt. Mutter, Vater und Bruder haben sich als Nebenkläger der Frankfurter Staatsanwaltschaft angeschlossen, und sie wollen selbst dabei sein. Jedes Wort, das seit der Anklageverlesung am Vortag gesprochen worden ist, haben sie aufmerksam verfolgt. Und auch jetzt sehen sie sich jedes Bild an, das den Tatort zeigt. Nur eine Sache tun sie sich nicht an. Als die Verfahrensbeteiligten zu den Bildern der toten jungen Frau kommen, die Bildschirme für die Öffentlichkeit abstellen und sich vor ihren Laptops versammeln, bleibt die Familie sitzen.

          Leere Flaschen und Müll

          Der Angeklagte auf der anderen Seite des Gerichtssaals ist hinter seiner Atemschutzmaske kaum zu erkennen. Er ist mehr als 30 Jahre älter als die junge Frau, die über Jahre eine von Trennungen unterbrochene Beziehung mit ihm führte. Die Bilder der Ermittler aus seinem Auto, dem Wohnhaus nahe Wiesbaden – wo auch seine Kinder lebten – und aus Wohn- und Bauwagen auf einem gepachteten Grundstück in der Nähe zeigen pures Chaos.

          Überall stapeln sich Werkzeuge, Kleidung, Papiere, leere Flaschen und Müll. Darunter ein Brief seiner Tochter, in dem sie ankündigt, zur Mutter abzuhauen. Wie die Lebensumstände des Angeklagten aussahen, ist an diesem Zeitpunkt des Verfahrens noch unklar. Der Sechsundfünfzigjährige will nichts dazu sagen. Wie er lebte und wie es kam, dass sich die junge Frau auf eine Beziehung mit ihm einließ, werden aber wohl Zeugen berichten.

          Hunde fanden eine Geruchsspur des Mannes am Tatort

          Aus Sicht der Staatsanwalt ist der Fall klar: Als sich die Zweiundzwanzigjährige einmal mehr von ihm trennte, diesmal endgültig, brachte er sie um. Weil keiner sie „haben“ dürfe, wenn er sie nicht „haben“ darf, so die Anklage, lauerte er ihr an der Koppel auf und schoss ihr in den Kopf. Den Ermittlern gegenüber hat der Angeklagte zu diesen Vorwürfen geschwiegen, aber sein Anwalt teilte der Öffentlichkeit kurz nach der Festnahme mit, dass er mit dem Mord nichts zu tun habe.

          Bei dieser Version ist er offenbar auch in der Untersuchungshaft geblieben. Ein Kripo-Beamter erzählt am Mittwoch bei Gericht von einem überwachten Besuch der Schwägerin im Gefängnis, bei dem der Angeklagte über Akteninhalte gesprochen habe und der Schwägerin erklärte, dass er überhaupt kein Motiv habe. Die Trennung sei für ihn nicht problematisch gewesen. Vor allem, weil die junge Frau einen möglichen Neuanfang angedeutet habe.

          Belastend ist für den Mann allerdings, dass die Tatwaffe nach einem Hinweis seiner früheren Frau auf dem von ihm gepachteten Gelände nahe dem Wohnhaus gefunden wurde: in eine Mülltüte gewickelt unter Heuballen versteckt. Fingerabdrücke von ihm selbst sind nicht darauf, aber die seines Sohnes. Außerdem setzte die Polizei kurz nach der Tat und eine Woche später sogenannte Mantrailer-Hunde ein, die den Geruch von Menschen finden können. Die Hunde fanden eine Geruchsspur des Angeklagten, die vom Fundort der Leiche weg durch den Wald und in einem Bogen zur Landstraße führen – wobei der Geruch an der Landstraße am frischesten war. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

          Weitere Themen

          Die Rache ist kalt

          Sühnedrama im ZDF : Die Rache ist kalt

          Implodierende Verzweiflungsbilder: Im Sühnedrama „Wir wären andere Menschen“ übt Matthias Brandt Vergeltung für eine lange zurückliegende Tat. Kollateralschäden nimmt er gerne in Kauf.

          Der neue alte Goetheturm Video-Seite öffnen

          Er steht wieder : Der neue alte Goetheturm

          Nach einem Brandanschlag im Jahr 2017 wurde der Goetheturm in Frankfurt nun wieder errichtet. Der neue Turm soll diesmal robuster sein und somit auch Feuer standhalten können.

          Topmeldungen

          Blick auf London: Ein Mann überquert die Waterloo Bridge

          Großbritannien : Corona-Krise kostet 730.000 Arbeitsplätze

          Die Pandemie hinterlässt auf dem britischen Arbeitsmarkt tiefe Spuren. Neun Millionen Menschen wurden in Zwangsurlaub geschickt. Im Oktober laufen die staatlichen Hilfsprogramme aus.
          Cornelia Koppetsch im Oktober 2019 auf der Frankfurter Buchmesse

          Plagiate bei Soziologin : Disziplinarverfahren gegen Cornelia Koppetsch

          Sie habe „rücksichtslos“ gehandelt, die gute wissenschaftliche Praxis sei gravierend missachtet worden: Eine interne Untersuchungskommission der TU Darmstadt findet deutliche Worte zu den Plagiaten ihrer Soziologin Cornelia Koppetsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.