https://www.faz.net/-gzg-a9p87

Prostitution in Wiesbaden : 200 Freier für eine Monatsmiete

  • -Aktualisiert am

Keine Kundschaft: In Corona-Zeiten sind Bordelle geschlossen, und die überwiegend osteuropäischen Frauen können nichts verdienen. In ihre Heimatländer zurück dürfen sie aber auch nicht. Bild: dpa

Osteuropäerinnen haben deutsche Frauen verdrängt, und die Illegalität ist zum Regelfall geworden. Einblicke in die Prostitution in der hessischen Landeshauptstadt.

          4 Min.

          In der Landeshauptstadt Wiesbaden hat sich die Prostitution in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert. Die Lage der Frauen allerdings ist so unbefriedigend wie vor 200 Jahren. Das ist die ernüchternde Bilanz der kommunalen Frauenbeauftragten Saskia Veit-Prang.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Die Prostitution ist nach ihrer Beobachtung mit der Ausbreitung des Internets unsichtbarer geworden. Die Straßenprostitution, für die Wiesbaden einst bundesweit bekannt war, ist der heimlichen Wohnungsprostitution gewichen. Eine Frau muss sich heute den potentiellen Freiern nicht mehr auf den Straßen zeigen, um Kunden zu gewinnen. Ein attraktiver Internetauftritt genügt. Eine zweite große Veränderung brachte die Öffnung Europas nach Osten. Der Zustrom osteuropäischer Frauen führte nach den Recherchen von Veit-Prang in den Jahren nach 2000 zu einem Preisverfall für sexuelle Dienste und dazu, dass heute kaum noch Deutsche unter den Prostituierten zu finden sind. Es sind vor allem Frauen aus Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Polen und der Dominikanischen Republik, die ihre Dienste anbieten. Mehr als 90 Prozent haben keinen deutschen Pass, wie Veit-Prang sagt. Für diese Frauen ist es ein hartes, unmenschliches Geschäft in der Fremde.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Ferienzeit in Deutschland: Der Frankfurter Flughafen am 17.07.2021

          F.A.Z. Frühdenker : Corona-Testpflicht für Reisende wohl ab 1. August

          Das Datum für eine erweiterte Testpflicht für Reisende steht, sagt Söder. Wird der Klimaschutz das zentrale Wahlkampfthema? Und im „Cum-Ex“-Skandal wird es wichtige Weichenstellungen geben. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z. Frühdenker.