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Proben vom Asteroiden Ryugu : Nichts als ein Haufen Gestein

  • -Aktualisiert am

Steinige Mission: Die Sonde Hayabusa hat den Asteroiden Ryugu besucht und Proben gesammelt Bild: JAXA

Die Raumsonde Hayabusa ist vom Asteroiden Ryugu zur Erde zurückgekehrt und hat Bodenproben in einer Kapsel hinterlassen. Zwei Frankfurter Forscher untersuchen die Gesteinsbrocken.

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          Nach all den negativen Nachrichten über die Pandemie und Donald Trumps Verhalten rund um seine Wahlniederlage, sagt der Frankfurter Geowissenschaftler Frank Brenker, sei dies wirklich einmal ein positives Ereignis. Nach fast fünf Milliarden Kilometern Weltraumstrecke ist die Raumsonde „Hayabusa 2“ am Samstag zur Erde zurückgekehrt. Für Brenker etwas Besonderes. Denn er und seine Kollegin Beverley Tkalcec vom Institut für Geowissenschaften der Goethe-Universität werden zusammen mit einem internationalen Wissenschaftlerteam die ersten Untersuchungen an den Proben des Asteroiden Ryugu vornehmen.

          Vor sechs Jahren, im Dezember 2014, katapultierte eine Rakete der japanischen Weltraumagentur Jaxa die Sonde aus der Erdatmosphäre heraus in den Weltraum. Von hier aus machte sich Hayabusa auf den Weg zum knapp 280 Millionen Kilometer entfernt gelegenen Asteroiden. Ryugu hat in etwa die Form zweier Pyramiden, die an ihren Grundflächen zusammenkleben.

          Auf der Erde gelandet ist Hayabusa allerdings nicht. Die nächste Mission liegt schon vor ihr. Mit sich hat sie aber eine versiegelte Kapsel mit zwei Bodenproben geführt. Die Kapsel hat sich im Vorbeiflug von der Sonde gelöst und ist am Samstag um etwa 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit hoffentlich unversehrt irgendwo in der australischen Wüste aufkommen.

          Der finanzielle Aufwand lohnt sich

          „Zum ersten Mal erhalten wir Proben direkt von einem C-Klasse-Asteroiden. Und zum zweiten Mal von einem Asteroiden überhaupt“, erklärt Brenker die Bedeutung der Mission. Sensationell sei vor allem, dass Proben, die man auf diesem Wege erhalte, „am ursprünglichsten“ seien. Deshalb lohne sich auch der enorme finanzielle Aufwand, „das bisschen Erde“, wenn man so wolle, zur Erde zu fliegen. Natürlich verfüge die Wissenschaft seit langem über Proben von Meteoriten, die auf der Erde eingeschlagen seien. Aber die Erforschung dieser Gesteine sei schwierig, denn beim Eintritt eines Meteoriten in die Erdatmosphäre verdampften nahezu 90 Prozent des Materials, das er mit sich trage. Hinzu komme, dass der Stein, der schließlich auf der Erde lande, mit seiner Umwelt reagiere. Das erschwere die Forschung zusätzlich.

          Ursprünglich stammt Ryugu aus dem Asteroidengürtel des Sonnensystems zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter. Von dort hat er sich vor geraumer Zeit aber gelöst und nähert sich der Umlaufbahn der Erde zuweilen auf bis zu 150.000 Kilometer an.

          Sobald die Proben in Deutschland eingetroffen seien, werde man sie an Teilchenbeschleunigern in Hamburg und im französischen Grenoble untersuchen, sagt Brenker. Das für die Erforschung der Proben zuständige internationale Wissenschaftlerteam wird der Professor für planetare und extraterrestrische Prozesse auf der Nanoskala an der Goethe-Universität selbst leiten.

          Bausteine des Lebens

          Ryugu sei deshalb von so großem Interesse für ihn und seine Kollegen, so Brenker, weil unter den zum Teil hochkomplexen 14.000 Kohlenwasserstoffverbindungen, die er enthalte, 70 Aminosäuren sein sollen. Auch der aus fünf Kohlenstoffatomen bestehende Zucker Ribose, der als Gerüstbaustein irdischer DNS gelte, wird auf dem Asteroiden vermutet.

          Schon seit langem interessieren sich die Wissenschaftler besonders für diese Moleküle. „In anorganischen Verbindungen“, sagt Brenker, „gibt es immer genauso viele linksdrehende wie rechtsdrehende Aminosäuren.“ Organismen hingegen, lebende chemische Verbindungen also, bestünden vor allem aus linksdrehenden Aminosäuren. Denke man demgegenüber an einen Asteoriden, letztlich also an einen Stein und mithin ein lebloses Objekt, müsste man auf ihm genauso viele linksdrehende wie rechtsdrehende Aminosäuren vorfinden. Das sei aber bei Ryugu nicht der Fall, hätten Berechnungen ergeben.

          Im Rückschluss bedeute das für die Entscheidung darüber, wie das Leben auf seinen kleinsten Ebenen aufgebaut ist, dass diese nicht erst auf der Erde, sondern schon im Weltraum gefallen sei. Wenn aber sowohl der Bauplan wie die Bausteine des Lebens aus dem Weltraum stammten, müssten diese Komponenten in unserem Planetensystem überall vorhanden sein. Es sei also lediglich eine Frage der Zeit und nicht nur der Möglichkeit, hebt Brenker hervor, bis wir Leben außerhalb der Erde finden würden.

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