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Test mit Warn-Apps misslungen : „Solche Tage sind dafür da, Defizite abzubauen“

Nicht überall kam die Warnung an: Der Probealarm ist nicht reibungslos verlaufen. Bild: dpa

Nicht jedes Smartphone ertönte beim Probealarm: Der bundesweite Testtag offenbarte Defizite im Warnsystem. Experten schätzen die Mängel als gute Erfahrung für den Ernstfall ein.

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          Rhein-Main Weil die Hessenwarn-App nicht richtig funktioniert hat, ist der groß angekündigte „Warntag“, an dem erstmals seit 1990 in ganz Deutschland per Probealarm der Katastrophenfall geübt werden sollte, auch in der Rhein-Main-Region misslungen. Viele Nutzer der seit Ende 2019 existierenden App oder deren Vorgängerprogramms Katwarn erhielten entweder gar keine Meldung, nur die Ankündigung oder einen stark verspäteten Probealarm.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aus dem Innenministerium hieß es dazu, Hessenwarn sei von Problemen betroffen gewesen, die sich durch die Auslösung über das Modulare Warnsystem des Bundes ergeben hätten. Die Ursache liege nach einer ersten Analyse in „parallelen lokalen Testalarmen verschiedener Stellen außerhalb Hessens, welche dazu führten, dass der bundesweite Alarm bis ca. 11.30 Uhr verzögert wurde“.

          Zudem sei Hessenwarn durch den Bund auch erst verzögert angesteuert worden. Die Probleme seinen „nicht überraschend“. Genau dafür sei der Warntag da: „Um die bestehenden Systeme auf ihre Funktionsfähigkeit zu testen sowie die Bevölkerung auf die Bedeutung von möglichen Warnungen hinzuweisen.“

          „Solche Tage sind dafür da, Defizite abzubauen“

          Auch bei Harald Popp, Geschäftsführer des Landesfeuerwehrverbandes, sind die Meldungen verzögert angekommen. Doch auch er sagt: „Solche Tage sind dafür da, Defizite abzubauen. Bei der Feuerwehr wissen wir, dass es viel besser ist, bei einer Übung Fehler festzustellen als im realen Einsatz.“ Dennoch hatte er darauf vertraut, dass die App ihren Dienst tun würde. Zumal ein Ausfall wie dieser ernste Konsequenzen haben könne. „So eine Situation wäre im Realfall gravierend gewesen.“

          Träte sie in Zukunft ein, müssten die Einsatzkräfte ausschließlich Informationskanäle nutzen, die aus der Zeit vor den Apps stammen: Rundfunk, Onlinemedien, soziale Medien wie Twitter oder Facebook und herkömmliche Lautsprecherdurchsagen aus Fahrzeugen der Feuerwehr auf den Straßen. Das ist für Popp kein Desaster, aber er macht auch klar, dass hierbei nicht nur der Aufwand größer sei, sondern die Information auch langsamer bei den Bürgern ankomme.

          Dass am Donnerstag an vielen Orten keine Sirenen heulten, hängt indes auch damit zusammen, dass nach dem Ende des kalten Krieges viele stillgelegt wurden. So etwa in Frankfurt, wo sie nur um den Industriepark Höchst und am Alessa-Werk zu hören waren. Laut Popp sind jedoch besonders in Nordhessen in den vergangenen Jahren neue Sirenen montiert worden. Dass auch von ihnen viele still blieben, hängt damit zusammen, dass sie noch nicht kollektiv digital ansteuerbar sind. Momentan muss noch jede einzeln ausgelöst werden. Hätte man das für das ganze Bundesland getan, sagt Popp, hätten wegen der großen Zahl bis in den Nachmittag hinein irgendwo in Hessen die Sirenen geheult.

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