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Privatdozenten : Anspruchslose Akademiker

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Auch Privatdozenten stehen vor gut gefüllten Hörsaal-Reihen. Aber sie können sich für ihren Titel nichts kaufen Bild: Helmut Fricke

Privatdozent ist kein Beruf, sondern ein Ehrengrad, für den sich sein Inhaber zunächst einmal nichts kaufen kann. Manche geraten im Lauf der Zeit sogar in eine berufliche Sackgasse.

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          Elke Schleucher will sich nicht beklagen. Sie verdient 2500 Euro netto im Monat, und die Arbeit macht ihr Freude. An der Frankfurter Universität gibt die Biologin Grund- und Fortgeschrittenenpraktika, sie betreut Doktoranden, Diplomanden und Bachelor-Kandidaten. „Ich habe alle Rechte und Pflichten eines Professors – nur keine Professur.“

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber auch das könnte die 45 Jahre alte Privatdozentin verschmerzen. Was ihr mehr Sorgen macht, ist der Umstand, dass sie ihre jetzige Tätigkeit bald aufgeben muss. Seit 1993 ist Schleucher wissenschaftliche Mitarbeiterin, 2002 hat sie sich habilitiert. Mehrmals wurde ihre befristete Anstellung verlängert, doch damit ist nun Schluss: Ende dieses Jahres läuft ihr Vertrag aus. Schleucher hat noch keine konkrete Vorstellung, wie es dann weitergeht. „Im Moment hänge ich ziemlich in der Luft.“

          Akademische Weihen schützen nicht vor einem Karriereknick

          Dass die Physiologin über höhere akademische Weihen verfügt, schützt sie nicht vor einem Karriereknick. Denn Privatdozent ist kein Beruf, sondern ein Ehrengrad, für den sich sein Inhaber zunächst einmal nichts kaufen kann. Wer mit einer Habilitationsschrift bewiesen hat, dass er als Hochschullehrer geeignet ist, kann sich den Titel vom zuständigen Uni-Fachbereich verleihen lassen. Damit erwirbt er das Recht, Vorlesungen und andere Veranstaltungen anzubieten – das ist alles. Privatdozenten „haben keinen Anspruch auf einen Arbeitsplatz oder eine Vergütung“, heißt es im Hessischen Hochschulgesetz. Wollen sie allerdings ihren Status behalten, müssen sie von ihrer „venia legendi“ auch Gebrauch machen. Lehren sie ohne Zustimmung des Fachbereichs oder ohne wichtigen Grund in zwei aufeinanderfolgenden Semestern nicht, muss ihnen die Bezeichnung laut Gesetz aberkannt werden.

          „Institutionelle Ausbeutung“ sei das, meint ein Privatdozent, der an der Goethe-Universität ein geisteswissenschaftliches Fach unterrichtet. „Eigentlich müssten wir alle streiken.“ So hart drückt es Andreas Keller vom Bundesvorstand der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nicht aus. Aber auch er sieht zumindest bestimmte Gruppen von Uni-Dozenten in einer schwierigen Lage. Verhältnismäßig privilegiert seien jene, die eine feste Stelle an der Hochschule hätten. Auch Ärzte mit dem Zusatz „PD“, die in Kliniken arbeiteten oder niedergelassen seien, gehörten nicht zum akademischen Prekariat. Teils schlecht ergehe es dagegen Privatdozenten, die von den Hochschulen Entgelte für Lehraufträge erhielten. „Ihre Einkünfte sind oft nicht existenzsichernd“, berichtet Keller. „Viele leben vom Geld des Partners.“

          Keine Zeit für Veröffentlichungen

          Ein solcher Zustand lässt sich eine Weile ertragen, wenn als Lohn für oft jahrzehntelanges Studieren und Forschen ein Lehrstuhl in Sicht ist. Grundsätzlich, meint Keller, stünden die Chancen auf eine Berufung derzeit nicht schlecht. „Viele Professuren werden aus Altersgründen frei.“ Aber auch hier gilt: Die Privatdozenten-Urkunde alleine garantiert keine Karriere – dafür sind noch andere Qualifikationen nötig.

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