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Priestermangel : Acht Dörfer sollen eine Gemeinde werden

  • -Aktualisiert am

Gleich neben dem Pfarrhaus steht die Kirche St. Anna. Bild: Schildwächter, Sandra

Weil es immer weniger Priester gibt, legen viele Bistümer Kirchengemeinden zusammen. Welche Schwierigkeiten eine solche Fusion jedoch bereitet, zeigt sich in Freigericht-Somborn in Hessen.

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          Lange hat im oberen Geschoss des Pfarrhauses gleich neben der St.Anna-Kirche in Somborn kein Licht mehr gebrannt. 2018 verstarb Ulrich Schäfer, Pfarrer der Kirchengemeinden Somborn und Hasselroth, unerwartet. Wegen Priestermangels übernahm der Pfarrer der Nachbargemeinden Christoph Rödig erst übergangsweise und dann offiziell die Verantwortung für die sechs Dörfer Somborn, Neuses, Horbach und drei der Gemeinden Hasselroths. Bald sollen noch die zwei Nachbardörfer Altenmittlau und Bernbach dazukommen. Knapp 10.000 der 21.000 Einwohnern der acht Dörfer sind Katholiken.

          Anderthalb Jahre später herrscht im Pfarrhaus in Somborn wieder reger Betrieb. Im Flur liegen Malerteppiche, ein junger Handwerker schabt den alten Putz von der Wand. Die Wand zwischen einem Kopierraum und dem kleinen Besprechungszimmer wird herausgerissen, es ein größerer Besprechungsraum. Dort sollen bald die Vertreter von sechs Kirchengemeinden zusammenkommen.

          „Das Bistum Fulda hat 2006 Pastoralverbünde gegründet, um die Zusammenarbeit der Pfarreien zu stärken“, erklärt Rödig. Da die Zahl der Priester tendenziell sinke, bilde das Bistum größere Organisationseinheiten. Jeder Verbund hat einen Pastoralverbundrat, in dem gewählte Vertreter aller Gemeinden zusammenkommen, sich austauschen und koordinieren – so die Idee. In manchen Jahren traf sich der Verbundrat jedoch nur ein einziges Mal.

          Sechs Gemeinden, sechs Verwaltungsräte, drei Priester

          Als Ulrich Schäfer 2018 verstarb, gewann er jedoch über Nacht an Bedeutung. Aus den acht Dörfern soll in den nächsten Jahren eine neue, große Gemeinde werden – eine große Aufgabe. „Welche Räume schaffen wir, wo müssen wir Wände durchbrechen?“ Vor diesen Fragen stehen laut Rödig seit 2018 die Gemeinden – auch im übertragenen Sinn. „Wir hatten die Perspektive früher oder später zur großen Pfarrei fusionieren, konnten aber noch nicht so richtig starten.“

          Mit neuer Rolle: Pfarrer Christoph Rödig im Pfarrhaus in Somborn, das derzeit umgebaut wird.

          Den genauen Zeitpunkt der Fusion wird der Pastoralverbundrat bestimmen. Das soll in zwei bis fünf Jahren geschehen. „Meine Idee war es, schon einmal vorzuarbeiten“, sagt Rödig. So setzte sich im Frühjahr 2019 eine Gruppe motivierter Menschen aus den Gemeinden zusammen und sammelte Informationen, wie bei anderen Verbünden eine administrative Zusammenlegung funktioniert hat.

          Die Kirchengemeinde außerhalb des Gottesdienstes bedeutet vielen Gemeindemitgliedern genauso viel, wie anderen der Fußballverein. Jedes Dorf hat seine Jugend- oder Seniorengruppen, Familientreffen, Sommerfeste und Kirchenchöre. Gerade deshalb sind viele besorgt, was die Neugründung der großen Pfarrei mit sich bringen wird. Die Gruppe wollte deswegen auch die übrigen Gemeindemitglieder über die Entwicklungen informieren.

          Gute Kommunikation und klare Zuständigkeiten sind wichtig

          „Das hat sich dann alles als sehr schwierig herausgestellt“, sagt Rödig, es sei nicht klar gewesen, für wen diese Gruppe jetzt wo sprechen dürfe. Schließlich gebe es in jeder Gemeinde einen gewählten Verwaltungsrat, der sie rechtlich vertritt und sich mit dem Pfarrer um die Finanzen kümmert. Und einen gewählten Pfarrgemeinderat, der für pastorale Belange, wie Seelsorge und Gemeinschaftspflege zuständig ist. „Wir haben eine komplexe Struktur: sechs Gemeinden, sechs Verwaltungs- und Pfarrgemeinderäte, sechs verschiedene Pfarrbüros, drei Priester und keine funktionierende Kommunikationsstruktur“, sagt Rödig. „Das was ich in einem Pfarrgemeinderat beschlossen habe, war schon nicht mehr aktuell, als ich bei dem vierten war.“ Daher wolle man jetzt mehr über den Pastoralverbundrat arbeiten, der für Themen wie die Gottesdienstgestaltung Arbeitskreise einberufen könne. Der Verbundrat trifft sich seither sechs Mal im Jahr.

          „Wichtig ist, den Menschen vor Ort die Angst zu nehmen und sie eher zu motivieren und die Chancen dieser Neugründung aufzuzeigen“, sagt Alexandra Pinkert, Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Bernbach. So könne man Kräfte bündeln. „Es müssen nicht fünf Familiengottesdienste gleichzeitig in fünf Kirchen gefeiert werden.“ Nötig seien eine gute Kommunikationsstruktur und klare Zuständigkeiten.

          Doch das ist schon deshalb schwierig, weil sich die Aufgaben und Rollen der Akteure im Gemeindeleben stark verändert haben. Das spiegelt sich auch im Umbau des Pfarrhauses wider. Im hinteren Teil, wo, als die Gemeinde noch einen Pfarrer und einen Kaplan hatte, das große Esszimmer war, befinden sich jetzt Büros. „Das Rollenbild und die Anforderungen des Pfarrers hatten sich total verändert“, sagt Rödig. Die Pfarreien seien immer größer geworden und die Rechtsvorschriften strenger. Auch müssten Pfarrer viel mehr im Team arbeiten und verschiedene Interessen unter einen Hut bringen. „Wir sind gezwungen, in der Verwaltung viel professioneller zu arbeiten.“ Dafür sei er aber nicht ausgebildet.

          „Ein Pfarrer musste Manager sein, Personal führen, Betriebswirt und Buchhalter sein“, sagt Verwaltungsleiter Mark Parr, für den eines der neuen Büros vorgesehen ist. Seit Oktober 2019 kümmert er sich um die Personalleitung, Finanz- und Rechnungswesen, die katholische Kindertagesstätte und darüber hinaus auch um den Umbau des Pfarrhauses. „Bei der Vielzahl von Verwaltungs- und Führungsaufgabe blieb die Seelsorge häufig auf der Strecke.“ Pfarrer Rödig soll bald wieder mehr Zeit für seine Gemeindemitglieder und die geistlichen Aufgaben haben.

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