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Start-up aus Mainz : Forschungsergebnisse auf Postern

  • -Aktualisiert am

Drei junge Männer gründen in Mainz das Start-up Posterlab. V. l. n. r.: Nicolas Katte, Sebastien Charles und Adrian Wix Bild: Marcus Kaufhold

Drei Gründer aus Mainz wollen mit ihrer Idee Wissenschaftlern helfen, ihre Arbeiten plakativ zu präsentieren. Das Konzept von Poster-Lab stößt international auf eine große Nachfrage.

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          Die Idee zu einem gemeinsamen Unternehmen hatten Sébastien Charles, Nicolas Katte und Santi Porta an einem lauen Septemberabend im vergangenen Jahr, als sie am Mainzer Rheinufer zusammensaßen und belgisches Bier tranken. Eigentlich planten sie damals nur, ein gemeinsames Unternehmen zu gründen, das professionelle Wissenschaftsposter für Forschungsinstitute und einzelne Wissenschaftler herstellen sollte. Eigentlich.

          Mittlerweile aber sind ihre Ziele längst höher gesteckt: In fünf Jahren wollen sie zum europäischen Marktführer werden mit einer digitalen Plattform, die die Forschungskommunikation auf einen neuen Level hebt, verkünden sie stolz. Kennengelernt haben sich der 29 Jahre alte Chemiker Katte, der 42 Jahre alte Charles, Webentwickler in der chemischen Industrie, und der 37 Jahre alte Porta, der als Grafikdesigner an einem spanischen Krankenhaus arbeitet, im Gutenberg Digital Hub der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt, einem Zusammenschluss aus regionaler Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen. In einem alten Weinlager am Rheinufer, das zahlreiche Räume für Co-Working Plätze vom einfachen Schreibtisch bis zum Konferenzraum, ausgestattet mit Profitechnik, beherbergt, treffen sich Menschen aus Industrie, Start-ups, dem IT-Mittelstand sowie der Wissenschaft mit ihren Ideen zum Austausch und zur Zusammenarbeit.

          Große internationale Nachfrage

          Dort entstand die Idee zu einem Unternehmen, das die Wissenschaftskommunikation verändern soll. „Poster-Präsentationen gibt es in der Wissenschaft nicht nur auf Kongressen, sondern auch zur Kurzpräsentation in Forschungsgruppen“, erläutert Katte. Unter allen Publikationsformen, die Forscher nutzen, haben diese Poster eine besondere Bedeutung, um auf Konferenzen die wichtigsten Ergebnisse kompakt zu vermitteln. Doch meistens würden sie nur einmal gezeigt und verstaubten dann irgendwo, denn die Zahl der Hängeplätze in den Fluren wissenschaftlicher Institute sei stark begrenzt. „Wenn sich jemand schon diese Arbeit macht, dann sollen daraus nicht nur einfache gedruckte Poster entstehen, sondern wir wollen die Inhalte in allen möglichen digitalen Medien zugänglich machen“, so die weiterführende Idee der Gründer. Twitter beispielsweise werde auch in Wissenschaftskreisen immer wichtiger für den schnellen Austausch. Mit Hilfe der von Posterlab entwickelten digitalen Werkzeuge sind auch in den sozialen Medien die komprimierten Ergebnisse per Link schnell zugänglich zu machen.

          Bei den von den Gründern zur Vorbereitung durchgeführten Interviews mit Doktoranden und Post-Doc-Wissenschaftlern sei das Interesse an dieser Art der Vernetzung sehr groß gewesen. „Immer größere Teile der Forschung finden institutsübergreifend statt“, sagt Katte. Das leichter zu machen sei Ziel ihrer Bemühungen. Die Teilnehmer sollen sich über Posterlab online einloggen und bekommen dann alle nötigen digitalen Werkzeuge zur Verfügung gestellt. „Dabei unterscheiden unterschiedliche Zugangsberechtigungen darüber, wer, salopp gesagt, nur seinen Senf dazugeben darf und wer das Ganze freischalten darf.“ Noch ist das alles Zukunftsmusik, das System ist noch in der abschließenden Entwicklung, das Unternehmen rekrutiert dafür gerade Mitarbeiter.

          Gegenwärtig ist zunächst eine sehr reduzierte Basisversion unter dem Namen Poster Canvas gratis nutzbar, etwa für Doktoranden und Masterstudenten. „Damit kann man sich schon ein professionelles Poster ausdrucken, etwa, wenn man seinem Professor wichtige Thesen und Vorgehensweisen präsentieren will“, sagt Katte. Geld verdienen wollen die Gründer dann aber erst mit sogenannten Kollaborationstools, die den schnellen Austausch unter Instituten ermöglichen sollen und die dann nicht von Einzelnen, sondern von Universitätsverwaltungen, Exzellenzclustern und Fachbereichen finanziert werden sollen.

          Exoten unter den Interessenten

          Den internationalen Markt für akademische Forschungskommunikation beziffern die Gründer mit 20 Milliarden Euro. Interessant sei das Angebot vor allem für die Natur- und Lebenswissenschaften, aber auch Sozialwissenschaftler und Informatiker interessierten sich stark dafür, Bibliothekswissenschaftler sind laut Katte vermutlich die Exoten unter den Interessenten. Allein an der Uni Mainz gebe es 4400 Forscher, in ganz Europa kämen 500 Universitäten mit mehr als 25.0000 Forschern als mögliche Kunden in Frage, dazu kämen 75 große Unternehmen und Verbände mit eigenen Forschungsabteilungen.

          Zunächst wollen sich die Gründer allerdings regional konzentrieren, auf die Universitäten in Mainz, Frankfurt und Darmstadt sowie auf Rheinland-Pfalz und das Saarland. Letztere deshalb, weil noch bis Februar 2021 der IT-Inkubator der Universität des Saarlandes das Unternehmer-Trio als Investor finanziell unterstützt. Dann spätestens soll das Unternehmen auf eigenen Beinen stehen oder muss einen neuen Investor finden.

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