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Online-Magazin aus Königstein : Auf der Suche nach der guten Nachricht

Keine Katastrophenmeldungen: Gertrud Warnecke arbeitet an ihrem Positiv-Magazin. Bild: Cornelia Sick

Bei Getrud Warnecke ist das Glas immer halb voll. Sie findet, dass es genügend negative Meldungen in den Medien gibt. Deshalb gibt die 73-Jährige ein „Positiv-Magazin“ heraus.

          Natürlich kommt einem sofort Erich Kästner in den Sinn und die Frage: Wo bleibt das Positive? Gertrud Warnecke hat eine einfache Antwort darauf - die Internet-Adresse ihres „Positiv-Magazins“. Katastrophenmeldungen gibt es allerorten genug. Also sollen auf www.positiv-magazin.de nur gute Nachrichten stehen. Ob dazu nun die Veröffentlichung dreier Lieder der Sängerin Rihanna gehört, ist vielleicht eine Geschmacksfrage. Aber eine Benefizgala zugunsten der Kinderhilfe ist ganz sicher eine, und die wegen des vergangenen milden Winters eingesparten Heizkosten erfreuen die Verbraucher ebenfalls.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Seit fünf Jahren gibt die selbständige Journalistin das Online-Magazin heraus. Und sie möchte es noch lange tun: „Das Schöne ist ja, dass man das bis zum Umfallen machen kann“, sagt die Dreiundsiebzigjährige.

          Positives Denken sei Sache der Einstellung

          An das Umfallen will sie aber gar nicht denken. „Wenn die Leute anfangen, über Krankheiten zu reden, gehe ich raus.“ Der naheliegende Vorwurf an Gertrud Warnecke lautet, sie verschließe die Augen vor der Realität. Oder sie sei zumindest naiv, Voltaires „Candide“ nicht unähnlich, der in der besten aller Welten nur Not und Elend erlebt.

          Doch sie blendet nichts aus und hält sich über das Nachrichtengeschehen auf dem Laufenden. Nur hört sie zum Beispiel lieber Radio, anstatt im Fernsehen auch noch die Bilder blutender Menschen gezeigt zu bekommen. An den Katastrophen, die täglich passieren, kann sie nichts ändern. Daran, wie sehr man das eigene Leben davon prägen lässt, aber schon.

          Das Positive ist für Warnecke eine Einstellungssache. „Man kann schon mit Worten viel ausrichten“, sagt sie. Auf die Frage, wie es einem gehe, könne man mit „nicht schlecht“ oder mit „gut“ antworten. Eine Bekannte habe ihre Tochter zum Hausaufgaben machen angehalten und mit dem Vater gedroht, der sonst am Abend schimpfe. „Sie hätte auch sagen können, dass der Vater sich freut, wenn die Hausaufgaben gemacht sind.“ Warnecke hat in solchen Fällen keine Scheu, anderen mit einer positiveren Sicht der Dinge auf die Sprünge zu helfen. „Immer höflich natürlich.“ Das hat ihr schon der eigene Vater beigebracht.

          Optimismus der Mutter prägte sie

          Warnecke stammt aus Calden, hat Stenografie unterrichtet, in Werbeagenturen gearbeitet und für die Plattenfirma CBS Öffentlichkeitsarbeit gemacht. Das schönste Erlebnis hatte sie nach eigenen Worten, als sie schon fünf Jahre nicht mehr dabei war. Da rief ihr im damaligen Parkhotel am Frankfurter Bahnhof plötzlich jemand mit amerikanischem Akzent zu: „Gertrud!“ Es war Johnny Cash. Der Komponist und Sänger Albert Hammond schreibt ihr heute noch.

          Fünf Jahre betreute Warnecke ein Magazin des Königsteiner Psychologen und Erfolgstrainers Nikolaus Enkelmann. Dessen Einstellung dürfte auf sie abgefärbt haben. Sie lernte dabei aber auch den Grafikdesigner Wilfried Kirchmeier kennen, der die technische Seite des „Positiv-Magazins“ betreut. Zehn Jahre lang gab sie das Hochglanz-Magazin „Taunus-Edition“ heraus, um das Mittelgebirge bekannter zu machen.

          Geprägt hat die Journalistin nach eigenen Worten ihre Mutter, die voller Optimismus, aber auch sehr gläubig gewesen sei. Sie bekam Brustkrebs, als Warnecke neun Jahre alt war. „Meine sieben Geschwister und ich waren schon auf die Patentanten aufgeteilt worden.“ Doch die Mutter sei wieder gesund und schließlich 88 Jahre alt geworden.

          Warnecke selbst hat sich schon vor 20 Jahren mit dem Gedanken getragen, eine Wochenzeitung mit positiven Nachrichten herauszubringen. Das erwies sich als zu aufwendig. Ein Online-Auftritt ließ sich schneller realisieren. „Immer etwas Neues“, habe ihr Mann geschimpft und dann als unbestechlicher Korrekturleser geholfen. Das „Positiv-Magazin“ war noch keine zwei Jahre alt, als er starb. Ironie des Schicksals? „Nein, das Korrekturlesen hat ihn bis zuletzt aufrechterhalten“, sagt Warnecke. Und auch ihr habe die Arbeit geholfen.

          Statt über Krankheiten zu reden, tut Warnecke etwas für sich und ihren Körper. Täglich zieht sie ihre Runden im Schwimmbad. „Da kommen mir die besten Ideen.“ Ein Ergebnis davon war der „Tag der Optimisten“, zu dem sie voriges Jahr den 10. Oktober erklärt hat. In der Bar des benachbarten Kempinski-Hotels mixte der Barkeeper einen Optimisten-Cocktail, und im Café Kreiner gab’s eine „Optimistenschnitte“.

          Warnecke findet mit ihrer Betonung des Positiven viel Resonanz. Das ist ihr wichtiger als der kleine Gewinn, den das Magazin durch die Anzeigen abwirft. Japaner oder Kanadier, die lange hier gelebt hätten, hielten mit dem „Positiv-Magazin“ eine Verbindung zu Deutschland. Dass viele Menschen einen Ausgleich zum täglichen Elend suchen, kann Warnecke an der Statistik ablesen: „Direkt nach den Anschlägen von Paris sind unsere Klickzahlen nach oben gegangen.“

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