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Wölfe breiten sich aus : Wer mit dem Wolf tanzt

  • -Aktualisiert am

Die Hessen werden lernen müssen, wieder mit dem Wolf im Wald zu leben. Bild: dpa

In der emotionalen Debatte um die Rückkehr des Wolfes wird die Rolle der Weidetiere oft unterschätzt. Ihre Halter könnten durch die Ausbreitung Isegrims in Existenznot geraten. Von selbst wird sich die Population nicht regeln.

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          Höchste Zeit, dass in der hochemotionalen Debatte um die Rückkehr des Wolfes in den deutschen Wald auch jemand Partei für das Schaf ergreift. Natürlich gibt es viel mehr Schafe als Wölfe, und das Schaf ist auch keine gefährdete Art, um deren Fortbestand sich die Europäische Union Sorgen machen muss. Die Rolle des Schafes und anderer Weidetiere für die Kulturlandschaft wird allerdings meist unterschätzt. Denn die von ihnen gepflegten Grünlandbiotope sind nicht minder gefährdet und nicht geringer geschützt als der Wolf. Eine große Parzelle Grünland oder Heide ist natürlich weder so fotogen noch so spektakulär wie ein Wolf, der den Menschen in Mythen und Märchen seit Jahrhunderten begleitet.

          Die Begeisterung der hessischen Umweltministerin für den Wolf kommt nicht von ungefähr. Hessen hat sich lange mit dem Status eines ungeduldigen „Wolfserwartungslandes“ begnügen müssen. Doch die Anzeichen mehren sich, dass bald ein erstes Rudel sesshaft werden könnte.

          Lernen, mit dem Wolf im Wald zu leben

          Die Hessen werden lernen müssen, wieder mit dem Wolf im Wald zu leben. Dessen Ausbreitung ist im Sinne des Naturschutzes eine durchaus erfreuliche Entwicklung. Dabei gilt es allerdings zwei Entwicklungen im Auge zu behalten: die zu erwartende schnelle, sogar exponentielle Vermehrung von Isegrim und die damit verbundene Gefahr, dass die Weidetierhalter in Existenznot geraten.

          Der wissenschaftlich untermauerte Zwischenruf der Forscher aus Geisenheim und Freiburg kommt daher zur rechten Zeit. Die Akzeptanz für den Wolf im Land wäre wohl größer, wenn die Politik das Signal senden würde, dass auftretende „Problemtiere“ ohne großen bürokratischen Aufwand getötet werden dürfen und dass Lebensraum und Population des Raubtieres miteinander in Einklang stehen müssen.

          Dass sich die Wolfspopulation einfach von selbst regelt, wie mancher Naturschützer meint, das dürfte verklärter Naturromantik zuzuordnen sein. Es hilft auch wenig, überall im Land vermeintlich wolfssichere Zäune hochzuziehen, weil sie den Lebensraum und die Wanderwege anderer Wildtiere einengen. Zudem muss die Landesregierung noch mehr als bisher auf die Sorgen und Nöte der Weidetierhalter eingehen. Nicht nur im Hinblick auf den materiellen Ersatz eines gerissenen Schafes und die Förderung des Zaunbaus sowie die Ausbildung von Herdenschutzhunden. Es geht auch und vor allem um die Anerkennung der Leistungen der Weidetierhalter als Naturschützer und als Pfleger wertvoller, geschützter Lebensräume. Denn Naturschutz ist nicht teilbar.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

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