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Fast auf Polizisten gefallen : Ermittler suchen Mann nach Gestell-Einsturz im Dannenröder Forst

  • Aktualisiert am

Tripod: Ein ähnliches Gestell soll am 23. November nicht auf Zufall in Richtung von Polizisten gefallen sein Bild: dpa

Gerade noch zur Seite springen konnten Polizisten im Dannenröder Forst, als ein Gestell aus Baumstämmen auf sie zu stürzen drohte. Nun haben Ermittler einen Verdächtigen in Visier. Wegen des Verdachts des versuchten Totschlags.

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          Nach dem Einsturz eines Baumstamm-Gestells in Richtung von Polizisten im Dannenröder Forst läuft die Fahndung nach einem Tatverdächtigen. Es sei ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des versuchten Totschlags, des tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte sowie der Sachbeschädigung eingeleitet worden, teilten die Staatsanwaltschaft Gießen und die Polizei am Montag mit. Mehrere Zeugen hätten beobachtet, dass ein Halteseil des Gestells von einem unbekannten Mann vor dem Umstürzen durchtrennt wurde.

          In dem Waldstück laufen seit dem 10. November Räumungs- und Rodungsarbeiten für den Weiterbau der Autobahn 49 in Mittelhessen, die Kassel und Gießen nach der Fertigstellung direkter miteinander verbinden soll. Umwelt- und Klimaschützer hatten den Dannenröder Forst vor mehr als einem Jahr besetzt, um die Abholzungen zu verhindern. Auch wenn die Arbeiten mittlerweile vor dem Abschluss stehen, hält der Widerstand gegen das Verkehrsprojekt an.

          Beamte konnten zur Seite springen

          Bei dem Gestell handelte es sich um einen sogenannten Duopod. Auf solchen Gebilden aus Baumstämmen haben im Dannenröder Forst in den vergangenen Wochen immer wieder Aktivisten ausgeharrt, um die Rodungen aufzuhalten. Das Gestell war am 23. November in Richtung der Einsatzkräfte gekippt, die nach Polizeiangaben gerade noch rechtzeitig zur Seite springen konnten und unverletzt blieben. Die Baumstämme schlugen zudem gegen die Sicherheitskabine eines Baggers, die dem Aufprall standhielt, so dass der 51 Jahre alte Fahrer ebenfalls unverletzt geblieben sei. An der Sicherheitskabine sei jedoch Sachschaden entstanden, erklärten die Ermittler.

          Nach dem Vorfall hatte es umfangreiche Ermittlungen vor Ort gegeben, darunter eine Lichtbilddokumentation und Vermessungen des Tatorts, eine Tatrekonstruktion sowie eine Sicherung von möglichen Spurenträgern vor Ort.

          Derweil stemmten sich die Aktivisten am Montag im letzten verbliebenen Rodungsabschnitt erneut gegen die Arbeiten. So verschanzte sich jemand in einem Erdloch in einem sogenannten „Lock-On“, wie die Polizei via Twitter mitteilte. Ein Bagger hob neben dem Loch Erdreich aus, um an die Person heranzukommen. Sie sei unverletzt herausgeholt und ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden.

          Noch rund 70 Meter roden

          Drei weitere Personen verbanden sich mit Rohren, um die Räumung zu erschweren. Ein anderer Autobahngegner sei zudem beim Klettern in großer Höhe abgerutscht und in seine Sicherung gefallen. Laut Polizei wurden insgesamt 42 Menschen in Gewahrsam genommen, sieben Ermittlungs- und 35 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet sowie 142 Platzverweise ausgesprochen.

          Nach Angaben eines Polizeisprechers war am Montag noch eine Strecke von rund 70 Metern zu roden, bis eine durchgängige Trasse in dem Waldstück frei ist. Noch seien auch nicht alle Baumhäuser entfernt. Rund 100 Aktivisten hätten sich im Bereich der letzten verbliebenen Bäume versammelt, um dagegen zu protestieren.

          Darunter waren auch rund 30 Aktivisten von Extinction Rebellion (XR), wie die Umweltschutzbewegung am Montag mitteilte. Die Menschen hätten versucht, sich mit allen gewaltfreien Mitteln den Rodungsmaschinen entgegenzustellen und unter anderem durch Sitzblockaden und Lock-Ons passiven Widerstand geleistet, hieß es.

          „Wir stellen uns hier nicht nur der Vernichtung eines Waldes entgegen, sondern auch der Vernichtung der Zukunft durch eine Politik, die hauptsächlich nur noch von Konzerninteressen getrieben ist“, erklärte Susanne Egli von XR in einer Mitteilung. „Der Danni ist inzwischen zum Symbol geworden. Unsere Zukunft wollen wir nicht tatenlos opfern.“

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