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Politik und Privatleben : Keine Zeit für Hobbys

  • -Aktualisiert am

Macht von sich reden: Eva Kühne-Hörmann (Mitte) Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ein Dutzend Parteiämter und eine Familie: Wie der Kasseler Landtagsabgeordneten Eva Kühne-Hörmann die Gratwanderung zwischen Politik und Privatleben gelingt.

          3 Min.

          Auf die Frage nach ihren Hobbys muss Eva Kühne-Hörmann lange überlegen. Kein Wunder, ist die Landtagsabgeordnete mit ihrem Beruf als Politikerin und ihrer Berufung als Ehefrau und Mutter zweier Kinder doch mehr als ausgelastet. Nur wenige der 110 hessischen Parlamentarier vereinen derart viele Partei- und Fraktionsämter auf sich wie die Frau aus Kassel (siehe Kasten).

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In dieser Legislaturperiode wirkte die 45 Jahre alte stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende gleich bei mehreren zentralen Projekten der Landesregierung federführend mit. Dazu gehörten die Fusion und Privatisierung des Universitätsklinikums Gießen/Marburg, die Einführung von Studiengebühren, die Vorbereitung der Kunstausstellung Documenta, das inzwischen gescheiterte Projekt Kulturhauptstadt Kassel sowie die Wegbereitung für die geplante Museumslandschaft Kassel.

          „Eine Frau, die das offene Wort liebt“

          Die Ämterhäufung „hat sich so ergeben“, sagt Kühne-Hörmann, ebenso wie ihr Einstieg in die Berufspolitik. Nachdem ihr Vorgänger als Kasseler Landtagsabgeordneter, Georg Lewandowski, 1993 zum Kasseler Oberbürgermeister gewählt worden war, trat sie bei der Landtagswahl zwei Jahre später in dessen Wahlkreis für die CDU an. Der Reiz, etwas mitgestalten zu können, habe sie nach Wiesbaden gelockt, sagt Kühne-Hörmann. Denn dass man in der Politik durchaus etwas bewirken könne, habe sie schon zuvor als Ortsbeiratsmitglied in ihrer Geburtsstadt gespürt.

          Dass sie dann gleich im ersten Anlauf dem damaligen Ministerpräsidenten Hans Eichel (SPD) den Wahlkreis abnahm, hat ihr den Start im Landtag sicherlich erleichtert. Da zog nicht irgendjemand in die CDU-Fraktion ein, sondern die Frau, die den amtierenden Regierungschef in seiner Heimatstadt geschlagen hatte. Gestärkt durch das Votum der Bürger, hat sie sich auch im Parlament „sofort eingemischt“ und es binnen acht Jahren von der Hinterbänklerin zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gebracht. CDU-Fraktionschef Christean Wagner schätzt das Durchhalte- und Durchsetzungsvermögen der Aufsteigerin: „Eine Frau, die auch in der eigenen Fraktion das offene Wort liebt und quasi immer erreichbar ist.“

          Aber nicht nur in der Landespolitik wird Kühne-Hörmann gebraucht: Die nach der Abwahl Lewandowskis als Oberbürgermeister zerstrittene Kasseler Union soll sie als Partei- und Fraktionsvorsitzende finanziell sanieren, einen und wieder siegesfähig machen – alles andere als eine leichte Mission. Nach eineinhalb Jahren in diesen Funktionen seien aber immerhin bereits 50 Prozent der Schulden abgebaut, erzählt Kühne-Hörmann stolz. „Wir sind auf einem guten Weg.“

          Rückendeckung des Ehemanns

          Auf acht Stunden hat sich ihr Arbeitstag schon vor dem Einstieg in die hauptamtliche Politik nie beschränkt. Wie sie Beruf und Familie unter einen Hut bringt, weiß die Kasselerin dennoch manchmal selbst nicht genau. „Das ist eine Gratwanderung.“ Die Rückendeckung des Ehemanns – selbst für die CDU in einem Ortsbeirat und als Vorsitzender eines Stadtbezirksverbands aktiv – und zwei hilfreiche Großmütter machen manchen kurzfristig anstehenden Einsatz möglich. „Mein Mann hat mein politisches Engagement immer unterstützt.“

          Als Kasseler Partei- und Fraktionschefin kann Kühne-Hörmann zudem Einfluss auf ihre Terminplanung nehmen, und sie hat von Anfang an klargestellt, dass sie die CDU-Führung in der Stadt als „Teamaufgabe“ verstehe und die Stellvertreter ihr einen Teil der Aufgaben abnehmen müssten. Der zehnjährige Sohn und die vier Jahre jüngere Tochter sollen möglichst nicht darunter leiden, dass die Politik für ihre Mutter mehr ist als ein Beruf wie jeder andere.

          Jeweils die Hälfte ihrer Arbeitszeit verbringe sie in Wiesbaden und in Kassel, sagt Kühne-Hörmann. „Der Montag ist stets der Tag für die Kommunalpolitik.“ Am Dienstag fährt sie um Viertel nach sechs mit der Bahn nach Wiesbaden, nutzt die gut zweistündige Fahrtzeit zum Aktenlesen und Redenschreiben. Solange sie dann in der Landeshauptstadt ist, übernachtet die Abgeordnete in einem Hotel, an den Wochenenden und in den Ferien blockt sie Zeit exklusiv für die Familie.

          „Arbeit für die Menschen im Wahlkreis“

          Bei allem landespolitischen Engagement soll „die Arbeit für die Menschen im Wahlkreis“ nicht zu kurz kommen, will sich Kühne-Hörmann auch um kleine Belange – wie den optimalen Standort von Glascontainern – kümmern. Angeblich gelingt ihr der Spagat sogar: „Bei mir bekommt jeder einen Termin, und ich gehe auf sehr viele Veranstaltungen.“ Ein Leben für die Politik; dennoch hat Kühne-Hörmann keine Angst vor der Zeit danach, wie sie sagt. Ihr Engagement in Wiesbaden betrachte sie als Mandat auf Zeit – der Wähler entscheide über Anfang und Ende. „Nur wenn man das so sieht, kann man Politik erfolgreich gestalten.“ Und was ist nun mit den Hobbys jenseits der Politik? „Belassen wir es bei: Mann und Kinder.“

          Eva Kühne-Hörmann gehört zweifellos zu den Engagiertesten unter den 110 hessischen Landtagsabgeordneten. Das belegt allein schon eine Übersicht der wichtigsten Ämter, die die 45 Jahre alte CDU-Politikerin aus Kassel bekleidet. Seit 1995 ist sie Mitglied des Landtags und dort stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Wissenschaft und Kunst sowie Mitglied des Innenausschusses, des Richterwahlausschusses und des Ausschusses für Wissenschaft und Kunst. Zudem hat sie den Fraktionsvorsitz in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung inne und ist Kreisvorsitzende der CDU in der Fuldastadt, Mitglied im Landes- und Bezirksvorstand der Union, Vorsitzende der Frauen-Union Kassel-Stadt, Vorstandsmitglied im CDU-Stadtbezirksverband Wilhelmshöhe/Wahlershausen in Kassel sowie im Landesarbeitskreis Christlich-Demokratischer Juristen

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