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: Platanen am Bowling Green in Wiesbaden vorerst gerichtlich geschütz, sollen aber dennoch gefällt werdent

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Die Stadt ist fest entschlossen, die Platanen am Bowling Green morgen fällen zu lassen. Das ließen Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) und Kurdezernent Detlev Bendel (CDU) am Dienstag mit Blick ...

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          Die Stadt ist fest entschlossen, die Platanen am Bowling Green morgen fällen zu lassen. Das ließen Stadtentwicklungsdezernent Joachim Pös (FDP) und Kurdezernent Detlev Bendel (CDU) am Dienstag mit Blick auf einen Antrag der Grünen-Rathausfraktion auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung beim Verwaltungsgericht Wiesbaden wissen. Die von ihr gewünschte Anordnung des Gerichts begründet die Fraktion nach Angaben ihres Anwalts Otto Jäckel damit, daß sie in der Stadtverordnetenversammlung beantragt habe, die 42 Platanen vor dem Kurhaus wieder unter Naturdenkmalschutz zu stellen, und daß vor einer Entscheidung darüber keine vollendeten Tatsachen geschaffen werden dürften.

          Die 3. Kammer am Verwaltungsgericht hat dazu am Dienstag eine sogenannte Zwischenentscheidung erlassen, wonach die Bäume vor einer endgültigen Entscheidung nicht gefällt werden dürfen. Wie das Gericht dazu mitteilte, hatte die Landeshauptstadt keine entsprechende verbindliche Erklärung abgeben wollen. Sie sei lediglich bereit gewesen, ihr Vorhaben zu verschieben und dem Gericht drei Tage vor einem dann neugefaßten Fälltermin Bescheid zu geben. Das Gericht könne jedoch eine angemessene Prüfung der Sach- und Rechtslage nicht von den Terminvorgaben Dritter abhängig machen, zumal es um die Schaffung vollendeter Tatsachen gehe, die nicht rückgängig zu machen sei.

          Die Dezernenten Bendel und Pös gaben sich demgegenüber zuversichtlich, daß die Bäume am Donnerstag umgesägt werden könnten. Man werde dem Gericht mitteilen, daß die meisten Platanen wegen massiver Schäden an Stämmen und Wurzeln aus sicherheitstechnischen Gründen "schnellstmöglich" gefällt werden müßten. Das Gelände sei bereits abgesperrt, Maschinen und Arbeiter seien bestellt.

          Bei einer vorangegangenen Pressekonferenz hatten die Stadträte die Fällaktion noch einmal ausführlich gerechtfertigt und dabei auf Gutachten aus den Jahren 1999 und 2001 verwiesen, aus Zeiten also, in denen von dem Projekt Tiefgarage noch keine Rede gewesen sei. Schon die Gutachter hätten den Bäumen, je nach Zustand, nur noch eine Lebenserwartung von maximal 30 Jahren attestiert. Etliche hätten schon damals gefällt werden müssen. Dabei seien weit schwerere Schäden als angenommen zutage getreten, so daß man auch die Lebenszeit der übrigen Platanen habe "deutlich nach unten korrigieren" müssen. Mittlerweile seien die Bäume so krank, daß sie Unfälle verursachen könnten. Kein Richter dieser Welt, so Pös, würde dann Verständnis dafür zeigen, daß man sie aus ästhetischen Gründen oder mit Rücksicht auf den Naturschutz nicht beseitigt habe; "Menschenschutz" habe vorzugehen.

          Die Bürgerinitiativen "Rettet das Bowling Green" und "Pro Wiesbaden", unterstützt von dem früheren Landesforstmeister und Vorsitzenden des Kuratoriums "Alte liebenswerte Bäume in Deutschland", Professor Hans-Joachim Fröhlich, bekräftigten indes ihre Zweifel daran, daß die Bäume gefällt werden müßten. Laut Fröhlich ist lediglich das auf der Grundlage moderner Methoden erstellte Gutachten der Stadt aus dem Jahr 1999 seriös, demzufolge rund 50 Prozent der Bäume langfristig und weitere mittelfristig zu erhalten seien. Sollte sich der Zustand der Platanen mittlerweile verschlechtert haben, so Fröhlich, könne man sie mit Hilfe spezischer Nutzpilze, die in Symbiose mit den Baumwurzeln leben und ihnen bei der Aufnahme von Wasser- und Nährstoffen helfen, erfolgreich vitalisieren.

          Vertreter der Stadt und der Kurbetriebe waren in der Pressekonferenz bemüht, auch alle übrigen von den Bürgerinitiativen gegen die unterm Bowling Green geplante Tiefgarage vorgebrachten Argumente zu entkräften. So bleibt es nach Darstellung Bendels und von Kurdirektor Henning Wossidlo dabei, daß das 19 Millionen Euro teure Projekt die Stadt nichts kosten soll.

          Die Verträge sollen noch in dieser Woche protokolliert werden. Er erwarte, daß der Investor bei diesem Anlaß die erforderlichen Bürgschaften und Dokumente vorlegen werde, sagte Bendel, wollte sich aber auf einen genauen Termin nicht festlegen lassen.

          Absichern will sich die Stadt mit einer "Fertigstellungsbürgschaft" über zehn Prozent der Baukosten, also 1,2 Millionen Euro. Sollte das Geschäft scheitern und der Investor etwa während der Bauzeit in Konkurs gehen, hieß es dazu, wären damit gewissermaßen die möglicherweise mit der Suche nach einem neuen Investor verbundenen Mehrkosten abgedeckt.

          Die bereits eingetretenen Verzögerungen begründete der Stadtrat damit, daß die Württembergische Landesbank für die Finanzierung des Projekts nicht mehr zur Verfügung stehe. Die Bank habe "ein Problem" gehabt, so Bendel, wenn die Walter-Bau bei der Züblin AG, die das Projekt realisieren soll, "eingestiegen" wäre. Tatsächlich wollte die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Walter-Bau die Züblin AG, bei der sie bereits Mehrheitsgesellschafterin ist, ganz übernehmen.

          Wie es am Dienstag hieß, will sich neuerdings die AGV Anlagen- und Grundstücksvermietungs-Gesellschaft mbH & Co. KG, eine Tochter der Hamburger HSH Nordbank, für das Wiesbadener Projekt engagieren, wobei die HSH die Finanzierung sicherstellen wolle. Letzterer droht laut "Handelsblatt" gerade ein Wertberichtigungsbedarf von mehr als 100 Millionen Euro sowie eine Sonderprüfung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). müg.

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