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Pilgern auf dem Jakobsweg : Vorbei an Klöstern, Kirchen und Kapellen

Die Bergkirche in Gründau-Niedergründau ist eine Station des neuen Jakobsweges im Main-Kinzig-Kreis. Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

Von Camino Francés im Norden Spaniens zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela: Das ist der bekannteste Teil des Jakobswegs. In Hessen führt ein Teil des Pilgerwegs von der Fulda an den Main.

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          Für Klaus Schmitt, Leiter der Bonifatiuswallfahrt in Freigericht, beginnt der Weg immer vor der Haustür. Das gilt insbesondere für die modernen Pilger von heute, die den bekanntesten und beliebtesten christlichen Pilgerweg, den Jakobsweg, beschreiten wollen. Gemeint ist das aber nicht nur im übertragenen Sinne als eingeschlagener Weg zu Gott und zur eigenen Innerlichkeit während einer Pilgerreise. Denn der Jakobsweg besteht nicht allein aus seinem bekanntesten Abschnitt, dem Camino Francés im Norden Spaniens zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela, sondern aus einem Netzwerk von Wegen in ganz Europa.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Vor etwa anderthalb Jahren hat sich eine ökumenische Pilgerweginitiative um den Pfarrer Fredy Henning im Sprengel Hanau der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und Klaus Schmitt von der katholischen Diözese Fulda auf den Weg gemacht, um eine Lücke zwischen Fulda und Mainz in diesem Netz auf einem weiten Stück zu schließen.

          Jakobsweg durch den Main-Kinzig-Kreis

          Seit vergangenem Herbst sind auf der neuen, 140 Kilometer langen Route des „Jakobswegs von der Fulda an den Main“ jeweils rund 60 bis 80 Pilgern an Wochenenden in sechs Etappen unterwegs. Den Auftakt bildete Ende August ein Gottesdienst mit Weihbischof Karlheinz Diez aus Fulda und Propst Gerhard Pauli aus Hanau im Fuldaer Dom. Die erste Pilgerwanderung führte von Fulda nach Flieden, Mitte September folgte der Abschnitt von Flieden nach Steinau, im Oktober ging es weiter nach Biebergemünd-Wirtheim, im November schloss sich das nächste Wegstück nach Niedergründau an. Von dort aus startete man am Samstag in Richtung Hanau.

          Die Jakobswegsmuschel am Portal der Bergkirche
          Die Jakobswegsmuschel am Portal der Bergkirche : Bild: F.A.Z. - Rainer Wohlfahrt

          Die klirrende Kälte hatte die rund 80 Teilnehmer der Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg durch den Main-Kinzig-Kreis nicht von einer Anmeldung abgehalten. Das spricht für die enorme Anziehungskraft des neuen Pilgerpfads. Die Teilnehmer trafen sich am Morgen in der Bergkirche von Nieder-Gründau, die über ihrem Portal eine Jakobsmuschel, das Symbol der Pilgerer, trägt, zu einer kurzen Andacht. Der Weg führte zum ehemaligen Kloster in Langenselbold, zum ökumenischen Kreuzweg nach Erlensee, zur Jakobuskirche in Bruchköbel bis zur St. Bonifatiuskirche in Hanau-Mittelbuchen. Die letzte Etappe von Maintal-Wachenbuchen über Bergen-Enkheim bis nach Frankfurt soll am 28. Februar bewältigt werden.

          Wer sich an der Pilgerreise von Fulda bis Frankfurt beteiligt, braucht nicht nur gutes Schuhwerk und Kondition, um die Etappen zwischen 22 und 26 Kilometern und einer Gehzeit von jeweils mindestens sechs Stunden am Tag bewältigen zu können, sondern auch die innere Bereitschaft, sich der Tradition der Fernpilgerfahrten zu öffnen. Es sei kein Spaziergang, versichert Fredy Henning. Erlebt werden solle der Dreiklang von Aufbrechen, Unterwegssein und Ankommen als Sinnbild des eigenen Lebens und des Zugehens auf Gott.

          Suche nach Gott und Spiritualität

          Den neuen Trend zur Pilgerreise will die Initiative nicht bedienen. Entgegenkommen möchte man aber dem wachsenden Bedürfnis der Menschen nach Spiritualität, weshalb der Pilgerweg ausdrücklich auch nicht bekennende Christen ansprechen soll. Die an der Route liegenden Kirchengemeinden wollen sich mit Angeboten an alle Pilgerwanderer beteiligen, gleich welche Motivation sie auf den Weg gebracht hat. Wie das im Einzelnen geschehen soll, muss jede allerdings noch für sich herausfinden und organisieren. Zumindest einen Stempel für den künftigen Pilgerausweis – er könnte etwa für Unterkünfte auf dem klassischen Jakobsweg in Spanien Rabatte gewähren – sollen die Wanderer künftig an den Stationen finden.

          Verlassen können sich die Pilger darauf, dass die Route den Kriterien der Jakobswege entspricht. Diese müssen in die Richtung des spanischen Hauptweges von Ost nach West führen und sollen möglichst keine Orte mit touristischem Trubel tangieren. Es soll ein Weg der Einkehr und Besinnung sein, an dessen Rand viele Klöster, Kapellen und Kirchen liegen. Eine weitere Voraussetzung ist der Verlauf auf historischen Pfaden. Der neue Jakobsweg orientiert sich an der historischen Fernhandelsstraße Leipzig–Frankfurt, und ist ein Abschnitt auf der sogenannten Via Regia, einer Kulturstraße Europas, die einst von der Ukraine bis nach Spanien führte. Zahlreiche Pilger, die von Osten kamen und über Frankfurt, Mainz, Kaiserslautern und Frankreich nach Santiago de Compostela unterwegs waren, benutzten laut Henning diesen Handelsweg. Dass für den neuen Weg alle Voraussetzungen erfüllt sind, hat die Deutsche Jakobusgesellschaft in Aachen bestätigt.

          Die fränkische Sankt Jakobusgesellschaft in Würzburg steht der Initiative auf regionaler Ebene zur Seite, auch wenn es darum geht, den Weg weiter auszugestalten. Im nächsten Schritt wollen sich die Organisatoren mit mehreren Wanderclubs zusammensetzen, um die möglichst ehrenamtliche Pflege des Wegs und die Ausschilderung mit dem europäischen Symbol der Jakobswege – einer stilisierten Jakobsmuschel – zu besprechen. Bis 2010 will man die Organisation der Route abgeschlossen haben. Informationen im Internet über die Route, Hinweise auf günstige Übernachtungsmöglichkeiten, ein Flyer oder ein kleines Handbuch sowie Vordrucke für die Pilgerausweise sollen das Angebot komplettieren.

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