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Pfungstadt : Auch Bundeswehr ehrt Karl Plagge

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Am Ludwigs-Georg-Gymnasium erinnert die Büste an den ehemaligen Schüler Karl Plagge Bild: F.A.Z. - FOTO DIETER RUECHEL

Die Frankensteinkaserne wird in „Major-Karl-Plagge-Kaserne“ umbenannt. Zuvor war Plagge posthum wegen der Rettung von Juden im nationalsozialistischen Deutschland mit der höchsten Ehrung des Staates Israel ausgezeichnet worden.

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          Nach der Gedenkfeier im vergangenen Jahr für den Wehrmachtsmajor Karl Plagge erinnern die Stadt und die Bundeswehr morgen abermals an jenen Darmstädter, der im Zweiten Weltkrieg durch sein menschliches und beherztes Handeln mehreren hundert jüdischen Zwangsarbeitern und ihren Angehörigen das Leben rettete. Im Mittelpunkt des Tages steht die Umbenennung der Frankensteinkaserne, die auf Pfungstädter Gemarkung liegt.

          Sie soll künftig „Major-Karl-Plagge-Kaserne“ heißen. Der Festakt an der Außenmauer beginnt am Vormittag mit der Enthüllung des neuen Namenszugs und einer Bronzetafel des Darmstädter Künstlers Ariel Auslender. Die Ansprachen halten Darmstadts Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) und der stellvertretende Befehlshaber des Streitkräfteunterstützungskommandos in Köln, Generalmajor Klaus-Peter Treche. Anschließend folgen ein Festvortrag von Oberstleutnant a.D. Jörg Fiebelkorn und eine Rede des Zeitzeugen Simon Malkes aus Paris.

          Mutiges Handeln

          Gut eine Stunde zuvor werden Hoffmann und Schulleiter Werner Wittmann eine von dem Darmstädter Bildhauer und Modellbauer Gerhard Roese geschaffene Büste Plagges in der Aula des Ludwig-Georgs-Gymnasiums offiziell übergeben. In dem altsprachlichen Gymnasium ging Plagge, der 1897 in Darmstadt geboren wurde und hier 1957 verstarb, einst zur Schule. Den Abschluß des Tages bildet ein Besuch an Plagges Grab auf dem Alten Friedhof in Darmstadt, an dem auch Familienmitglieder teilnehmen sowie Überlebendes des Heeres-Kraftfahrzeugparks 562 im litauischen Wilna. Im vergangenen Jahr ist an der Grabstätte bereits eine Gedenktafel aufgestellt worden, die nun auf einen Steinsockel fest montiert werden soll.

          Karl Plagge, 1897 -1957
          Karl Plagge, 1897 -1957 : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          Karl Plagge war im April 2005 in Jerusalem für sein mutiges Handeln in der Gedenkstätte Vad Vashem posthum mit der höchsten Ehrung des Staates Israel als „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet worden. Wenige Tage danach erinnerten die Stadt und die Technische Universität mit einer Kranzniederlegung und einer Gedenkveranstaltung an den ehemaligen Leiter des Kraftfahrzeug-Parks, der zwischen 1941 und 1944 seine Möglichkeiten nutzte, um vielen jüdischen Zwangsarbeitern und ihren Angehörigen Schutz zu gewähren und sie durch eine Beschäftigung im Werk vor der Ermordung durch SS-Vernichtungskommandos zu bewahren. Außerdem rettete er zahlreiche russische und polnische Kriegsgefangene vor dem Tod.

          „Retter in Uniform“

          Der Freiburger Historiker Wolfram Wette bezeichnete Plagge in seinem Festvortrag vergangenes Jahr als „Retter in Uniform“, der ohne Rückenwind durch eine Widerstandsorganisation ganz auf sich gestellt gehandelt habe, mit langem Atem, überlegt und geschickt. Dabei habe er ein ungewöhnliches Maß an Mut bewiesen. Dies alles mache ihn zu einem „außergewöhnlichen Mann“. Der damalige Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, Hans-Georg Wagner, hatte auf der gleichen Veranstaltung angekündigt, daß eine Umbenennung der Frankenstein-Kaserne genehmigt werde, sollte ein entsprechender Antrag gestellt werden.

          Das Ludwig-Georgs-Gymnasium ist eine Schule, die mehrere berühmte „Ehemalige“ hat. Hier drückten auch Justus Liebig, Georg Christoph Lichtenberg oder der Focus-Herausgeber Helmut Markwort die Schulbank. Plagge war 1907 Schüler geworden und trat nach 1945 zudem in den Unterstützerverein des Gymnasiums ein, in dem er bis zu seinem Tode blieb. Die Idee, die heutigen Schüler an ihn zu erinnern, kam von Wolfgang Martin, dem Vorsitzenden des Fördervereins des Gymnasiums. Er konnte Roese für das Projekt gewinnen und über Spenden durch den Schulverein, die Heag, den Verein Darmstadtia und Privatleute die benötigten 6000 Euro aufbringen.

          Roese, 1962 geboren, arbeitete bis 2002 als Architekturmodellbauer für das Mainzer Dombaumuseum. Dort waren Rekonstruktionen sein Spezialgebiet. Auch im Falle von Plagges Büste ging es ihm um eine Rekonstruktion - die eines bescheidenen und freundlichen dreinschauenden Menschen mit Tatkraft und Mut.

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