https://www.faz.net/-gzg-9ql62

Biogartenmesse in Wiesbaden : Pflanzen für Idealisten

Die Natur sorgt zwar schon von sich aus für viel Grün im Biebricher Schlosspark, gleichwohl findet dort am Wochenende eine Biogartenmesse statt. Bild: Frank Röth

Gartenmessen gibt es unzählige, die Biogartenmesse ist noch einmalig. Am Wochenende läuft sie im Biebricher Schlosspark. Sie bietet auch ein Programm für Kinder.

          2 Min.

          In den Supermärkten haben Bioprodukte die Regale erobert, in den Gärtnereien – man möchte sagen: absurderweise – noch nicht. Wenn in Deutschland Natur gestaltet wird, dann sind immer noch jede Menge Pestizide mit im Spiel. Sogar wenn der Hobbygärtner selbst gar nicht spritzt, gelangt über die Pflanzen, die er im Gartenbaucenter um die Ecke erwirbt, meist jede Menge Chemie in die heimischen Gärten. Daran will die Landschaftsarchitektin Batya-Barbara Simon aus Wiesbaden etwas ändern. „Es gibt rund 1400 Gartenmessen in Deutschland, aber nur eine Biogartenmesse“, klagt sie. Sagt aber auch: „Gerade ändert sich sehr viel, das Bewusstsein ist geweckt, und es entstehen immer mehr Biobetriebe.“

          Alexander Jürgs

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit fünf Jahren veranstaltet Simon ihre Biogartenmessen an unterschiedlichen Orten in Deutschland. Am Wochenende ist sie mit der Messe in der Orangerie im Schlosspark in Wiesbaden-Biebrich zu Gast. Gut 60 Aussteller werden sich dann dort präsentieren, werden Pflanzen und Zubehör verkaufen, auch Stände mit Kunsthandwerk soll es geben. Alle Gärtner, die bei Simons Messe mitmachen, wurden mindestens mit dem Biosiegel der Europäischen Union zertifiziert. Viele erfüllen aber auch die noch strengeren Vorgaben von Verbänden wie Demeter, Naturland oder Bioland.

          Widerstandsfähiger und robuster

          Was machen Biogärtner anders als die konventionellen Gärtner? „Der große Unterschied ist, dass die Biogärtner ihren Pflanzen Zeit geben“, sagt Batya-Barbara Simon. Die Pflanzen werden nicht unter vermeintlichen Optimalbedingungen, in aufgeheizten Gewächshäusern, unter künstlichem Licht, in kurzer Zeit gezüchtet, sondern wachsen auf natürliche Weise. „Das macht die Pflanzen widerstandsfähiger und robuster“, sagt die Landschaftsarchitektin. Die Gärtner, die nach Biovorschriften arbeiten und organische Dünger verwenden, nennt sie „Idealisten“, weil sie viel mehr Zeit und viel mehr Arbeit in ihre Pflanzen stecken. „Diesen Menschen will ich ein Forum bieten, will dafür sorgen, dass mehr Menschen von ihrer Arbeit erfahren.“

          Darum soll ihre Biogartenmesse auch „keine reine Verkaufsschau“ werden, sondern ein Ort des Austausches. Das Rahmenprogramm mit Vorträgen und Workshops dreht sich um das Thema Boden: Wie lassen sich Garten- und Ackerböden ökologisch und nachhaltig pflegen? Welche Besonderheiten gibt es beim Bioanbau? Darüber informieren Referenten wie Christopher Schümann von der schweizerischen Initiative Bodenfruchtbarkeitfonds oder Andreas Koch-Neumeyer von der Göttinger Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, der erklärt, wie man anhand des Vorkommens von Wildkräutern erkennen kann, welche besonderen Qualitäten ein Boden besitzt.

          Programm für Kinder

          Auch für Kinder gibt es ein eigenes Programm: Beim Geländespiel unter dem Motto „Das Universum unter deinen Füßen“ können sie erfahren, wie viel Leben in den Böden steckt.

          Viele Menschen, sagt Batya-Barbara Simon, haben die Sorge, dass ein nach strengen Bioprinzipien bewirtschafteter Garten schnell zuwuchert, dass er zur wilden Wiese mutiert. Auch diese Angst will die Organisatorin den Hobbygärtnern mit ihrer Messe nehmen. „Biogarten bedeutet nicht Kraut und Rüben, so ein Garten kann auch richtig schick werden“, versichert sie.

          Weitere Themen

          Ein Christbaum namens Peter

          Weihnachtsbaum für Frankfurt : Ein Christbaum namens Peter

          Frankfurt steckt in den Weihnachtsvorbereitungen: Die Fichte, die in diesem Jahr den Römer schmückt, ist ein Prachtstück. 800 Schleifen und 4,4 Kilometer Lichterkette sollen den Baum noch festlicher machen.

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.