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„Eher so cool, lässig“ : Wie eine Gemeinde ihren Pfarrer über Youtube sucht

Auf Pfarrersuche: Gemeinde St. Peter in Petersberg bei Fulda - hier die historisch bedeutsame Kirche von innen Bild: Michael Kretzer

Eine Gemeinde bei Fulda hat im Sommer ihren Pfarrer an eine Frau verloren. Nun will sie mit einem Werbevideo endlich einen festen Seelsorger finden. Doch die Ansprüche sind gar nicht so niedrig.

          Nach Monaten ohne eigenen Pfarrer hatten die Messdiener aus Petersberg die Nase voll. Zusammen entwickelten sie eine Idee: ein Bewerbungsvideo. Und zwar eines, in dem sich die Gemeinde, die aus den Kirchorten St.Peter und St.Paulus besteht, für einen neuen Pfarrer bewirbt. „Wir haben einfach eine Kamera genommen und losgelegt“, sagt Gemeindereferent Wolfgang Uffelmann, der im Abspann des gut fünf Minuten langen Films gleich in mehreren Rollen auftaucht – zuständig für Regie, Schnitt, Kamera und Produktionsdesign.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Hinter dem Stichwort „Casting“ steht: „nicht notwendig“. Denn wer die Hauptrollen spielen sollte, war von Anfang an klar – die Messdiener. So finden sich in dem Video, das auf Youtube und der Internetseite der Gemeinde abzurufen ist, fünf Protagonisten im Alter zwischen neun und elf Jahren. Sie treten auf wie bei „Dingsda“, einer Fernsehshow, die in den Achtzigern und Neunzigern erfolgreich war und in der Kinder etwas erklären mussten, das Erwachsene erraten sollten.

          Eher cool als kühl, bittesehr

          Ein blonder Junge bringt die Not der Gemeinde und der Messdiener auf den Punkt. „Mich nervt halt das andauernde Hin- und Hergewechsel von den Pfarrern, deswegen“, sagt er. Klare Vorstellungen haben die Fünf davon, wie der Neue sein soll. „Eher so cool, lässig“, meint ein Junge mit dunklem Haar. „Er soll die Kirche ernstnehmen“ und „er soll gute Witze machen“, findet er – „und dass er die Predigt gut macht“, woraufhin ein Mädchen mit Brille spontan sagt: „und nicht so lange“. Ein blondes Mädchen mit Zopf verlangt Milde: „Und wenn wir Fehler machen, halt nicht gleich rummeckern oder sowas.“ Außerdem soll der Pfarrer freundlich, nett, lustig, gut, ehrlich, verständnisvoll und sorgfältig sein. Der blonde Junge sagt noch: „Er sollte nicht andauernd in einem kurzen T-Shirt kommen.“ Aber das ist für Pfarrer sicher eine Selbstverständlichkeit.

          Die Gemeinde, so finden die Kinder, hat eine Menge zu bieten. „Er kann sich auf Veranstaltungen freuen wie mittags mit den Messdienern grillen und so“, sagt der blonde Junge. „An Weihnachten machen wir auch das Krippenspiel“, erzählt das Mädchen mit Brille. Dem dunkelhaarigen Jungen ist es wichtig zu erwähnen, „dass wir eine sehr gute Gemeinde sind. Eigentlich fast alle gehen in unsere Kirche.“ Vakant ist der Posten seit Sommer 2018. Damals entschied sich der langjährige Pfarrer gegen den Dienst in der Kirche, weil er mit einer Frau zusammenleben wollte. Solange der neue Fuldaer Bischof nicht im Amt ist, wird die Stelle allerdings auch nicht neu ausgeschrieben.

          „Jesus, deep down in my heart“

          Höhepunkt des Videos ist der Moment, in dem zwei Mädchen auf einem schwarzen Ledersofa anfangen zu singen. „Eins, zwei, drei, vier“, flüstert die eine, dann legen sie los: „I love Jesus, deep down in my heart“ – Gesten und Klatschen inklusive. Dieselben beiden Mädels führen den Zuschauer dann noch in die Kirche und ins Pfarrhaus, damit der neue Pfarrer weiß, worauf er sich einlässt. Im Pfarrhaus zeigen sie eine Treppe hinauf: „Da oben wird dann deine neue Wohnung sein. Und wie sie aussieht, musst du dir selber angucken. Viel Spaß.“

          Das Youtube-Video ist erst ein paar Tage alt, aber schon mehr als 2200 Mal angeklickt worden. Vielleicht war ja ein Pfarrer darunter, der jetzt unbedingt nach Petersberg will.

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