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Zum Tod von Peter Arens : Ein Leben von Klopp bis Gracia Patricia

Versöhner: 37 Jahre gehörte Peter Arens zum Vorstand des FSV Mainz 05. Bild: Stefan F. Sämmer

Ein großer Mainzer ist gestorben: Peter Arens war nicht nur ein Wegbereiter des Fußball-Aufschwungs und Ehrenmitglied der „Nullfünfer“. Er prägte seine Heimatstadt.

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          Zu Peter Arens gibt es so viele Anekdoten, dass sie eigentlich gar nicht in ein Leben passen: Er dinierte mit der durch Heirat zur Gracia Patricia und Fürstin von Monaco gewordenen Oscar-Gewinnerin Grace Kelly, dem heutigen Welttrainer Jürgen Klopp ebnete er den Weg zu Mainz 05, und in Ländern auf dem Balkan verpflichtete er Spieler mit Geld, das er sich zur Sicherheit in Bündeln um den Bauch gebunden hatte. Zudem prägte Arens seine Heimatstadt wie wenige andere auch als Geschäftsmann: Als Friseur übernahm er den elterlichen Betrieb und etablierte ihn als eines der elegantesten Geschäfte in der Mainzer Innenstadt.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Friseursalon an der Großen Bleiche wird seit bald zwei Jahrzehnten von seinem Sohn Christian geführt, sein Büro behielt der „Seniorchef“ aber bis zuletzt. Viele Jahre bestimmte er von dort aus als geschäftsführender Vorstand eines internationalen Interessenverbandes der Coiffeure die Lobbyarbeit der europäischen Friseure. In dieser Funktion hatte er die Ehre, vor vier Jahrzehnten bei einer Konferenz in Monte Carlo beim Gala-Diner neben der später tödlich verunglückten Gracia Patricia zu sitzen. 

          In der Öffentlichkeit wurde Arens, als bekennender Mainzer an Rosenmontag stets in der Uniform  der Prinzengarde auf der Straße unterwegs, bekannt, weil er als dienstältestes Vorstandsmitglied zu jenem Führungsteam von Mainz 05 gehörte, das den Klub von einer grauen Maus zu einem etablierten Bundesligaverein entwickelte. Von 1980 an gehörte Arens dem Gremium 37 Jahre lang an, drei Jahrzehnte davon als Vizepräsident. Er gründete als Sponsorenbasis den VIP-Club, um Einnahmen für den Klub zu generieren. In wirtschaftlich düsteren Zeiten des Klubs in den achtziger Jahren zog er zudem, meist mit einem Piccolo in der Jackettasche, von Geschäft zu Geschäft und sammelte Geld ein, um den klammen Klub in der Oberliga am Leben zu erhalten. Wen Not am Mann war, half die gute Seele des Klubs als Stadionsprecher oder Pressesprecher aus.

          Klopp nach Mainz geholt

          Einige Jahre lang war es auch vor dem Dienstantritt von Christian Heidel seine Vorstandsaufgabe, Spieler für den Verein zu verpflichten. Und so war es eben Arens, der 1990 Jürgen Klopp als Zweitligaprofi von Rot-Weiß Frankfurt nach Mainz lotste und somit eine Verbindung begründete, die für beide Seiten ein Glücksfall werden sollte.

          Und so äußerte sich am Mittwoch auch der zwischen 1990 und 2008 in Mainz als Spieler und Trainer tätige heutige Coach des FC Liverpool, der am Abend die Trophäe des englischen Meisters mit seiner Mannschaft des FC Liverpool entgegennehmen sollte, zu seinem „Entdecker“. „Wenn ich an Peter denke,denke ich zu allererst an einen guten Menschen!“, sagte Klopp der Mainzer Allgemeinen. „Er war ein außergewöhnlich netter Kerl. Und ein richtiger Mainzer. Damit meine ich: Er hat hart gearbeitet, aber er konnte auch richtig feiern. Und er war natürlich ein 05er durch und durch. Er war mein erster Kontakt zu Mainz 05. Ich werde ihn immer in meinem Herzen tragen. Peter war ein ganz Großer. Danke für Alles! Wir sehen uns.“

          „Er war der Einzige von uns, der mit Mainz 05 bereits in den Achtzigern in der Oberliga über Dorfsportplätze gezogen war, ehe der Verein in der zweiten Liga langsam wuchs“, sagt sein langjähriger Vorstandskollege Jürgen Doetz. „Umso mehr war Mainz 05 für Peter Arens eine Herzensangelegenheit auch noch später, als Fußball mehr zum Geschäft und alles rauher wurde.“

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          Am Montagabend noch weilte Arens im Kreis der „Grislies“, wie sich die Gruppe der 05er-Altvorstände in Anspielung an ihre grauen (Französisch: gris) Haare nennt, seitdem sie vor drei Jahren die Führung des Klubs abgegeben hat. Einmal in der Woche schwelgten Arens und seine Weggefährten in der Stadiongaststätte „Hasekaste“ in alten Geschichten und blickten mal mit Freude, mal mit Sorge auf den Verein. Die Zusammenkunft ließ Arens, obgleich seit Jahren gesundheitlich angeschlagen, nur im Notfall aus.

          Der „Harmoniemensch“ rückte dort auch in die Rolle des Versöhners, als der Klub nach dem Abgang seines Freundes Harald Strutz als Präsident zu zerbrechen drohte. „Peter war ein Brückenbauer, zwischen Verein, Partnern und Fans, aber auch zwischen dem alten Vorstand und dem neuen. Sein Tod ist ein schmerzhafter Verlust für Mainz 05 für unsere Stadt und auch für mich persönlich. Wir trauern um einen ganz, ganz besonderen Mann und sind in Gedanken bei Peters Familie“, sagte Vorstandschef Stefan Hofmann am Mittwoch.

          Hofmann setzte im vergangenen Jahr auch mit Blick auf Arens’ Gesundheit durch, dass die Altvorstände zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden. Und so ist am Dienstag ein Ehrenmitglied der „Nullfünfer“ und ein großer Mainzer im Alter von 83 Jahren gestorben.

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