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Neubau auf Kronenhof-Gelände : Paul-Ehrlich-Institut bleibt in Langen

  • -Aktualisiert am

Standorttreu: Es spricht vieles dafür, dass Paul Ehrlichs Büste auch künftig in Langen stehen wird. Bild: Wonge Bergmann

Das Paul-Ehrlich-Institut wird seinen Neubau auf der Fläche Reitanlage Kronenhof errichten. Auf dem Rest des Areals will ein Automobilzulieferer seine Europa-Zentrale ansiedeln.

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          Der Automobilzulieferer American Axle & Manufacturing, Inc. (AAM) will seine neue Europa-Zentrale im Langener Wirtschaftszentrum Neurott errichten. Das amerikanische Unternehmen interessiert sich für eine rund 4,1 Hektar große Fläche im südlichen Teil des Areals, auf dem sich heute noch die Reitanlage Kronenhof an der Paul-Ehrlich-Straße befindet. Mit einem vorhabenbezogenen Bebauungsplan will die Stadt Langen die Ansiedlung ermöglichen. Die nordwestliche Teilfläche des Kronenhof-Geländes wäre als neuer Standort des seit 1989 in Langen beheimateten Paul-Ehrlich-Instituts geeignet. Eine offizielle Aussage, ob sich die Stadt beim sogenannten Erkundungsverfahren durchsetzen konnte, gibt es bisher nicht. Zuletzt waren noch Langen und Hochheim im Rennen. Inoffiziell ist jedoch zu hören, dass die Entscheidung zugunsten von Langen gefallen sei.

          Im März beschlossen die Stadtverordneten, einen Bebauungsplan für das elf Hektar große Kronenhof-Gelände aufzustellen. Es soll künftig als Gewerbegebiet ausgewiesen werden. Dies war als Signal an das in unmittelbarer Nachbarschaft, ebenfalls an der Paul-Ehrlich-Straße, angesiedelte Paul-Ehrlich-Institut gedacht, das schon seit geraumer Zeit einen neuen Standort sucht.

          Auch in die Jahre gekommen

          Das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel beschäftigt rund 800 Menschen. Die Gebäude sind nicht nur zu klein, sondern auch in die Jahre gekommen und verbrauchen zu viel Energie. Für einen Neubau wird ein 66.000 Quadratmeter umfassendes Grundstück benötigt. Der nordwestliche Teil des Kronenhof-Geländes wäre groß genug. Der Vorstoß der Stadt, einen Bebauungsplan aufzustellen, erfolgte im Einvernehmen mit den beiden Eigentümerinnen des Kronenhofs. Langen ließ großes Interesse erkennen, das Paul-Ehrlich-Institut zu halten. Für einen Neubau wären 400 bis 500 Millionen Euro zu investieren.

          Für die Suche nach einem neuen Standort ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben in Bonn zuständig. Nach einem sogenannten Erkundungsverfahren, bei dem auch Machbarkeitsstudien für vier potentielle Standorte erstellt wurden, legte die Bundesanstalt dem Paul-Ehrlich-Institut und dem Bundesgesundheitsministerium im Februar den abschließenden Erkundungsbericht mit einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vor. Nach Angaben der Bundesanstalt entschieden sich Paul-Ehrlich-Institut und Ministerium inzwischen für einen Standort und erteilten den Auftrag, das Grundstück anzukaufen.

          Ein eigenständiges Bebauungsplanverfahren

          Um welchen Standort es sich handele, verriet die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben nicht. Auch beim Paul-Ehrlich-Institut und bei der Stadt Langen war dazu nichts zu erfahren. Man könne den Standort erst nach Abschluss der derzeitigen Verkaufsverhandlungen, voraussichtlich Mitte Juni, nennen, teilte die Bundesanstalt auf Anfrage mit. Der Langener Wirtschaftsförderer Joachim Kolbe sagte, die Stadt warte zuversichtlich auf die Bekanntgabe der Entscheidung. Eine negative Antwort der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben habe man bisher nicht bekommen. Für die Kronenhof-Teilfläche, die das Paul-Ehrlich-Institut künftig nutzen könnte, soll es ein eigenständiges Bebauungsplanverfahren geben.

          Die American Axle & Manufacturing, Inc. mit Sitz in Detroit ist nach eigenen Angaben an mehr als 90 Standorten in Nord- und Südamerika, Asien und Europa präsent. Das Unternehmen beschäftigt sich mit der Entwicklung von Achsen und Antriebswellen. Die Europa-Zentrale befindet sich derzeit in Bad Homburg. Nach Angaben von Kolbe erwirtschaftet das Unternehmen in Europa einen Umsatz von 750 bis 800 Millionen Euro, der in den nächsten Jahren auf rund 1,5 Milliarden Euro steigen soll. Das Unternehmen will mehrere bisher im Rhein-Main-Gebiet verteilte Standorte zusammenführen und zukunftsfähig ausrichten. Kolbe rechnet mit zunächst 200 bis 250 Mitarbeitern; allerdings setze AAM auf Wachstum.

          Die Vorentwurfsunterlagen zum vorhabenbezogenen Bebauungsplan liegen heute dem Stadtverordnetenausschuss für Umwelt, Bau und Verkehr zur Kenntnisnahme vor. Vorgesehen ist, auf einer Grundfläche von 14.000 Quadratmetern eine eingeschossige Halle mit einer Vorhangfassade aus Glas zu errichten, in der ein technisches Zentrum zur Entwicklung von Produktprototypen untergebracht werden soll. Außerdem können dort Produkttests stattfinden und werden andere Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten ebenfalls ausgeführt. Zur Paul-Ehrlich-Straße hin und möglicherweise auch entlang der Robert-Bosch-Straße sehen die Pläne bis zu zweigeschossige Büroflächen samt Cafeteria, Sozialräumen und weiteren ergänzenden Nutzungen vor. Rund 260 Stellplätze stehen Beschäftigten und Besuchern zur Verfügung.

          Der Stadt Langen werden durch den vorhabenbezogenen Bebauungsplan keine Kosten entstehen. Planung und Realisierung soll ein privater Investor finanzieren. AAM wolle sehr schnell mit dem Bau beginnen. Kolbe machte deutlich, man setze alles daran, bis zum Spätherbst Baurecht zu bekommen.

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