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„Pastoraler Weg“ : Aus 23 Pfarreien werden drei Bezirke

Lichtgestalt: die winterliche Basilika in Niddatal-Ilbenstadt Bild: Rainer Wohlfahrt

Das katholische Dekanat Wetterau-West stellt sich neu auf. Die örtlichen Pfarreien sollen aber ihre Eigenständigkeit behalten.

          2 Min.

          Viele Veränderungen stehen in den nächsten Jahren im Dekanat Wetterau-West an, die rund 50.000 Katholiken im Gebiet des ehemaligen Kreises Friedberg betreffen. Auslöser ist ein bistumsweiter Prozess unter dem Leitwort „Pastoraler Weg“, den der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf ausgerufen hatte mit dem Ziel, die Kirche weiterzuentwickeln, zu erneuern und ihr eine Zukunftsperspektive zu geben. Das betrifft geistlich-theologische Aspekte ebenso wie organisatorisch-strukturelle. Wobei es sich bei dem „Pastoralen Weg“, der bis zum Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein soll, nicht um einen Restrukturierungsprozess von oben handelt. Vielmehr sind alle Katholiken gefragt. Neuerungen sollen darauf basieren, was den Menschen in den Kirchengemeinden wichtig ist.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Das hat die Dekanatsleitung veranlasst, ein Projektteam zu gründen, das mit den Gemeindemitgliedern Ideen entwickelt. Um so viele wie möglich einzubinden, wendet sich das Dekanat mit einem Flyer an alle katholischen Haushalte. Im Herbst soll ein Interviewprojekt starten, bei dem die Menschen dazu befragt werden, was in ihrem Leben besondere Bedeutung hat, welche Rolle Glauben und Kirche dabei spielen und wie sie sich die Gemeindearbeit für die Zukunft vorstellen. Darauf aufbauend, soll bis Mitte 2021 die inhaltliche Arbeit in Dekanat und Pfarreien festgelegt werden.

          Noch weniger Geld und noch weniger Personal

          Zugleich muss das Dekanat darauf reagieren, dass angesichts sinkender Mitgliederzahlen, geringerer Steuereinnahmen und Priestermangel in Zukunft Geld und Personal noch weniger werden. Was bedeutet, die kirchliche Verwaltung weiter zu professionalisieren und Teamarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen zu stärken. Verbunden ist das mit einer Neuordnung des Dekanats selbst: Es gibt künftig nur noch drei Großpfarreien zwischen nördlichem Frankfurter und südlichem Gießener Umland. Aus 23 Pfarreien werden die Pfarrbezirke Nord, Mitte und Süd. Die nördliche Großpfarrei umfasst das Gebiet von Münzenberg bis Bad Nauheim, die Pfarrei Mitte reicht von Friedberg über Karben bis nach Heldenbergen. Daran schließt sich im Süden der von Burgholzhausen bis zum Bad Vilbeler Stadtteil Heilsberg reichende Bezirk an. Alle drei Großpfarreien haben in etwa gleich große Mitgliederzahlen.

          Bei der Einteilung der Bezirke ging es freilich nicht nur um Zahlenproporz. Im Vordergrund stand die künftige Zusammenarbeit der örtlichen Pfarreien. Denn sie sollen, so die Intention, ihre Eigenständigkeit behalten. An die Zentralisierung von Kirchen und Gemeindehäusern sei nicht gedacht, so Dekan Stefan Wanske. Es sollten jedoch Schwerpunkte gebildet werden. Nicht alle Gemeinden müssten das Gleiche anbieten. So könnten sich Kirchenchöre zusammentun, Gesprächskreise sich über örtliche Pfarreien hinaus bilden oder erweitern. Ähnliches gilt für karitatives Engagement.

          Gerade für kleine Gemeinden ergibt sich damit die Möglichkeit, vom Angebot eines größeren Verbundes zu profitieren. Etwa für eine Gemeinde mit hohem Altersdurchschnitt, wo es schwierig ist, noch Kindergottesdienste abzuhalten. In Zukunft könnten Eltern mit ihren Kindern in die Nachbargemeinde kommen, wo mehr Kinder teilnehmen. Umgekehrt könnten über Pfarreien hinaus Fahrgemeinschaften gebildet werden für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Gesprächskreise könnten sich vernetzen, neue Anregungen erhalten. Was die Seelsorge betrifft, so soll diese in den Orten erhalten bleiben. Im Verbund, heißt es, ließe sie sich vielfältiger gestalten. Für die Großpfarreien ist auch auf der Führungsebene Teamarbeit angesagt. Was bedeutet: Es gibt künftig einen leitenden Pfarrer, der unterstützt wird von weiteren Pfarrern aus den Gemeinden, hauptamtlichen Mitarbeitern und nicht zuletzt ehrenamtlich tätigen Kirchengemeindevertretern, die dafür von den Gemeindemitgliedern gewählt wurden.

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