https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/partnerschaftliche-polizei-kommentar-zu-kompass-projekt-15697964.html
 

Kommentar zu Kompass-Projekt : Polizei als Partner des Bürgers

  • -Aktualisiert am

Aufgeschrieben hält besser: Gratis-Kulis zur Polizei-Initiative Kompass Bild: dpa

Unbegründete Ängste gibt es, und niemand weiß das besser als die Polizei. Sie lösen sich nicht durch Statistiken auf, sondern nur, indem man sie zur Sprache bringt. Etwa in der Initiative Kompass.

          1 Min.

          Der Schutzmann von früher, der auf der Kreuzung stand, den Verkehr regelte und hin und wieder ein Schwätzchen hielt, ist schon lange Vergangenheit. Ampeln haben seinen Job übernommen. Der Schutzmann war meist auch hilfsbereit und stets ansprechbar. Mancher fungierte als örtlicher Kummerkasten.

          Die Kriminalitätsstatistiken, die jedes Jahr der Innenminister präsentiert und die anschließend die Polizeipräsidien vorlegen, dienen zwar auch als Stimmungsbarometer. Aber wegen einer um einen Prozentpunkt verbesserten Aufklärungsquote fühlen sich die Bürger nicht automatisch wohler. Was natürlich ist. Abstrakte Zahlen lassen sich nun einmal schlecht in Emotionen übersetzen – außer vielleicht beim Lottogewinn.

          Das Sicherheitsgefühl

          Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat bei der Vorstellung seiner Initiative deshalb mehrfach vom subjektiven Sicherheitsgefühl der Menschen gesprochen, das durch das Programm „Kompass“ verbessert werden soll, und dies ein „echtes Sicherheitsplus“ genannt. Dieses Plus kann man tatsächlich nicht hoch genug einschätzen. In einer Umgebung zu leben, in der man keine Angst haben muss, ist kein Luxus, sondern ein elementares Lebensbedürfnis. Manche Menschen verlassen deshalb sogar ihre Heimat und ziehen in die Fremde.

          Beuth macht mit seiner Initiative deutlich, dass das Gefühl von Sicherheit nicht vollständig an die Polizei delegiert werden kann. In den diffizilen Fragen des kollektiven Wohlbefindens braucht es auch die Bürger als Fachleute, die Behörden, die Unternehmen, Vereine, Schulen und Kirchen. Nur deren Erfahrungen können die Basis für jene „Feinanalysen“ abgeben, die örtliche Angsträume beschreiben und Wege aufzeigen, diese aufzulösen.

          Das Angebot dürfte zu einem emotionalen Klärungsprozess beitragen. Drei biertrinkende Jugendliche stellen nicht automatisch eine Bedrohung dar, und grölende Fußballfans sind nicht immer gewaltbereit, auch wenn manche das befürchten. Solche unbegründeten Ängste gibt es, und niemand weiß das besser als die Polizei. Sie lösen sich leider nicht durch Statistiken auf, sondern nur, indem man sie zur Sprache bringt. Der partnerschaftliche Dialog, den Beuth institutionalisieren will, bietet dazu sicherlich auch Gelegenheit.

          Weitere Themen

          Das illegale Geschäft mit den Welpen

          Verbotener Tierhandel : Das illegale Geschäft mit den Welpen

          Seit der Pandemie nimmt der Handel mit illegal gezüchteten Hunden stark zu, die Mehrheit davon kommt scheinbar aus Osteuropa. Viele Käufer erkennen das Leid der Tiere zu spät, obwohl es oft eindeutige Hinweise gibt.

          Topmeldungen

          Truss auf dem Parteitag in Birmingham

          Premierministern unter Druck : Truss verteidigt ihre Steueragenda

          Auf dem Tory-Parteitag versucht die angeschlagene Premierministerin aus der Defensive zu gelangen. Das gelingt ihr nur zum Teil. Das britische Pfund gibt nach ihrer Rede abermals nach.

          Protestbewegung in Iran : Freiheitsbewegung in einem erschöpften Land

          Der Mut der Frauen inspiriert die Männer: Die Proteste in Iran zeugen von der tiefen Kluft zwischen Gesellschaft und Regierung. Sie markieren einen Wendepunkt auf dem Weg zur Freiheit. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.