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Parteien : Mit Joschka unverzagt in den Wahlkampf

  • -Aktualisiert am

Nur nominell Nummer zwei: Joseph Fischer, hier in Köln mit Drag Queen Oliva Jones Bild: dpa/dpaweb

Die Abstimmung über die Vertrauensfrage ist vorüber - jetzt stehen die Zeichen auf Wahlkampf. Kämpferisch hatte sich Joseph Fischer bereits im Bundestag am Freitag gezeigt. Der heimliche Parteichef macht den hessischen Grünen nun Mut zu äußersten Anstrengungen.

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          Die Abstimmung über die Vertrauensfrage ist vorüber - jetzt stehen die Zeichen auf Wahlkampf. Rhetorisch kämpferisch hatte sich Joseph Fischer bereits während der Sitzung des Bundestages am Freitag präsentiert. Kaum anders verhielt es sich am Wochenende bei der Landesmitgliederversammlung der hessischen Grünen in Butzbach.

          Die mehr als 370 Mitglieder, die sich auf den Weg ins Mittelhessische gemacht haben, bekamen nicht den staatstragenden Bundesaußenminister zu hören, sondern ihren wortgewandten und die Konfrontation mit dem politischen Gegner suchenden „Joschka“, der sich nach eigenem Bekunden in dem „altehrwürdigen Bürgerhaus“, in dem die Grünen schon zahlreiche aufregende Debatten erlebt haben, gleich wieder heimisch fühlte.

          „Mittagspause mit Joschka“

          Für zwei Stunden - während der „Mittagspause mit Joschka“ - zeigte Fischer besondere Nähe zu „seinem“ Landesverband, den er nie verlassen würde, weil er in Hessen „viel zu tief verwurzelt“ sei, gab sich Fischer emotional, seine Getreuen im Blickfeld. Der Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit und „Tom“ Koenigs, heute Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung - alte Weggefährten aus Frankfurter Zeiten, sie waren alle gekommen.

          Mit dabei auch Noch-Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer, die bei immerhin drei Bundestagswahlkämpfen Spitzenkandidatin der hessischen Grünen war und sich, nach eigenen Angaben, nach zwanzig Jahren als Bundestagsabgeordnete nun selbst in die Freiheit entläßt, um wieder journalistisch und schreibend tätig zu sein. Allerdings, sagte Vollmer, komme das Ende dieser Legislaturperiode und der Abschied vom Bundestagsmandat „vermutlich schneller als gedacht und nicht mit meiner Zustimmung“.

          Fischer über Fischer: „Rentner in Sicht“

          Die erste Generation der Grünen ist sichtlich in die Jahre gekommen. Und auch Fischer äußerte, er habe sich schon zu einem „Rentner in Sicht“ entwickelt. Doch mit dem Gedanken, in den Ruhestand zu treten, kann er sich nicht wirklich anfreunden. Statt dessen richte er den Blick „nach vorne“, wie er gleich zu Beginn seines „Berichts der Bundestagsfraktion“ sagte. Der Architekt des rot-grünen Regierungsprojekts sieht denn auch die Zusammenarbeit von Rot und Grün trotz aller Umfragen und Prognosen noch lange nicht am Ende. Voller Inbrunst und Siegesgewißheit kündigte er in Butzbach an, sich im Wahlkampf wieder „voll reinzuhängen“. Für Mutlosigkeit und Verzagtheit sei kein Platz.

          Kritische Stimmen, die insbesondere mit Blick auf das gescheiterte Vertrauensvotum von „Abstimmungsschwindel“ und „Verfassungsbruch“ sprachen, das Verhalten der hessischen Grünen in Berlin als „unsäglich“ bezeichenten, ließ der heimliche Grünen-Vorsitzende nicht gelten. Es sei „gut und richtig“, wenn ein neuer Bundestag gewählt werde. Fischers Ziel ist es nun, in Hessen und in Baden-Württemberg ein außergewöhnliches und noch besseres Ergebnis zu erreichen als vor drei Jahren, um eine Neuauflage des rot-grünen Regierungsbündnisses zu ermöglichen. Dazu seien „äußerste Anstrengungen“ nötig, versuchte Fischer die Mitglieder zu motivieren. Auch zu Fehlern müsse man stehen, dennoch setze er auf Sieg.

          94 Prozent eingeheimst

          Den „lieben Freundinnen und Freunden“ rief er daher zu: „Wir haben eine große Chance zu gewinnen.“ Und der hessische Freundeskreis honorierte die Kampfesrede des Spitzenmannes mit einer Zustimmung von 94 Prozent. Ein Ergebnis, das Fischer in seinem Heimatverband noch nie zuvor erreicht hatte.

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