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Parkwirtschaft in Wilhelmsbad : Neuanfang nach dem Brandanschlag

Neuer Stil: Bis Ende des Monats soll die Einrichtung des Gastraums stehen. Bild: Sandra Schildwächter

Das Land hat die Kleine Parkwirtschaft in Wilhelmsbad aufgebaut. Die lange Durststrecke ist jetzt endlich vorüber. Doch ob tatsächlich die Mafia das Gebäude niederbrannte, steht bis heute nicht fest.

          3 Min.

          Den Brandgeruch wird Gianni Zebi wohl nie vergessen. Doch das große Feuer, das im Mai 2015 mit der Kleinen Parkwirtschaft in Hanau auch seine Zukunft beinahe zerstört hätte, ist Vergangenheit. Jetzt duftet es in den wiederaufgebauten Räumen nach Holz, frischer Farbe und nach Aufbruch. Seit 28 Jahren betreibt der Italiener in dem historischen Gebäude eine Gaststätte. Neben Pizza und Pasta gab es immer auch deutsche Küche. Serviert wurde in den vergangenen sechs Jahren weiterhin draußen oder in umfangreich hergerichteten Containern, wo auch gekocht wurde.

          Luise Glaser-Lotz
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Ans Aufgeben hat Zebi nicht gedacht, er wollte weitermachen und seine Stammkundschaft nicht im Stich lassen, wie er sagt. Nur ihrer Treue sei es zu verdanken, dass trotz des Brandes und der Corona-Pandemie das Restaurant weiterbestehen konnte. Die lange Durststrecke ist jetzt endlich vorüber. In dieser Woche fand die „bauliche Übergabe“ vom Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) an die Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen statt. Direktorin Kirsten Worms reichte ein ganzes Schlüsselpaket gleich an den neuen und zugleich alten Pächter der Parkwirtschaft weiter. Bis Anfang Oktober sollen die neuen Möbel ausgepackt sein, denn dann soll der Restaurantbetrieb wieder beginnen.

          Rund 6,2 Millionen Euro in Wiederaufbau investiert

          Am Morgen nach dem Brand bot sich Zebi ein Bild der Verwüstung. Das denkmalgeschützte, barocke Gebäude war bis fast auf die Grundmauern niedergebrannt, auch ein Anbau der Neuzeit war den Flammen zum Opfer gefallen. Wer das Gebäude damals in Brand setzte, konnte bis heute nicht geklärt werden. Im Verdacht stand die Mafia, was aber nicht bewiesen wurde. Mittlerweile sind die Ermittlungen eingestellt. Rund 6,2 Millionen Euro investierte das Land Hessen in den Wiederaufbau des Gebäudes, wobei darauf Wert gelegt wurde, so viel historische Bausubstanz wie möglich zu erhalten. Teilweise wiederverwendet werden konnten Baumstämme aus der Decke zwischen Erd- und Obergeschoss, die damals das Ausbreiten der Flammen ein Stück weit verhindern konnten.

          Das Haus aus dem Jahr 1785 wurde einstmals vor allem als Aufenthaltsraum für die Dienerschaft der wohlhabenden Gäste des Kurbetriebs abseits der Promenade errichtet. Später wurden dort Speisen gekocht und verzehrt, bevor ein Gasthof eingerichtet wurde. Er bildete nach den Worten von Worms mit Stallungen und Remisen eine Einheit und war den „einfachen Gästen“ zugedacht. Heute bilde es ein Kleinod.

          Laut LBIH-Direktor Thomas Platte sind die Arbeiten im Inneren und außen nahezu abgeschlossen. Im Anbau befinden sich die Haustechnik, die Küche und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Beschäftigten. Das entspreche dem historischen Zustand, als die Küche noch außerhalb des Wirtshauses lag. Dank dieser Aufteilung entstanden im Gastraum etwa 25 Quadratmeter mehr Fläche als zuvor. Insgesamt soll es 120 Sitzplätze geben. Wenn Teile der Inneneinrichtung und die Küche umgezogen sind, werden die Container, die als Übergangslösung dienten, abtransportiert und die Außenanlagen im Innenhof neu hergerichtet. Der Biergarten soll künftig auf einer Fläche von 300 Quadratmetern rund 200 Sitzplätze umfassen.

          Arbeitsteilung: Im neuen Anbau sollen Küche und Technik Platz finden.
          Arbeitsteilung: Im neuen Anbau sollen Küche und Technik Platz finden. : Bild: Sandra Schildwächter

          Die Konkurrenz eines gehobenen Speiserestaurants an der Wilhelmsbader Parkpromenade, wie es früher eines im ehemaligen Badhaus gab, muss Zebi nicht fürchten. Wie im vergangenen Jahr bekannt wurde, wird das Land Hessen mit Blick auf die bestehenden Gaststätten in und um Wilhelmsbad keine weitere an der Promenade schaffen. Diese sei nicht wirtschaftlich zu führen, zumal die Kleine Parkwirtschaft etabliert sei, hieß es. Das einstige Badhaus solle nach der Renovierung einer musealen Nutzung dienen. Weiteres Sanierungsprojekt nach der aufwendigen Wiederherstellung des zentralen Arkadenbaus ist der sogenannte Lange Bau an der Parkpromenade.

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          Wie seit Kurzem feststeht, hat das Land Hessen nun die Zusage zur finanziellen Beteiligung an der Sanierung des im Jahr 1781 erbauten Barocktheaters an der Wilhelmsbader Parkpromenade gegeben. Übernommen werden soll ein Viertel der Kosten von rund 7,5 Millionen Euro. Nach Mitteilung des CDU-Landtagsabgeordneten Heiko Kasseckert stellt das Land im Haushalt 2022 zunächst 340.000 Euro für Planungskosten ein. Weiteres Geld für die Folgejahre soll eingeplant werden, wenn die zuwendungsfähigen Kosten ermittelt sind.

          Der Bund gab ebenfalls eine Finanzierungszusage über 3,75 Millionen Euro. Er nutzt dafür den Fördertopf „Zuschuss für investive Kulturmaßnahmen bei Einrichtungen im Inland“. Die Stadt Hanau, die das Haus über ihre Betriebsführungsgesellschaft gemeinsam mit dem Congress Park Hanau als Veranstaltungsstätte unter anderem für Kleinkunst sowie Musik- und Sprechtheater betreibt, steuert knapp 1,9 Millionen Euro bei. Auch der „Förderverein für das Karussell im Staatspark Hanau-Wilhelmsbad“, der maßgeblich zur Sanierung des historischen Karussells des Parks beigetragen hat, setzt sich für das Comoedienhaus ein. Erneuert werden müssen unter anderem die technischen Bühneneinrichtungen sowie der Brandschutz.

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