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Rheingau-Taunus-Kreis : Klinik mit Hotelambiente

  • -Aktualisiert am

Im Wandel: Aus dem Parkhotel in Schlangenbad ist eine Parkklinik geworden. Bild: Marcus Kaufhold

In einer einstigen Luxusherberge sollen bald Menschen mit seelischen Beschwerden Hilfe finden. Die neue Schlangenbader „Parkklinik“ will im Oktober eröffnen.

          Goldene Deckenlampen, edle Teppiche und viel Marmor – dass man sich beim Gang durch die neue Parkklinik Schlangenbad an eine noble Herberge erinnert fühlt, hat einen guten Grund: Das denkmalgeschützte Ensemble war früher Heimat des Parkhotels, das einst als erstes Haus am Platz galt. Dort, wo früher Kurgäste nächtigten, sollen künftig Patienten mit akuten seelischen Beschwerden behandelt werden. „Wir halten am 4. Oktober als Eröffnungstermin fest“, sagte Tobias Freyer, der ärztliche Direktor der privaten Akutklinik für psychische und psychosomatische Gesundheit. Wie er erläuterte, liegen schon Anmeldungen vor. In der ersten Woche will man dem Mediziner zufolge die ersten fünf bis sechs Patienten aufnehmen.

          Das mondän anmutende Parkhotel war 1912 erbaut worden. Lange Zeit war es im Besitz des Landes, das es mit einer 15 Millionen Euro teuren Sanierung vor dem Verfall rettete und dann 1990 wiedereröffnete; doch das Haus brachte Hessen hohe Verluste. Schließlich verkaufte das Land die Liegenschaft 2008 an die Kölner Summit Partners GmbH, die nach Ablauf der fünfjährigen Bindungsfrist beantragte, das Hotel in eine Klinik umzuwandeln. Zuletzt war das Haus kaum noch nennenswert belegt.

          Gediegener Hotelstil noch immer zu erkennen

          Um eine lange Hängepartie zu vermeiden, stimmte die Gemeinde der Nutzungsänderung zu. Betreiber der neuen Parkklinik ist der Heidelberger Investor Ahmet Pekkip, der das Haus langfristig gepachtet hat. Vorbild für die Einrichtung in Schlangenbad ist die von Pekkip in Bad Säckingen betriebene private „Rhein-Jura-Klinik“. Nach Angaben Freyers ist eine Summe in deutlich siebenstelliger Höhe in das Schlangenbader Klinikprojekt geflossen. Als Herausforderung stellte sich den Angaben zufolge vor allem das Thema Brandschutz dar. Die Auflagen für eine Klinik seien strenger als für ein Hotel, sagte Freyer. Was die Gebäudesubstanz oder das Mobiliar angehe, so seien keine größeren Umbauten nötig gewesen.

          Die Patientenräume, durchweg Einzelzimmer, bekamen neue Betten; ansonsten wurden die Möbel größtenteils aus dem Hotelbetrieb übernommen, teils aufgearbeitet. Das Foyer erhielt eine neue Empfangstheke, überdies ziert der goldene Schriftzug „Parkklinik“ die Eingänge. Doch der gediegene Hotelstil ist überall noch deutlich zu erkennen. „Wir wollten die Optik nicht komplett verändern“, sagte Freyer, nach dessen Worten die Einrichtung „mehr Hotel- als Klinikcharakter“ hat. Ziel sei gewesen, das Haus in seiner Pracht zu erhalten.

          In der ersten Stufe ist die Akutklinik auf 30 Patienten ausgelegt. Um deren Wohl werden sich laut Freyer rund 50 Mitarbeiter kümmern: Darunter sind drei Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, eine Fachärztin für innere Medizin, sieben psychologische Psychotherapeuten und weitere Fachtherapeuten, etwa für Bewegungs- sowie Sport- und Musik- und Kunsttherapie. Auch gibt es eine „gute Küchenmannschaft“, wie Freyer ankündigte.

          Individuelle Therapien für alle Patienten

          Der leitende Psychologe Lars Hölzel sprach von einem „personalintensiven Konzept“, denn es seien dreimal pro Woche Einzelgespräche mit den Patienten geplant. Bei den Krankheitsbildern, die in der Klinik therapiert werden, ist man nach Freyers Worten „relativ breit aufgestellt“. Affektive Störungen wie Depressionen stehen ebenso auf der Liste wie Angst-, Zwangs- und Essstörungen sowie Tabletten- und Alkoholsucht, nicht aber die Abhängigkeit von illegalen Drogen. Die Klinik behandelt laut Freyer auch Burnout-Folgen, doch sei man keine „Burnout-Klinik“ und werde sich auch nicht auf diesem Feld spezialisieren.

          Das Angebot richtet sich an Personen von 18 Jahren an, im Blick hat die Klinik hauptsächlich Privatpatienten, Menschen mit Beihilfe- oder privater Zusatzversicherung und Selbstzahler. Die Therapien sollen individuell auf die Patienten abgestimmt werden. Im Schnitt sechs Wochen, so schätzt Freyer, werde ein Aufenthalt dauern. Ziel ist die langfristige Stabilisierung der Patienten, wobei die Therapeuten auch das soziale Umfeld der Betroffenen mit einbeziehen wollen. Auch der Verbindung von Körper und Geist will sich die Klinik den Angaben nach widmen und daher auch dem Thema Sport Raum geben.

          Eine geschlossene Abteilung oder gar eine forensische Station wird es Freyer zufolge in der Klinik nicht geben. Ohne entsprechende Sicherungsmaßnahmen könne man Personen, von denen eine Eigen- oder Fremdgefährdung ausgehe, hier nicht behandeln. Sollten solche Fälle in der Therapie auftreten, werden die Patienten den Angaben nach in andere Einrichtungen verlegt. Baulich ist das Haus laut Freyer auf 75 Patienten ausgerichtet. Um die für diese Zahl nötige Personalaufstockung macht sich der ärztliche Direktor keine Sorgen, sei doch die Bewerberlage „erfreulich“. Bei steigender Nachfrage will man die Kolonnaden des Komplexes sanieren und dann für Therapieräume nutzen. Die maximale Kapazität soll bei 115 Patienten liegen, die dann von etwa 200 Mitarbeitern betreut würden.

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