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Rosenhöhe in Darmstadt : Rasenkante und hitzefeste Stauden

Überragend: Das Rosarium mit dem Rosendom auf der höchsten Stelle des Darmstädter Parks. Bild: Marcus Kaufhold

Bei der aufwendigen Sanierung des Darmstädter Parks Rosenhöhe mit dem Rosarium spielt auch der Klimawandel eine Rolle. Doch die Planung versucht den Garten auch für diese Hürde zu wappnen.

          Die Rosenhöhe mit dem Rosarium ist ein herausragendes Kulturdenkmal, ein bedeutsames Gartenkunstwerk und ein Lieblingsort vieler Darmstädter. Kein Wunder, dass dort die Arbeit des Grünflächenamtes mit besonderem Interesse verfolgt wird. Zum Beispiel die Verwendung eines Sand-Kies-Gemisches bei den „Partnerschaftsbeeten“: Jede Partnerstadt hat eine solche Fläche bekommen. Bei der Stadt Saanen besteht das Beet aus dem typischen Schweizer Kreuz in der Mitte und Rosenstöcken drum herum, die im Moment aber nicht blühen. So sieht die kleine Anlage vergleichsweise trist aus. Zumal das Beet des polnischen Nachbarn Plock so dicht wie Urwald bepflanzt ist, so dass der Sand-Kies-Boden darunter verschwindet.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          An diesen beiden Beeten haben gestern Umweltdezernentin Barbara Akdeniz (Die Grünen) und die Leiterin des Grünflächenamtes Doris Fath zusammen mit Mitarbeitern ihre Führung über das Rosarium begonnen, um den Stand der Sanierungsarbeiten in der Gartenanlage zu erläutern. Anfang der achtziger Jahre befand sich das einst großherzogliche Areal im Besitz des Hauses Hessen. Dann wurde die Anlage in einem zum Teil zerstörten und verwilderten Zustand von der Stadt übernommen. Da es keine historischen Pläne gab, wurde versucht, anhand vorhandener Wege und Mauern die einstige Struktur zu rekonstruieren und neu anzulegen. Das ist schon länger her, weshalb vor fünf Jahren mit der Sanierung begonnen wurde. Fath zufolge wird es voraussichtlich noch einmal drei Jahre dauern, bis die Arbeiten beendet sind. Die Stadt finanziert sie mit rund 50.000 Euro im Jahr. Hinzu kommt die Hilfe des Fördervereins Rosenhöhe – „Rat und Tat und Geld“. Für die Stadt sei dies eine „sehr große Unterstützung“, sagte Fath.

          Die Sanierung umfasst eine grundlegende Erneuerung von Mauern, Wegen und Pflanzbeeten, von denen einige an den Klimawandel angepasst werden. Das heißt, es werden vermehrt Blumen und Stauden verwendet, die mit Hitze und Trockenstress besser zurechtkommen. Auch wird ein Bewässerungssystem angelegt. Dessen Wirkung ist sehr schön zu sehen am Rosendom. Dort ist eines von vier neuen trapezförmigen Rosenbeeten zu sehen, deren charakteristische Geometrie den Wechsel von Rosen und Rasen ausmacht.

          Trapezförmig: Neu angelegte Rosenbeete

          Beides, Rasen und Rosen, stehen in Saft und Kraft, was den neu installierten Bewässerungsanlagen zu verdanken ist. Der Rosen-Quadrant lässt sich automatisch bewässern. Vereinfacht wird die Arbeit der sechs Gärtner, die ständig auf der Rosenhöhe im Einsatz sind und im Rosarium von vier Auszubildenden unterstützt werden, auch durch die Konstruktion der Anlage: Die Rosenbeete sind mit Stahlbändern eingefasst, die neu angelegte Trockenmauer hat eine Rasenkante, wodurch deren zeitaufwendiges Schneiden entfällt. Das ist bei rund 10.000 Rosenstöcken und weitere 30.000 Stauden, die gepflegt sein wollen, keine geringe Arbeitserleichterung.

          „Der Hitzesommer zeigt sich in der ganzen Stadt“

          Wie arbeitsintensiv der Erhalt eines solchen Blumenmeeres ist, zeigt die 2018 erledigte To-do-Liste: Der Boden der Irisbeete wurde aufgelockert und mit Astern und Ziergräsern bepflanzt, um auch im Herbst blühende Pflanzen zu haben; die Einfassungssteine des Seerosenbeckens wurden befestigt, die Staudenfarbbeete neu bepflanzt; an die metallischen Rankhilfen um die Sitzinseln sind Clematis viticella gesetzt und als Ergänzung zum Rosen-Quadranten auf den Beeträndern Schleifenblumen angepflanzt worden als „floristische Bordüre“. Außerdem wurde das Rosarium barrierefrei gemacht, indem einige Treppen durch Rampen ersetzt wurden.

          Auf dem Programm für dieses und nächstes Jahr stehen für die Lehrlinge, die einen großen Teil der Arbeit leisten, neben der Anlage der drei weiteren Rosenvierecke die Schaubeete parallel zum Ludwig-Engel-Weg, die als Blühstreifen angelegt sind, nach einem Bodentausch aber wieder mit Rosen bepflanzt werden sollen. Im Herbst soll auch die Asphaltdecke des Weges zwischen Löwentor und dem zweiten Tor erneuert werden. Dazu zählen eine Entwässerung und gepflasterte Bankstandorte. Außerdem werden die technischen Voraussetzungen für eine Toilettenanlage geschaffen. Die Ökologie auf der Rosenhöhe scheint intakt. Die Zahl der Eidechsen hat, wie Mitarbeiter des Grünflächenamtes erzählten, stark zugenommen, im Seerosenteich wimmelt es von Fröschen, Eulen freuen sich über Igel auf dem Gelände.

          Auch der Blick auf die umliegenden großen Bäume des historischen Parks wirkt beruhigend, erst bei genauerem Blick nimmt man Trockenschäden wahr. „Der Hitzesommer zeigt sich in der ganzen Stadt“, sagte Akdeniz. Das Grünflächenamt bewässere 1500 Jungbäume, damit sie nicht vertrockneten. Der Wassermangel werfe viele Fragen auf, ein Klima-Anpassungskonzept gebe es noch nicht. Aber es wird experimentiert. Die Partnerbeete mit dem Sand-Kies-Gemisch, die manchen Bürgern zunächst nicht gefallen haben, sind auch als Reaktion auf das sich wandelnde Klima zu verstehen. Dieser Bodenuntergrund vereinfacht nicht nur den ständigen Kampf gegen das Unkraut. Die Mischung, die nichts mit Schotter zu tun hat, lässt das Wasser auch sofort bis auf die Wurzelebene der Pflanzen einsickern, so dass es nicht verdunstet. Ein kleiner Wasserspeicher also, von denen die Stadt künftig wohl noch sehr viele brauchen wird.

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