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Paläontologie : Boten aus der Urzeit

Das älteste bekannnte Fossil eines Kolibris Bild: F.A.Z. - Foto Cornelia Sick

Der Kelkheimer Hobbypaläontologe Klaus-Dieter Weiß beklopft urzeitliches Geröll mit seinem Hämmerchen hartnäckig und geduldig Stunde um Stunde. Etliche fossile Schätze hat er schon Museen gespendet.

          Wann immer es im Rhein-Main-Gebiet tief in den Untergrund geht, wird der Spürsinn von Klaus-Dieter Weiß geweckt. So waren der 46 Jahre alte Maschinenschlosser und seine Freunde sofort zur Stelle, als die Grube für den Frankfurter Main-Tower und die Schächte für die U-Bahn-Station am Senckenbergmuseum ausgehoben wurden, und sie begutachteten den Aushub mit fachmännischem Blick.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Der Kelkheimer Hobbypaläontologe und die Mitglieder des 2004 gegründeten Verein „Palaeo-Geo“ beklopfen urzeitliches Geröll mit ihren Hämmerchen hartnäckig und geduldig Stunde um Stunde. Gäbe es diese Freizeitforscher nicht, die die Welt wäre um einige wertvolle Fossilien ärmer: So werden 20 versteinerte Fische, die Weiß quasi vor der Haustür des Senckenbergmuseums gefunden hat, nun in der naturkundlichen Abteilung gezeigt. Die größte wissenschaftliche Sensation aber hat der Kelkheimer Verein in der vergangenen Woche dem Staatlichen Museum für Naturkunde in Karlruhe übergeben: die 31 Millionen Jahre alten Vogel-Skelette des weltweit ältesten fossilen Kolibri.

          60 Mitglieder zählt der Verein der Kelkheimer Fossiliensammler. Der Club, zu dessen Gründern Weiß zählt, schickt sich an, in der Fachwelt für Furore zu sorgen. Denn das Ehepaar Annette und Harald Oechsler war schon 1995 in der Tongrube Unterfeld nahe der nordbadischen Stadt Rauenberg auf das Kolibri-Skelett gestoßen.

          Klaus Weiß mit dem ältesten Raubfisch der Welt

          „Weissobatis micklichi“

          Weiß, der den fossilen Fund nun präpariert und einen Abdruck des urzeitlichen Schatzes für das private Fossilienmuseum in Fischbach gemacht hat, erläutert, daß Laien auf den ersten Blick nur schwer Fossilien erkennen könnten. Es gehöre Übung dazu, Zähne oder Schuppenteile auszumachen, die sich meist nur undeutlich auf Steinen abzeichneten. Alles weitere sei mühevolle Arbeit, eine oft stunden-, manchmal sogar tagelange Präparation.

          Das Interesse des Fischbachers an dem ungewöhnlichen Hobby ist mit acht Jahren schlagartig geweckt worden. Damals begleitete der Junge einen Fossiliensammler ins Altmühltal, und es war sofort um ihn geschehen. Von der lebenslangen Leidenschaft für das Aufspüren der Versteinerungen zeugt heutzutage ein schier unüberschaubares Sammelsurium aus der Tier- und Pflanzenwelt vergangener Jahrmillionen.

          Im Wohnzimmer des Maschinenschlossers hängt zum Beispiel das 38 Millionen Jahre alte Fossil eines Thunfischs. Ein Rochen aus dem Oligozän, der „Weissobatis micklichi“, trägt sogar seinen Namen. Und das Bundesverdienstkreuz hat Weiß wegen seines Einsatzes zum Wohl der Wissenschaft auch schon erhalten. 30 bis 40 Schulklassen führt er jährlich durch sein Fischbacher Museum und weiht die jungen Leute in die Geheimnisse der Fossilienkunde ein.

          Abenteuerlust

          Ein bißchen hat den Kelkheimer wohl auch die Abenteuerlust gelockt, als er in den achtziger Jahren zur Grube Messel zog, dort auf verbotenen Pfaden der Urzeit ihre Geheimnisse zu entreißen. Freilich sei das nicht legal gewesen, und die Polizei habe ihn öfters verjagt. Das große Geschäft - mit seinen Funden seien auf dem Markt zweistellige Millionen-Beträge zu erzielen - habe ihn nie interessiert. Rund 50.000 Entdeckungen hat Weiß in der ganzen Welt schon an Museen, Wissenschaftler und Sammlungen abgetreten.

          Sein größter Wunsch habe sich jüngst erfüllt, als er bei Jeckenbach nördlich von Kaiserslautern den Schädel eines „Stegocphale“ - eines etwa 1,60 Meter große Urlurchs von nahezu unschätzbarem Wert ausgegraben habe. Das Original ist nun im Juramuseum in Eichstätt ausgestellt.

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