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Ortstermin im Mordfall Maintal : Nachgespielte Schüsse im Gestrüpp

Ortstermin: Das Gericht am Mittwoch auf der ehemaligen Main River Ranch Bild: Laila Sieber

Beim Ortstermin am Tatort macht sich das Landgericht Frankfurt ein eigenes Bild. Im Beisein der Angeklagten spielen Polizisten nach, wie die Tat abgelaufen sein könnte: War es Mord oder Notwehr?

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          Um kurz nach zehn zieht der Wachtmeister seine Maske herunter und ruft: „Die Strafsache B. wird fortgesetzt.“ Normalerweise würde er jetzt sagen: „In der Strafsache B. bitte alle Beteiligten in Saal I eintreten.“ Aber diesmal gibt es keinen Saal und kein Gerichtsgebäude, nur ein zugewuchertes Gelände am Rand von Maintal mit einem Tor davor, das sonst verschlossen ist. Das Schild, auf dem „Main River Ranch“ steht, ist noch da, verrutscht und halb verdeckt von Gestrüpp. Nur wenige Meter weiter neben einem verfallenen Schuppen fand die Polizei im Herbst 2014 die Leichen von Sieglinde und Harry Klock, mit Mist bedeckt und unter einem Haufen Gerümpel versteckt. Es ist unstreitig, dass sie von ihren Untermietern getötet wurden, Vater und Sohn B., doch ob deren Tat als Mord und Totschlag oder Notwehr und Nothilfe zu werten ist, darum wird seit sechs Jahren gestritten.

          Anna-Sophia Lang
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Deshalb stiefelt an diesem Mittwoch der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer am Landgericht Frankfurt durch das hohe Gras des ehemaligen Pferdehofs, hinter ihm folgen im Gänsemarsch auf dem Trampelpfad seine Kollegen und die Schöffen, die vier Verteidiger und die Angeklagten, die Anwälte der Angehörigen, der Oberstaatsanwalt und die Zuhörer. Weit hinten, zwischen mannshohen Brennesseln und kratzendem Gesträuch, versammelt sich die Gruppe um das Aufnahmegerät eines Sachverständigen. Dann legt der Vorsitzende los.

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