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Zwei Dickhäuter für Opel-Zoo : Hoffen aufs junge Elefantenglück

Törötörö: Kariba ist im Opel-Zoo und in ihrem Gehege angekommen. Bild: Maximilian von Lachner

Kariba ist mit ihrer „Ziehmutter“ Lilak aus Berlin in den Taunus umgezogen: Dort soll die Elefantenkuh mit Tamo eine neue Herde gründen. Die Familiengründung steht am Ende eines langen Planungsprozesess. Das erste Kennenlernen verläuft erfreulich.

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          Bei den Elefanten im Opel-Zoo sind zwei Berlinerinnen angekommen. Das soll vor allem den Elefantenbullen Tamo interessieren. Es ist der Moment, wo gestandene Männer schwach werden und mit der gebotenen Distanz kämpfen.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          „Alles gut, Mäuschen“, sagt Revierleiter Daniel Scheinkönig und redet beruhigend auf den Neuankömmling ein. Das Mäuschen wiegt zwei Tonnen, hat einen Rüssel und erkundet damit seinen neuen Stall. Eigentlich heißt es Kariba. Die afrikanische Elefantenkuh ist 14 Jahre jung, für die Dickhäuter ist das kein Alter.

          Corona verzögerte den Umzug

          Jung, hübsch, weiblich – das passt. Hofft zumindest der Direktor des Opel-Zoos, Thomas Kauffels. Denn die Berlinerin soll in Kronberg für Nachwuchs sorgen. Dem seit 2013 im Opel-Zoo lebenden Elefantenbullen Tamo fehlte bisher eine Partnerin im passenden Alter. Die gestandenen Damen Aruba, Wankie und Zimba, die mit ihm damals das neue Elefantenhaus bezogen haben, waren für ihn eher wie ältere Tanten. Von den dreien ist zudem nur noch Zimba übrig.

          Eigentlich war die Ankunft von Kariba schon für den 17. März arrangiert. Aber dann starb sechs Tage vorher unerwartet Aruba im Alter von 41 Jahren, und gleich darauf legte das Corona-Virus alles lahm. „Können Sie sich das vorstellen?“, sagt Kauffels über seine damalige Enttäuschung. Denn der Umzug war über Monate vorbereitet. Außerdem hatte es Folgen für andere Zoos, denn Aruba sollte ursprünglich mit Zimba ein neues Zuhause bekommen. „Das ist wie ein Dominospiel.“

          Mit Ziehmutter nach Kronberg

          An diesem Mittwoch ist der Ärger längst der Spannung gewichen. In aller Frühe ist es soweit. Der Transporter hat zwei Spezialcontainer geladen, denn Kariba kommt nicht allein. Als sie vier Jahre alt war, ist ihre Mutter gestorben. Elefanten sind soziale Tiere, und fortan kümmerte sich Lilak um sie und adoptierte gewissermaßen das junge Fräulein. Die 49 Jahre alte Ziehmutter, mit 3,3 Tonnen deutlich schwerer, ist deshalb mit nach Kronberg gereist.

          Zusammen mit Zimba sollen die beiden eine Herde aus drei Kühen bilden. Tamo gehört von Natur aus nicht dazu. „Bullen kreisen wie Satelliten um die weiblichen Herden“, erklärt der Zoodirektor. Die beiden neuen Elefanten kommen aus dem Tierpark Berlin, dem Zoo in Friedrichsfelde im früheren Ostteil der Stadt. Dort wird die Elefantenanlage neu gebaut, weshalb alle Tiere abgegeben wurden. Am Dienstag bestiegen Lilak und Kariba die Transportkisten, die mit Wassertank und Kameraüberwachung ausgestattet sind. Es hat ein paar Stunden gedauert, bis die Tiere rückwärts hineingegangen sind.

          Erste Erkundung der neuen Heimat: Kariba erspäht mit ihrem Rüssel nach die neue Umgebung aus ihrem Transportcontainer. Bilderstrecke
          Umzug zweier Elefanten : Kariba und Lilak sind im Opel-Zoo angekommen

          „Letztlich hat es gut geklappt“, sagt der Tierarzt Marco Roller, der ebenso aus Berlin mit angereist ist wie der Pfleger, mit dem die Elefanten vertraut sind. Dieser wird mindestens vier Wochen hierbleiben, bis sie eingewöhnt sind. In Kronberg müssen die Container von einem Kran vor die Tür des Elefantenhauses gehoben werden. Anschließend lassen sie sich bis an einen Durchgang schieben.

          Dieser ist, wie auch die Stallboxen, mit dicken Stahlstreben gesichert. Das sieht martialisch aus, aber Elefanten sind nun einmal die gefährlichsten Tiere des Zoos. Nicht, weil sie besonders angriffslustig wären, sondern wegen ihrer Masse. Eine unbedachte Bewegung eines Dreitonners kann für einen zerbrechlichen Menschen tödliche Folgen haben.

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          Die Boxen von Lilak und Kariba liegen direkt nebeneinander. Bei ihrer Ankunft steht die Tür dazwischen offen, und Kariba sucht sogleich die Nähe ihrer Ziehmutter, bevor sie ein paar vorsichtige Schritte in den Stall nebenan unternimmt. Auch zu Zimba in der Nachbarbox haben die beiden Sicht- und Rüsselkontakt. Wenn sie sich ein wenig eingelebt haben, bietet die große Außenanlage genügend Platz, um die Verhältnisse in der Herde zu klären.

          Im Halbdunkel des jungen Tags schaut sich auch Gregor von Opel, Vorstand der von Opel Hessischen Zoostiftung, die Ankunft der Dickhäuter an. Nicht nur wegen ihrer imposanten Größe ist der Transport ein Ereignis. Für Direktor Kauffels geht damit ein Konzept auf, das er sich schon vor zehn Jahren überlegt hat. „Als wir das Elefantenhaus geplant haben, mussten wir uns Gedanken über die künftigen Bewohner machen“, sagt er. Weil Elefanten lange Lebenszyklen haben und ihre Zucht koordiniert wird, wusste er schon lange vorher, wer für Tamo infrage kommen könnte. Umso erleichterter ist er, dass es jetzt geklappt hat.

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