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Zuchtstation für Feldhamster : Neue Zoo-Bewohner im Schlaf kennenlernen

Scheu und nachtaktiv: Ein Feldhamster erkundet die neue Anlage im Opel-Zoo. Bild: Marcus Kaufhold

Die Auffang- und Zuchtstation für Feldhamster stellt den Opel-Zoo vor Herausforderungen: Der Nager rührt sich erst dann, wenn die Besucher weg sind. Der Weg dorthin lohnt sich trotzdem.

          Na schön. Wenn er mit seinen kleinen schwarzen Knopfaugen in die Kamera schaut und die Vorderpfötchen dabei vor die Brust hält, als würde er „Bitte, bitte, bitte“ sagen, geht der Feldhamster als Sympathieträger durch. Deshalb gibt es beim Opel-Zoo auch Aufkleber mit diesem Motiv der Kategorie „Ist der süß“. Ansonsten aber ist der zur Familie der Wühler gehörende Genosse marketingtechnisch eine Katastrophe. Zumindest für eine Institution wie das private Freigehege, das sich ausschließlich aus Eintrittsgeldern finanziert. Denn er schläft tagsüber und rührt sich erst dann, wenn die Besucher weg sind.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Entsprechend groß war die Begeisterung von Zoodirektor Thomas Kauffels, als Dieter Selzer von der Unteren Naturschutzbehörde des Hochtaunuskreises mit der Idee auf ihn zukam, eine Auffang- und Zuchtstation für Feldhamster einzurichten. Denn dort gibt es schon eine ganze Reihe anderer heimischer Arten wie Wildkatze oder Waldrapp, deren Attraktivitätsfaktor nach Worten von Kauffels darunter leidet, dass sie „klein, schwarz oder grau, nachtaktiv und damit nicht zu sehen sind“. Aber der Opel-Zoo fühlt sich nun einmal bedrohten Tieren verpflichtet. Regelmäßig gibt er die in Kronberg gezüchteten Exemplare zur Auswilderung ab.

          Sein größter Feind: die moderne Landwirtschaft

          Auch die jeweiligen Feldhamster sollen hier nicht dauerhaft bleiben, sondern nach und nach zu ihren rar gewordenen Artgenossen im Freiland stoßen. Dort ist es erst wenige Jahrzehnte her, dass sich Kinder Fangprämien für jeden abgelieferten Hamster verdienen konnten, wie Christian Hey, Leiter der Abteilung Klimaschutz im hessischen Umweltministerium, bei der Eröffnung der Auffangstation sagte.

          Vorbereitung: Tiere aus der Station sollen auch ausgewildert werden.

          Dann hat die moderne Landwirtschaft dem einstigen Ernteschädling den Garaus gemacht, und er wurde unter Schutz gestellt. Seither habe er sich den Ruf als Investitionshindernis erworben – manches Großprojekt schien wegen einer plötzlich entdeckten Feldhamsterpopulation vor dem Scheitern zu stehen. Inzwischen aber sei er dafür zu selten, so Hey. Außerdem habe sich gezeigt, dass Hamster erfolgreich umgesiedelt werden könnten.

          Eine neue Heimat

          Die Kronberger Station besteht aus einem kleinen Freigehege, das hamstergemäß tagsüber leer ist. Damit sich der Weg dorthin trotzdem lohnt, haben direkt angrenzend vor wenigen Tagen drei Paare des Europäischen Ziesels eine neue Heimat gefunden. Die schlanken Hörnchen sind mindestens ebenso putzig wie ein wacher Feldhamster und haben den Vorteil, das Tageslicht nicht zu scheuen. Mit einer kleinen Einschränkung: „Sie halten von Ende August bis Mitte März Winterschlaf“, seufzte Kauffels. Aber auch auf die Feldhamster müssen Besucher nicht verzichten. Im Inneren der Auffangstation lässt sich zwei Hamstern beim Schlafen zusehen, denn ihre Gänge graben sie an einer Glasscheibe entlang.

          Putzige Hörnchen: In der direkten Nachbarschaft der Hamster haben Ziesel einen neue Heimat gefunden.

          Die beiden sind strikt getrennt, ebenso wie die anderen acht, die im nicht zugänglichen Teil der Station in Käfigen gehalten werden. „Hamster sind extreme Einzelgänger und gehen sofort aufeinander los“, beschrieb der Zoodirektor die Herausforderung der Zucht. Selbst einander zugetane Paare hielten es oft nur zwei oder drei Stunden miteinander aus, bevor sie wieder zu beißen anfingen. Über das Leben der Tiere informiert in der Station eine beleuchtete Tafel. So lassen sich die Feldhamster gewissermaßen im Schlaf kennenlernen.

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